MEINUNG: "FORTSETZUNG FOLGT"

Oliver Rogge, Leiter Corporate Finance der DZ BANK, kommentiert die Herausforderung Unternehmensnachfolge.

Oliver Rogge, Leiter Corporate Finance

„Wenn eine Nachfolgelösung nicht erfolgreich umgesetzt wird, kann die Existenz des Unternehmens bedroht sein.“

 

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Für Familienunternehmen in Deutschland ist das Thema Nachfolge hochaktuell: Innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre steht in jedem dritten Betrieb eine Nachfolge an. Immer häufiger jedoch findet sich kein Kandidat in der Familie. Das liegt auch daran, dass die Nachkommen heute längst nicht mehr einem so großen innerfamiliären Druck unterliegen, in die unternehmerischen Fußstapfen zu treten. Im Idealfall gestalten Unternehmer die Nachfolge aktiv und setzen sich frühzeitig mit dem Thema auseinander. Tatsächlich tun sich viele damit schwer und lassen sich dabei zudem nur zögerlichlassen beraten.

Die Weitergabe des Lebenswerks

Für Oliver Rogge, Leiter Corporate Finance und Experte für Nachfolgeberatung, ist diese Haltung am Anfang durchaus nachvollziehbar: „Bei der Unternehmensnachfolge geht es häufig um das eigene Lebenswerk, und das ist in der Regel mit starken Emotionen verbunden. Zudem haben wir es hier meist mit sehr selbstbewussten Charakteren zu tun, die viel erreicht haben und es gewohnt sind, alleine zu entscheiden.“ Viele glaubten daher, das Thema Nachfolge auch ohne Unterstützung von außen regeln zu können – nicht selten mit weitreichenden Folgen: „Wenn eine Nachfolgelösung nicht erfolgreich umgesetzt wird, kann die Existenz des Unternehmens bedroht sein“, so Rogge.Eine Nachfolgeregelung will gut vorbereitet sein. Deshalb stecken Oliver Rogge und sein Team bei jedem Mandat besonders viel Arbeit in die sogenannte Vorbereitungsphase.

Gut vorbereitet

So klopfen die Nachfolgeberater gleich zu Beginn die persönlichen Ziele des Unternehmers ab: Steht ein hoher Verkaufserlös an erster Stelle? Welchen Einfluss möchte der Unternehmer künftig noch ausüben? Wie wichtig ist ihm regionale Verbundenheit? „Wohnt der Unternehmer weiterhin im Ort und hat eine gewachsene Bindung zum Unternehmen und den Mitarbeitern, legt er meist großen Wert darauf, dass Standort und Arbeitsplätze gesichert bleiben“, so Rogge. In diesen Fällen komme eher ein Kandidat zum Zuge, der dem Unternehmen eine nachhaltige Lösung bietet – etwa ein Mitarbeiter aus der zweiten Managementebene oder ein strategischer Käufer aus der Region. Anschließend prüfen die Nachfolgeexperten den Betrieb auf Herz und Nieren und analysieren, wie ein Dritter das Unternehmen bewerten wird.

Unternehmen können an vielen Stellen im Prozess unterstützt werden

Der ermittelte Unternehmenswert weicht bisweilen jedoch vom Bauchgefühl des Unternehmers ab. „Hier besteht die Herausforderung darin, realistische Erwartungen zu wecken, was der Markt hergibt“, sagt Rogge. Mit einem aussagekräftigen Verkaufsprospekt – dem Informationsmemorandum – im Gepäck sprechen die Kollegen im nächsten Schritt gezielt potenzielle Investoren an. Nach Abgabe eines unverbindlichen Angebots schafft es ein ausgewählter Kreis von Interessenten in die Phase der Sorgfältigkeitsprüfung – der sogenannten Due Diligence – und erhält Zutritt zum viel zitierten Datenraum: Dabei öffnet das Unternehmen vertraulich seine Bücher, um eine eingehende Analyse und Bewertung zu ermöglichen. Auf dieser Basis reichen die verbleibenden Kandidaten ihre bestätigenden oder verbindlichen Gebote ein, aus denen der Unternehmer auswählen kann, mit wem er in die finalen Vertragsverhandlungen einsteigt. Zwischen sechs und neun Monate dauert es im Idealfall von der Mandatserteilung bis zum erfolgreichen Abschluss einer Nachfolgetransaktion. Dabei gilt die Faustregel: Der Prozess ist umso effizienter, je professioneller das Zahlenwerk und die Strukturen des Unternehmens sind, etwa wenn es eine zweite Managementebene mit weitreichenden Kompetenzen gibt und das Geschäftsmodell des Unternehmens nicht nur von dem Unternehmer als einzigem Entscheider abhängt.

Enger Vernetzt

Seit Mitte 2017 ist das 21-köpfige Corporate Finance-Team der DZ BANK – zuvor als Tochtergesellschaft VR Corporate Finance am Markt tätig – in den Bereich Firmenkunden integriert und damit noch enger mit den Kundenbetreuern vernetzt. Oliver Rogge verspricht sich hiervon kräftige Impulse für die Nachfolgeberatung mit Kunden der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Für die beiden Marken DZ BANK und VR NachfolgeBeratung, bei der die Nachfolgespezialisten mit einem bundesweiten Netzwerk von Regionalpartnern kooperieren, ergeben sich aus Kundenkontakten bereits heute zwischen 200 und 250 Geschäftsansätze pro Jahr, die in etwa 60 Nachfolgemandaten münden. Für Firmenkundenvorstand Uwe Berghaus spielt die Unternehmensnachfolge eine wichtige Rolle in der Hausbankbeziehung: „Jede Bank, die das Thema Nachfolge begleitet, ist eine Hausbank.“ Aber auch den Wettbewerbern ist die hohe strategische Relevanz nicht verborgen geblieben. Oliver Rogge nimmt diese Herausforderung mit großer Zuversicht an und setzt dabei nicht zuletzt auf die Genossenschaftsbanken vor Ort: „Das Nachfolgethema haben inzwischen viele Volksbanken und Raiffeisenbanken auf dem Radar. Auch hier ist die enge Zusammenarbeit in der Gruppe ein wesentlicher strategischer Vorteil im Wettbewerb.“