GREEN BONDS – GRÜNE ANLEIHEN IM AUFWIND

Der Green Bonds-Markt boomt. Allein im vergangenen Jahr haben sich die Neuemissionen auf 95 Milliarden Euro verdoppelt. Zum Vergleich: 2012 waren es gerade einmal fünf Milliarden. Green Bonds sind Anleihen, deren Emissionserlös ausschließlich umweltfreundlichen Zwecken dient. Der Großteil, rund 87 Prozent, wird in erneuerbare Energien investiert – vor allem Wind und Solarenergie. Der Grund für den Anstieg von Green Bonds-Emissionen ist simpel: Umweltschutz gewinnt angesichts des Klimawandels immer mehr an Bedeutung – erfordert aber zugleich enorme Investitionen. Bei der Mobilisierung des Kapitals können Green Bonds helfen. “Am Thema Nachhaltigkeit führt für Unternehmen und Investoren, aber auch für die öffentliche Hand kein Weg mehr vorbei“, sagte Wolfgang Köhler bei einem Pressegespräch zum Thema Green Bonds vergangene Woche. „Mit dem Klimaschutz rücken ökologisch nachhaltige Anlagen zunehmend in das Bewusstsein der Bevölkerung und auf die Agenda von Investoren.“ Das zeigt sich auch daran, dass Green Bond-Emissionen auf so großes Interesse der professionellen Anleger stoßen, dass sie oft mehrfach überzeichnet sind.


Aktuell befindet sich der Markt noch in den Kinderschuhen. Im Vergleich mit herkömmlichen Anleihen stellen die Green Bonds einen sehr kleinen Markt dar. Mit einem ausstehenden Volumen von 178 Milliarden Euro macht er gerade mal 0,2 Prozent des gesamten Anleihemarktes aus. Seine Bedeutung für die Finanzierung ökologischer Projekte sei dafür umso größer und berge enormes Potenzial, so Marcus Pratsch, Leiter Nachhaltigkeitsresearch. Nachdem vor allem Förderbanken wie die NRW.Bank oder die KfW die Pionierarbeit im Green Bond-Markt geleistet haben, treten nun immer mehr Staaten als Green Bonds-Emittenten auf. „Deutschland sehen wir als Wachstumsmarkt. Die Größe des Anleihemarktes und die starke politische Nachhaltigkeitsagenda helfen dabei.“ So geht Pratsch davon aus, dass sich die Anzahl der Emittenten in Deutschland in den nächsten zwei Jahren mehr als verdoppelt.


Die größte Herausforderung der kommenden Jahre liegt in der Festlegung einheitlicher Qualitätskriterien für ökologisch nachhaltige Anleihen. Zwar gibt es freiwillige Standards wie die Green Bond-Principles, denen sich auch die DZ BANK angeschlossen hat. Doch bisher ist der Begriff „Green Bond“ nicht streng geschützt. Derzeit werden auf europäischer Ebene Vorschläge für einheitliche Vorgaben diskutiert. Sie würden die Akzeptanz des noch jungen Marktsegments bei Emittenten und Investoren weiter steigern. Das ist umso wichtiger, da sich Green Bonds bislang in der Kurs- und Renditeentwicklung ähnlich zu klassischen Anleihen verhalten und nicht mit ökonomischer Überlegenheit punkten können.


Für Wolfgang Köhler ist dennoch klar: „Green Bonds werden langfristig vom Nischenprodukt zu einem Standard-Instrument in der Refinanzierung werden. Mit der Verbreiterung des Marktes werden auch die ökonomischen Vorteile sichtbarer werden.“ Auch die DZ BANK prüft derzeit, unter welchen Bedingungen und in welcher Form eine erste eigene Emission in diesem Segment erfolgen kann. Für die Bank geht es hierbei zunächst darum, frühzeitig Erfahrung mit dem Instrument zu sammeln und die Entwicklung des Marktes aktiv zu begleiten.


Als Konsortialbank bei der Begleitung von Green Bond-Emissionen ist die DZ BANK bereits vielfach erfolgreich tätig gewesen und hat beispielsweise den ersten Green Bond der NRW. Bank mit an den Markt gebracht. Zuletzt wurde ein Green Bond-Mandat der Hypo Landesbank Vorarlberg gewonnen. Neben Green Bonds haben die Kollegen im Anleiheemissionsgeschäft bereits eine Reihe von Social Bond-Transaktionen begleitet, bei denen die Emissionserlöse sozialen Zwecken zugutekommen.