„PLANEN NICHT, KREDITVERGABESTANDARDS GRUNDLEGEND EINZUSCHRÄNKEN“

Ein Gespräch mit Uwe Berghaus, DZ BANK Firmenkundenvorstand, über die konjunkturelle Eintrübung in Deutschland

Herr Berghaus, die Aussichten für die deutsche Konjunktur trüben sich ein. Vertreter von LBBW und Hamburg Commercial Bank haben letzte Woche angedeutet, dass sie bei der Vergabe von Firmenkrediten vorsichtiger werden. Wird auch die DZ BANK vorsichtiger und warum?

Wir beobachten die gesamtwirtliche Entwicklung sehr genau, ebenso wie die Entwicklungen in den einzelnen Branchen. Dabei gibt es solche, in denen sich die Risiken zwischenzeitlich deutlich erhöht haben, während sich andere nach wie vor in einem stabilen Umfeld bewegen. Hier gilt es mit Augenmaß zu agieren und die spezifische Situation eines Unternehmens in seiner Branche richtig einzuwerten. Auch in Branchen, die schwieriger werden, gibt es gut aufgestellte Unternehmen und umgekehrt. Angesichts unserer breiten Kundenbasis und der Potenziale, die wir noch sehen, halten wir an unserer Wachstumsstrategie im Firmenkundengeschäft fest, gehen aber sicher sensibler und mit Augenmaß vor.

Wie macht sich diese mögliche Vorsicht bemerkbar – werden die Kreditvergabe-Standards angepasst (in welcher Weise) oder ist die DZ BANK zurückhaltender bei gewissen Branchen?

Aktuell planen wir nicht, unsere Kreditvergabestandards grundlegend einzuschränken. Wohl aber betrachten wir die Auswirkungen des aktuellen Weltgeschehens, etwa der internationalen Handelsstreitigkeiten, auf die Wertschöpfungskette unserer Kunden genau. Natürlich agieren wir vorsichtiger, wenn wir im Einzelfall höhere, unternehmensspezifische Risiken sehen.

Uwe Berghaus, Firmenkundenvorstand der DZ BANK

Welche Branchen dürften von einem Abschwung in Deutschland am stärksten bzw. als erstes betroffen sein und wie geht die DZ BANK im Firmenkundengeschäft damit um?

Die aktuelle konjunkturelle Eintrübung in Deutschland ist, wie gesagt, wesentlich auch auf die internationalen Handelskonflikte zurückzuführen. Diese betreffen den gesamten Welthandel, der spürbar langsamer wächst. Hierzulande profitieren das Baugewerbe sowie Handel und Dienstleistungen zunächst weiter vom stabilen Wohnungsbau und der niedrigen Arbeitslosigkeit. Das verarbeitende Gewerbe aber spürt die Eintrübung im internationalen Umfeld bereits deutlich. Das betrifft unter anderem die Automobilproduktion, den Maschinenbau, die Chemie- und Pharma-Branche. In diesen Segmenten prüfen wir Kreditengagements natürlich intensiver. Da die Entwicklungen aber nicht durchweg überraschen, haben wir uns in relevanten Fällen auch schon in der Vergangenheit entsprechend vorsichtiger positioniert. Sollten sich die Handelsauseinandersetzungen aber in amerikanischen Zöllen für europäische Produkte niederschlagen, würden sich die Absatzperspektiven der deutschen Industrie weiter eintrüben.

Von einem Abschwung dürfte insbesondere auch die Autobranche bzw. Auto-Zulieferer betroffen sein. Wie ist die DZ BANK in diesem Bereich engagiert? Passt die DZ BANK ihr Firmenkundengeschäft (Kredite) in diesem Segment an und wenn ja, in welcher Form?

Natürlich zählen zu unseren Kunden auch Unternehmen, die in der Automobilindustrie tätig sind. Sei es als Produzent oder als Zulieferer. Obwohl sich die Rahmenbedingungen und resultierend auch die Risiken hier wahrnehmbar verändern, ist die Automobilbranche für die DZ BANK keinesfalls eine Ausschlussbranche. Entsprechend werden wir auch weiterhin jedes Engagement auf Basis seiner individuellen Lage votieren und nach Möglichkeit begleiten.

Wie würde die DZ BANK im Firmenkundengeschäft auf einen Abschwung in Deutschland grundsätzlich reagieren, beispielsweise mit einer Erhöhung der Risikovorsorge im Firmengeschäft?

In Sachen Risikovorsorge ist die Zeit nennenswerter Auflösungen sicherlich vorbei und wir kehren zu einem „normaleren“ Risikovorsorgeumfang zurück. Die aktuelle Konjunktureintrübung sollte allerdings noch nicht als nachhaltiger Abschwung interpretiert werden, der zwangsläufig deutliche Erhöhungen der Risikovorsorge zur Folge hätte.

Wie entwickeln sich die Margen im Firmenkundengeschäft?

Wir sehen am Markt nach wie vor sinkende Margen, insbesondere als Folge des intensiven Wettbewerbs um Marktanteile im Firmenkundengeschäft. Die jüngste EZB-Zinsentscheidung deutet in diesem Kontext nicht auf eine zeitnahe Entspannung hin. In einem stagnierenden Markt werben Banken mit zunehmender Intensität um Kunden, die ihrerseits tendenziell Komplexität abbauen möchten und aktiv Bankverbindungen reduzieren. In diesem Verdrängungswettbewerb ist es wichtig, Margenzugeständnisse auf ein Maß zu begrenzen, das immer noch eine adäquate Risikoprämie gewährleistet.