SOCIAL BONDS – NEUE FINANZPRODUKTE RÜCKEN IN DEN FOKUS

Social Bonds boomen. Im Corona-Jahr 2020 verzeichnete das Neuemissionsvolumen von Anleihen mit sozialer Ausrichtung ein Wachstum von stolzen 700 Prozent auf 141,6 Milliarden US-Dollar.

Sie waren das Trendprodukt schlechthin am Kapitalmarkt - mehr noch als Green Bonds, die sich auf ökologische Aspekte fokussieren. 2020 haben vor allem staatsgarantierte, supranationale und staatsnahe Akteure (sogenannte „SSAs“) soziale Anleihen dafür genutzt, negative Folgen der Pandemie effektiv zu bekämpfen. Die DZ BANK war federführend dabei, als im März 2020 der weltweit erste Corona-Bond – eine Spezialform des Social Bonds – von der International Finance Corporation begeben wurde. Zudem hat sie bereits dreimal die EU bei der Begebung ihrer SURE-Social Bonds begleitet.
„Die erhöhte Kunden-Nachfrage nach Social Bonds wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf unsere Arbeit aus“, erzählt Marcus Pratsch. Sein Team wurde im vergangenen Jahr um zwei ESG-Spezialisten erweitert, um der erhöhten Nachfrage gerecht zu werden. Emittenten seien auf der Suche nach alternativen (Re-)Finanzierungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt. „Viele haben ökologisch-orientierte Emissionen bereits auf dem Schirm. Wir versuchen, ihnen auch Finanzierungen mit sozialem Impact aufzuzeigen“, so Pratsch.

Social Bonds sind Anleihen, deren Emissionserlöse anteilig oder vollständig zur (Re-)Finanzierung sozialer Projekte verwendet werden. Sie werden an den Social Bond Principles der ICMA („International Capital Market Association“) ausgerichtet, die auch Richtlinien für Green Bonds vorgibt. Mit den Emissionserlösen von sozialen Anleihen können zum Beispiel Infrastrukturprojekte oder die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen finanziert werden. Derzeit legt eine Expertengruppe der EU in Brüssel die ersten Grundsteine für eine Sozialtaxonomie.

Im Vergleich zu Green Bonds ist die Strukturierung von Social Bonds komplexer. Denn auch hier gilt: Nur, wenn der Verwendungszweck einer Anleihe eindeutig als sozial klassifiziert ist, darf sie sich Social Bond nennen. Eine besondere Herausforderung besteht darin, Projekte mit sozialen Impact zu identifizieren und diesen Impact auch zu messen. „CO2-Ersparnisse durch Green Bonds-finanzierte Windkrafträder lassen sich gut in Zahlen ausdrücken. Sozialer Impact hingegen ist häufig nicht so einfach quantifizierbar“, so Pratsch. „Bei einer verbesserten Gesundheitsversorgung in einer strukturschwachen Region muss man oft schon genauer hinschauen, um zu definieren: Welchen Anteil hatte das neu gebaute Krankenhaus daran?“ 

Das Potenzial ist groß. Bisher waren es nämlich vor allem SSAs, die sich mit Social Bonds an den Markt getraut haben. „Gerade im Corporate-Bereich gibt es viel aufzuholen“, so Pratsch. Er denkt dabei beispielsweise an den Healthcare- und Pharma-Sektor. „Denkbar ist, dass Unternehmen zukünftig einen Teil ihrer Ausgaben für Forschung und Entwicklung über nachhaltige Anleihen (re-)finanzieren, um mit den Erlösen Projekte für die Pandemieforschung anzukurbeln.“

Daher dürfte das Social Bond-Segment auch künftig weiterwachsen. Pratsch prognostiziert, dass das Neuemissionsvolumen 2021 um 20 Prozent auf rund 170 Milliarden US-Dollar ansteigen könnte. Deshalb arbeitet das Sustainable Finance-Team derzeit an einer Datenbank, mit der die Bank potentielle Emittenten bei unterstützen kann, Rahmenwerken für Social Bonds zu strukturieren. Ziel ist es, den Kunden damit die ersten Schritte in diesem Segment in Zukunft zu erleichtern.