DOPPELLEBEN

Fritten und Finanzen

My Skendo ist nicht nur Produktmanagerin im Zahlungsverkehr. Sie verantwortet auch die Finanzen der Gastrokette Frittenwerk, die ihre Familie gegründet hat und die es mittlerweile in 13 deutschen Städten gibt. Über eine umtriebige Familie und Fritten à la Kanada.

In der asiatischen Kultur spielen gutes Essen und berufliches Engagement eine große Rolle. Mein Ziel ist es, beides zu vereinen“, sagt My Skendo mit einem Lächeln. Während des Vietnamkriegs flieht ihre Familie nach Deutschland und eröffnet ein Asiarestaurant in der Nähe von Aachen, in dem Skendo schon als Kind nach der Schule mithilft. Im Studium nimmt sie erst mal Abstand von der Gastronomie und macht unter anderem Station an der Universität auf Vancouver Island. Hier lernt sie das kanadische Nationalgericht Poutine kennen, Pommes frites mit Bratensoße und Käsewürfeln, das sie zu den Kreationen im Frittenwerk inspiriert.

My Skendo ist Produktmanagerin im Bereich Zahlungsverkehr der DZ BANK und verantwortet die Finanzen der Gastrokette Frittenwerk

Die Keimzelle der Pommesmanufaktur ist die erste Filiale in Düsseldorf-Bilk, die Ende 2014 eröffnet. Nach eineinhalb Jahren folgt das zweite Restaurant in Köln, wo sich gleich am ersten Tag lange Schlangen bilden. „Hier kam die Sache richtig ins Rollen“, erzählt die 29-Jährige. „Jan Böhmermann und Günther Jauch haben uns besucht. Der Sternekoch Tim Raue hat im Fernsehen über uns gesprochen. Das war überwältigend.“ Neben deftigen Varianten wie der Pulled Pork Poutine servieren die Skendos Fritten mit veganen und vegetarischen Beilagen. Sie selbst empfiehlt die Pink Persia Poutine mit Hummus, Roter Bete und Falafeln.

Im Familienbetrieb der Skendos bringt jeder seine Stärken ein. Ihr Ehemann kümmert sich um die Geschäftsentwicklung. Ihr Schwager gestaltet das Design der Läden. Ihre Schwiegereltern sind wie ihre Eltern ebenfalls Gastronomen und haben viele Jahre lang einen typisch deutschen Schnellimbiss betrieben. Und My Skendos Rolle? „Ich bin der Zahlen-Nerd in der Familie und für das Finanzielle verantwortlich.“ Ihre Familie nennt ihre Aufgabe humorvoll „CFO, Finanzen und Risk“. Als solche muss sie manchmal Spielverderberin sein und dafür sorgen, dass Visionen nur auf solider Grundlage umgesetzt werden.

Parallel zum wachsenden Frittenwerk arbeitet die Powerfrau von Anfang an Vollzeit. Nach ihrem Masterabschluss fängt sie 2014 im Asset-Management der HSBC Trinkaus & Burkhardt an. Da sie sich auch für Software-Entwicklung interessiert und wirtschaftliches mit IT-Know-how verknüpfen will, wechselt sie 2015 ins Traineeprogramm der ehemaligen WGZ BANK. Heute kümmert sie sich als Produktmanagerin um Bargeld- und Bezahlservices. Für Genossenschaftsbanken und deren Firmenkunden sowie Direktkunden der DZ BANK entwickelt Skendo Tresorlösungen mit dem Kooperationspartner Cash Logistik, der die Bank bei der Administration von Wertdienstleistern unterstützt. Zudem arbeitet sie eng mit Kollegen in Frankfurt, Hannover und Stuttgart zusammen, die sich unter anderem um den Firmenkundenvertrieb kümmern. Skendo vertritt die Bank auch in Gremien mit BVR, Deutscher Kreditwirtschaft, Bundesbank sowie den Kriminalämtern, wenn es um die Sicherung von Geldautomaten geht.

Nach Feierabend geht es weiter
Im Frittenwerk profitiert sie von ihrem Bankwissen und vice versa. Denn es wird viel bar bezahlt und eine Menge Bürokratie fällt an. Skendo setzt sich daher unter anderem dafür ein, bare und bargeldlose Bezahllösungen als Produktbündel anzubieten. „Wenn man zu tief in der fachlichen Materie steckt und nur prüft, ob es funktioniert, verliert man den Blick dafür, wie viel Sinn etwas aus der Kundensicht macht“, berichtet sie aus Erfahrung.

Nach Feierabend fährt Skendo ins Frittenwerk-Büro, das nur wenige Minuten von der Düsseldorfer DZ BANK entfernt liegt, und sieht sich die Finanzen der Kette an. Unterstützt wird sie von ihrem Team, das ihr zum Beispiel Kennzahlen zusammenstellt, wenn sie einen neuen Standort prüft. Für Skendo ist die Zeitaufteilung manchmal ein Spagat, aber sie empfindet die Restaurants nicht als reine Arbeit: „Mit den Mitarbeitern vor Ort zu sprechen, macht unglaublich viel Spaß und gibt mir mehr Energie, als ich investiere.“

In den Filialen hat ihre Familie bisher alles selbst auf die Beine gestellt. „Bei Neueröffnungen stehen meine Schwiegereltern jedes Mal selbst hinter der Theke“, erzählt sie. Auch Skendos Bankkollegen helfen als „Vorkoster“ regelmäßig mit und kommen in der Mittagspause oder nach Feierabend zum Probeessen vorbei. „Meine Gruppe ist offen für meine Arbeit im Frittenwerk und sehr flexibel und verständnisvoll“, schwärmt sie. Auch für künftige frittierte „Werke“ freut sich My Skendo auf Impulse der Kollegen: „Wenn jemand einen Standortvorschlag oder eine kreative Idee hat, bitte einfach ansprechen.“

Vollzeitjob, Gastro-CFO – bleibt da noch Freizeit? Offenbar! My Skendo liebt es, in asiatische Länder zu reisen und die lokale Küche zu probieren. Über Weihnachten besucht sie die Philippinen und Singapur. Auch sonst mag es die 29-Jährige actionreich. Ihre liebsten Sportarten sind White-Water-Rafting und Jetski-Fahren