PRAGMATISCH UND MIT MUT ZU NEUEN TECHNISCHEN MÖGLICHKEITEN

Wie es die IT-Kollegen der DZ BANK geschafft haben, dass 90 Prozent der Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten.

Peggy Scherer arbeitet im IT-Risikomanagement und ist Notfallkoordinatorin für den Bereich IT. Josef Vitkovsky leitet die Gruppe Workplace. Zusammen mit vielen anderen IT-Kollegen der DZ BANK sind sie verantwortlich dafür, dass heute 90 Prozent der Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten können. Wie sie und ihre Kollegen diese Aufgabe in kürzester Zeit gestemmt haben, berichten sie im Interview.


Peggy Scherer und Josef Vitkovsky


Seit rund drei Wochen arbeiten die meisten Kollegen von zuhause, zum Teil mit Hardware der Bank. Die Systeme sind stabil und bei Problemen und Fragen gibt es schnell Hilfe. Hand auf Herz: Haben Sie das erwartet?

J. Vitkovsky: Dass wir so schnell und reibungslos eine Remote-Arbeits-Quote von inzwischen 90 Prozent erreichen, hat uns schon überrascht. Natürlich haben wir Vertrauen in unsere Systeme. Aber bei so einer Masse von Anwendern fürchtet man sich als IT-ler schon vor Lastproblemen. Wir haben daher die RAS- und Netscaler-Kapazitäten erweitert, im großen Stil Hardware zur Verfügung gestellt und zahlreiche Anleitungen für das Remote-Arbeiten erstellt – alles Dinge, die für uns in so einer hohen Schlagzahl neu sind. Hinzu kommt, dass wir viele Kollegen beraten, die zum ersten Mal von zuhause aus arbeiten. Wir kümmern uns entweder persönlich um sie oder informieren sie im Intranet, beispielsweise mit FAQs und Anleitungen. Bei uns hat das alles insgesamt sehr gut funktioniert, das ist keine Selbstverständlichkeit.

P. Scherer: Die Dynamik dieses Themas hat mich überrascht und es macht uns stolz, dass wir das so pragmatisch hinbekommen haben. Wir haben nicht nur unsere Systeme technisch sehr schnell zur Verfügung stellen können, sondern sind gleichzeitig mit den Anwendern in Kontakt getreten. Das war wichtig, da viele Kollegen mit den Systemen nicht vertraut waren. Der Dank für dieses Gemeinschaftswerk gilt vor allem den vielen beteiligten Kollegen der IT und auch der Ratiodata, die uns motiviert und leistungsbereit zur Seite gestanden haben. Überhaupt hat das ganze Haus toll unterstützt, indem sich die Kollegen zum Beispiel gegenseitig geholfen und viel Verständnis füreinander gezeigt haben.

Wann wurde Ihnen klar, dass wir auf eine Situation zusteuern, die anders ist als alles, was Sie vorher in der Bank erlebt haben?

P. Scherer: Das war Mitte Februar. Corona kam als Thema in Deutschland und damit auch in der Bank an. Die ersten Kollegen wurden vorsorglich nach Hause geschickt. In der IT mussten wir schnell Entscheidungen fällen, um im Ernstfall das ganze Haus arbeitsfähig zu machen. Also haben wir den Netscaler für alle freigeschaltet. Ich war überzeugt, dass die Systeme für die Notfallkonzepte der IT gerüstet sind, das hatten wir getestet. Aber dass es gelingt, ein System auf die Beine zu stellen, das alle Kollegen ohne RAS-Zugang tragen kann, ist großartig.  

J. Vitkovsky: Zu dem Zeitpunkt haben wir begonnen, uns täglich über mögliche Maßnahmen abzustimmen. Viele davon haben wir auch schnell wieder verworfen und generell aufgehört, in den gewohnten Strukturen zu denken; sei es die bankweite Netscaler-Nutzung, die vorher ein Buch mit sieben Siegeln war, oder jüngst der Tabubruch, Anwendern zu gestatten, ihre Hardware abzubauen und mit nach Hause zu nehmen. Das ist sicherlich der aktuellen Situation geschuldet und an Pragmatismus nicht zu überbieten. Aber ein wenig graut es mir heute schon davor, alles irgendwann wieder zurückzuführen.

Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag durch Corona verändert?

J. Vitkovsky: Natürlich ist das Tagesgeschäft erst einmal liegen geblieben. Derzeit dreht sich alles um dieses eine Thema. Dadurch haben sich auch unsere Strukturen im Team verändert. Wir arbeiten virtuell zusammen, die Hierarchien sind aufgeweicht.
 
P. Scherer: Auch meine Arbeit wird vom Thema Corona beherrscht und es bleibt viel liegen, was meine Kollegen im Team mitauffangen. Privat hat sich meine Familie die Aufgaben zuhause aufgeteilt. Unsere Tochter bekommt Lernstoff jetzt auch per WhatsApp. Schon ist man nicht nur Mitarbeiter und Mama, sondern auch Lehrerin und Ersatz für die Spielfreunde. Da wird zwischen den Konferenzen mit den IT-Führungskräften mal eben ein Brot geschmiert oder die Hausaufgaben kontrolliert – das ist eine lustige Situation, die zeigt, wie eng Arbeit und Alltag im Augenblick ineinanderfließen.