23.02.2026

„Wir haben unser Neukreditvolumen mehr als verdoppelt“ – 1,7 Milliarden Euro für die Energiewende

56 Prozent – so viel des in Deutschland in das öffentliche Netz eingespeisten Stroms stammte 2025 aus erneuerbaren Energien. Das ist Rekord. Die DZ BANK ist traditionell einer der führenden Finanzierer der Energiewende. Das hat sich in den vergangenen Jahren auch stets in unserem Portfolio gezeigt – es ist kräftig gewachsen. Doch wie sah es im vergangenen Jahr aus? Hat sich das Wachstum fortgesetzt oder haben gestiegene Kosten für Material neue Projekte ausgebremst? Wir haben bei Alexandra Pohl, Gruppenleiterin Erneuerbare Energien Deutschland in der Strukturierten Finanzierung, nachgefragt.

Alexandra, kurz und knapp – wie lief es 2025 bei euch?

Unsere Projektfinanzierung für Erneuerbare Energien hat sich extrem positiv entwickelt. Allein in Deutschland haben wir unser Neukreditvolumen mehr als verdoppelt auf 1,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 800 Millionen Euro. Wir haben 48 Finanzierungen begleitet, davon entfielen 94 Prozent auf den Bereich Windkraft. In den Infralogic Rankings belegen wir bei den Onshore Windkraftanlagen in Deutschland den zweiten Rang, in Europa den dritten. Insgesamt ist unser Kreditvolumen bei den Erneuerbaren auf 9,7 Milliarden Euro angewachsen. Ende 2024 waren es noch 7,9 Milliarden Euro. Aktuell entfallen etwa 7 Milliarden auf das Deutschlandgeschäft. Aber auch im Ausland begleiten wir zunehmend deutsche Kunden bei ihren Projekten, unter anderem im Polen, Frankreich, Großbritannien oder Italien. 

Das Bild stellt das Neukreditvolumen in Deutschland im Jahr 2025 dar, welches auf einem Rekordniveau von 1,7 Milliarden Euro plus 900 Millionen Euro liegt. Es enthält Symbole für Windenergie und ein Gebäude.
Das Bild zeigt eine grafische Darstellung, die das Gesamtportfolio in Deutschland und im Ausland beschreibt. Es gibt zwei Hauptkreise: einen für Deutschland, mit einem Wert von 7 Milliarden Euro, und einen für das Ausland, mit einem Wert von 2,7 Milliarden Euro. Unter diesen Werten wird eine Zunahme von 1,2 Milliarden Euro für Deutschland und 600 Millionen Euro für das Ausland angegeben. Insgesamt ergibt dies ein Portfolio von 9,7 Milliarden Euro. Die Darstellung enthält auch Windräder als visuelle Elemente, was auf erneuerbare Energien oder Umweltinvestitionen hinweisen könnte.

Woher kommt das Wachstum? Hohe bürokratische Hürden und lange Genehmigungsverfahren haben euch und den Kunden bislang das Leben schwer gemacht. Gibt es hier Lichtblicke?

Ja, für den Standort Deutschland gilt das durchaus. Wir haben im vergangenen Jahr beobachtet, dass Projekte tendenziell schneller genehmigt wurden und dass es einige Vereinfachungen in der Gesetzeslage gegeben hat. Das sind insgesamt Nachholeffekte der Ampelregierung, die sich während ihrer Legislaturperiode für die Erneuerbaren stark gemacht hatte.Zur Wahrheit gehört aber auch, dass einzelne Windkraftanlagen teurer geworden sind – grob gesagt kostete eine Anlage vor wenigen Jahren noch etwa 6 Millionen Euro, heute sind es eher 10 bis 12. Das bedeutet natürlich auch, dass der Finanzierungsbedarf unserer Kunden steigt. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass die Windparks zum Teil größer werden, also mehr einzelne Räder in einen Park gebaut werden. Wir haben im vergangenen Jahr mehrere Projekte mit einem Finanzierungsvolumen von mehr als 100 Millionen Euro begleitet. Das ist auch für uns eine neue Dimension.

Wie stemmt ihr diesen erhöhten Finanzierungsbedarf im Team?

Wir haben in der Bank über die letzten Jahre unsere Mannschaften im Markt und in der Marktfolge ausgebaut. Das trägt nun Früchte und erklärt, warum wir gemeinsam das Neukreditvolumen so deutlich steigern konnten. Wir können schlichtweg mehr Projekte bearbeiten. In der Strukturierten Finanzierung sind gibt es mittlerweile zwei Gruppen mit Fokus auf die Erneuerbaren in Deutschland mit insgesamt 27 Kolleginnen und Kollegen. Zudem haben wir uns stark bei den Genossenschaftsbanken engagiert und beispielsweise über Schulungen und Fortbildungen Wissen in die Primärbanken getragen. Damit können einige von ihnen kleinere Projekte mittlerweile selbst finanzieren. So sind wir in der Genossenschaftlichen Finanzgruppe ganzheitlich gut aufgestellt für die Energiewende. 

Welches Projekt ist dir in besonderer Erinnerung geblieben?

Wir haben vergangenes Jahr fünf Photovoltaik-Projekte mit integriertem Batteriespeicher umgesetzt. In diesen kann die überschüssige gewonnene Sonnenenergie für einige Zeit gespeichert werden. Solche Kombilösungen sind eine echte Innovation am Energiemarkt und sie gelten gewissermaßen als Game Changer, denn sie tragen entscheidend dazu bei, unsere Netze zu stabilisieren. So können Erneuerbare Energien die Verantwortung für eine flächendeckende Stromversorgung in Deutschland übernehmen. 

Wie lautet deine Einschätzung – ist Deutschland jetzt auf Kurs beim Ausbau der Erneuerbaren?

Wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass auch 2026 ein starkes Jahr wird. Für die Zeit danach sind Prognosen allerdings schwierig. Ab Januar 2027 wird ein neues Erneuerbare Energien-Gesetz – als EEG bekannt – in Kraft treten. Auch wenn bisher kaum verlässliche Informationen dazu durchsickern, dürften damit Erneuerbare Energien-Finanzierungen herausfordernder werden. Das bisherige EEG legt eine feste Einspeisevergütung zugrunde, die den Projektierern eine verlässliche Kalkulationsgrundlage bietet. Künftig möchte die Regierung diesen Preis stärker an die reale Strompreisentwicklung binden. Durch diese Volatilität benötigen Projektierer mehr Eigenkapital, wenn sie beispielsweise einen neuen Windpark finanzieren wollen. Wir warten gespannt darauf, wie das neue Gesetz aussehen wird. Sowohl für unsere Kunden als auch für uns in der Bank gilt: Stabile Rahmenbedingungen und Planbarkeit sind das A und O, damit wir weiterhin erfolgreich die Energiewende vorantreiben können.