Kryptowertpapiere für Privatkunden: DZ BANK bringt Blockchain in den Retail-Markt
Über die Blockchain emittierte Wertpapiere – funktioniert das auch im Retail-Geschäft? Definitiv: Die DZ BANK hat gemeinsam mit der Volksbank eG – Die Gestalterbank Ende Oktober erstmals in Deutschland ein Anlagezertifikat als Kryptowertpapier für Privatkunden emittiert und vertrieben. Statt einer physischen Urkunde wurde das Wertpapier in ein Kryptowertpapierregister eingetragen. Damit wurde ein zentraler Schritt der Wertpapieremission digital abgewickelt.
Für institutionelle Kunden tüftelt die Bank schon seit einigen Jahren an Blockchain-basierten Emissionen. Zuletzt hat sie auf diesem Weg regelmäßig Anleihen an den Markt gebracht. Die Transaktion in Kooperation mit der Gestalterbank ist dagegen ein Novum, da sie diesen Ansatz erstmals auf das Retail-Geschäft erweitert. „Das Kryptowertpapier wurde nach dem Elektronischen Wertpapiergesetz (eWpG) begeben und die Gestalterbank hat es als Zeichnungsprodukt vertrieben“, berichtet Maximilian Jäger, Produktmanager aus dem Privatkundengeschäft der DZ BANK. Eine echte Innovation: „Wir haben das im Retail-Bereich in dieser Form noch bei keiner anderen Bank in Deutschland gesehen.“
Blockchain-Emissionen können den Retail-Markt revolutionieren
Das langfristige Potenzial im Retail-Geschäft ist groß. „Wir emittieren im Sekundärmarktgeschäft rund 500.000 Produkte pro Jahr“, erklärt Maximilian Jäger. Täglich werden neue Produkte aufgelegt. Das kostet Zeit, aber auch Geld, etwa im operativen Prozess oder für beteiligte Dienstleister.
Mit der Blockchain ist das in diesem Umfang künftig nicht mehr nötig. Sie bündelt viele Prozessschritte und beschleunigt damit die gesamte Emission. Das spart Kosten, weil die klassische Urkundenerstellung entfällt und die Verwahrkette ohne zwingende Einbindung eines Zentralverwahrers auskommen kann. Außerdem gelten Blockchain-basierte Transaktionen als besonders sicher. Sie lassen sich nachträglich nicht verändern oder löschen.
In der Realität sind insbesondere der Börsenhandel von Kryptowertpapieren sowie deren Verwahrung für Retail-Kunden durch die Regulatorik wenig praxistauglich. Das bedeutet, dass eine vollständig digitale Abwicklung eines Kryptowertpapiers ohne Intermediäre aktuell nicht möglich ist, wenn der Kunde eine Börsenanbindung wünscht.
Regulatorik bremst vollständig digitale Abwicklung noch aus
Für die DZ BANK ist die Transaktion zusammen mit der Gestalterbank der Einstieg in eine Wertpapierwelt, in der Emission, Handel und Abwicklung auf einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur zusammenlaufen. Gleichzeitig hat sie gezeigt, woran eine breite Marktreife noch scheitert. Zwar hat der deutsche Gesetzgeber mit dem eWpG teilweise einen Rechtsrahmen dafür geschaffen. Aber: „In der Realität ist insbesondere der Börsenhandel von Kryptowertpapieren sowie deren Verwahrung für Retail-Kunden durch die Regulatorik wenig praxistauglich. Das bedeutet unter anderem, dass eine vollständig digitale Abwicklung eines Kryptowertpapiers ohne Intermediäre aktuell nicht möglich ist, wenn der Kunde eine Börsenanbindung wünscht“, erklärt Jäger.
Ein Beispiel: Soll bei der Verwahrung eines Kryptowertpapiers auf einen Zentralverwahrer verzichtet werden, muss der Endkunde den Verwahrer laut derzeit geltendem Depotrecht noch bei jeder Transaktion schriftlich ermächtigen. „Das ist realitätsfern und widerspricht dem Kerngedanken, dass wir bei Blockchain-Emissionen künftig auf manuelle und bürokratische Schritte verzichten möchten.“ Nichtsdestotrotz stellt sich die Bank bereits für den Fall einer Flexibilisierung der Gesetzeslage auf. „Wir haben die gesamte Infrastruktur im Haus und sind startklar, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen.“
Autorin: Lisa Unbehaun, Pressesprecherin bei der DZ BANK
Was hat die DZ BANK im Bereich Blockchain bereits umgesetzt?
Die DZ BANK beschäftigt sich seit 2021 mit der Emission von Wertpapieren auf Basis der Blockchain-Technologie. Dabei hat die Bank unter anderem digitale Anleihen begeben und die zugrunde liegenden Prozesse für Emission, Abwicklung und Verwahrung verprobt. Mit der Emission eines Kryptowertpapiers für Privatkunden hat die DZ BANK diesen Ansatz im Jahr 2026 auch auf das Retail-Geschäft ausgeweitet.
Welche Erfahrungen hat die DZ BANK mit Smart Bond Contracts gesammelt?
Die DZ BANK hat Smart Bond Contracts in verschiedenen Pilot- und Praxisprojekten eingesetzt, um Anleiheprozesse stärker zu automatisieren. Smart Bond Contracts können definierte Abläufe wie Emission, Zahlungsströme oder die Abwicklung von Transaktionen digital abbilden. Ziel ist es, manuelle Prozessschritte zu reduzieren und die Verarbeitung von Wertpapiertransaktionen effizienter zu gestalten.
Warum investiert die DZ BANK in Blockchain- und Smart-Contract-Technologien?
Die DZ BANK sieht in Blockchain und Smart Bond Contracts das Potenzial, Emission, Handel und Abwicklung von Wertpapieren auf einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur zusammenzuführen. Dadurch können Prozesse vereinfacht, Kosten gesenkt und Transaktionen schneller abgewickelt werden. Gleichzeitig bereitet sich die Bank damit auf eine mögliche Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen und des Kapitalmarkts vor.