KARTENZAHLUNGEN IN ZEITEN VON CORONA: DIE KREDITKARTE HOLT AUF

Die Deutschen zahlen immer häufiger mit Karte, dabei vor allem kontaktlos und zunehmend auch mit Kreditkarte. Der Kartenumsatz hat 2019 die 50 Prozent-Marke überschritten. Doch bereits 2018 übertrafen die Kartenumsätze mit 48,6 Prozent erstmals die Umsätze mit Bargeld (ca. 48,3 Prozent) und Rechnung (3 Prozent).

Durch die Coronakrise wird der Trend erneut beschleunigt, insbesondere das kontaktlose Zahlen ist gefragt. Das zeigt eine aktuelle Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI. Wilfried Wolf ist als Gruppenleiter für das Kartengeschäft in der DZ BANK zuständig. Wir haben mit ihm über Karten und Corona gesprochen.

 

Herr Wolf, Entdecken Konsumenten gerade Kreditkarten für die Alltagsnutzung?

Ja, es gibt einen klaren Trend zur Kreditkarte. Besonders in Einkaufssituationen, in denen Kreditkarten zuvor nicht in Betracht gezogen wurden, ist dies sehr auffällig, wie zum Beispiel bei kleineren Einkäufen im Supermarkt. Bestes Beispiel ist meine Frau: Seit sie festgestellt hat, dass sie mit der Kreditkarte bequem bei REWE kontaktlos bezahlen kann, bei Aldi zusätzlich zum Bezahlen noch Geld abheben kann, dadurch alle Ausgaben monatlich akkurat ausgewiesen werden und sie auch noch eine Benachrichtigung für jeden Umsatz bekommt, ist sie vermutlich für einen großen Teil der positiven Entwicklung bei Kreditkarten im deutschen Einzelhandel verantwortlich.

Und Auslöser für diese Entwicklung ist Corona?

Der Corona-Effekt wird mit der Zeit ein wenig nachlassen, in Summe aber über dem Niveau vor Corona bleiben. Auch das EHI bestätigt diesen Trend. Der Kreditkartenanteil am Einzelhandelsumsatz lag viele Jahre lang bei rund sechs Prozent, nach EHI-Prognosen wird er bis 2022 auf etwa zehn Prozent anwachsen. Das entspricht einer Steigerung von 67 Prozent in wenigen Jahren. Corona befördert diesen Trend – zumindest auf nationaler Ebene. Hier liegen wir zum Beispiel beim Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel zwischen 40 und 60 Prozent über dem Vorjahresniveau. Zudem haben offenbar viele Kunden die Isolation dafür genutzt, ihre Wohnsituation zu verbessern: Der Kreditkartenumsatz im Möbel- und Einrichtungsbereich liegt ebenfalls bei 30 bis 60 Prozent über dem des Vorjahres. Insofern können wir die Prognose des EHI bestätigen.

Bisher wurden Kreditkarten aber doch vor allem bei Reisen eingesetzt.

Das ist richtig. So erfreulich die Entwicklung auf nationaler Ebene ist, so erschreckend sind derzeit die internationalen Zahlen. Besonders deutlich zeigt sich das bei Flugreisen: In der Spitze ist der Kreditkartenumsatz der Fluggesellschaften um 98 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Ähnlich verhält es sich bei Hotels oder Reiseveranstaltern. In der Genossenschaftlichen FinanzGruppe werden mehr als 40 Prozent aller Kreditkartenumsätze im Ausland gemacht, wenn man Reisen in Deutschland dazu zählt, liegt der Reiseanteil am Kreditkartenumsatz sogar bei deutlich über 50 Prozent.

Jeder kann sich ausrechnen, wie viel Mehl und Hefe verkauft werden müssen, um im Umsatz eine Urlaubsreise nach Spanien zu kompensieren. Dennoch: Die nationale Entwicklung deutet auf eine steigende Tendenz für den internationalen Bereich hin. Aktuell sehen wir eine beginnende Erholung.

Halten Sie es für möglich, dass sich die Menschen nach der Krise wieder stärker dem Bargeld zuwenden?

Natürlich kann niemand sagen, wie nachhaltig die zu beobachtenden Kriseneffekte tatsächlich sind, aber die Tendenz geht eindeutig zur Karte. Corona-bedingt gab es durch die geltenden Abstandsregelungen eine höhere Akzeptanz von Kleinstzahlungen via Karte im Handel. Dabei steht auch das kontaktlose Zahlen im Fokus. Laut EHI waren im vergangenen Jahr zunächst etwa 30 Prozent der Karten-Transaktionen kontaktlos. Wegen der Coronakrise ist dieser Anteil zuletzt auf rund 45 Prozent angestiegen. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Betragsgrenze für die PIN-Eingabe bei kontaktlosen Zahlungen im Handel von 25 auf 50 Euro erhöht wurde.

Karten sind bequem und der Kunde kann sie überall einsetzen: im Handel, am Geldautomaten, im In- und Ausland, im Internet, mobil oder kontaktlos. Es ist doch eigentlich Unsinn, an einem Geldautomaten mit der Karte Geld abzuheben, das Geld zum Händler zu tragen, der es zur Bank bringt, die es dann wieder in den Geldautomaten legt.

Genau hier sehen wir im Moment einen Lerneffekt, der sich nach unserer Einschätzung auch nach Corona weiter auswirken wird. Die Deutschen lieben ihr Bargeld und werden es vermutlich nie ganz aufgeben, aber durch Corona lernen sie, mehr und mehr darauf zu verzichten.
 

Bisher wurden Kreditkarten aber doch vor allem bei Reisen eingesetzt.
Das ist richtig. So erfreulich die Entwicklung auf nationaler Ebene ist, so erschreckend sind derzeit die internationalen Zahlen. Besonders deutlich zeigt sich das bei Flugreisen: In der Spitze ist der Kreditkartenumsatz der Fluggesellschaften um 98 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Ähnlich verhält es sich bei Hotels oder Reiseveranstaltern. In der Genossenschaftlichen FinanzGruppe werden mehr als 40 Prozent aller Kreditkartenumsätze im Ausland gemacht, wenn man Reisen in Deutschland dazu zählt, liegt der Reiseanteil am Kreditkartenumsatz sogar bei deutlich über 50 Prozent.
Jeder kann sich ausrechnen, wie viel Mehl und Hefe verkauft werden müssen, um im Umsatz eine Urlaubsreise nach Spanien zu kompensieren. Dennoch: Die nationale Entwicklung deutet auf eine steigende Tendenz für den internationalen Bereich hin. Aktuell sehen wir eine beginnende Erholung.