WERTVOLLES GESCHÄFT

Mit ihrer strikten Nachhaltigkeitsagenda gelten Kirchenbanken als Vorreiter.

Mit Rückenwind und Gottes Segen: Kirchenbanken gewinnen am Markt zunehmend an Bedeutung. Mit ihrer strikten Nachhaltigkeitsagenda gelten sie als Vorreiter. Ein Einblick in eine anspruchsvolle Kundengruppe, die uns fordert, unsere eigenen Standards zu hinterfragen.

Wikipedia spricht von 15 Kirchenbanken – so viele gibt es tatsächlich?“, lacht Lothar Everding. Seit 2017 betreut er als Regionaldirektor am Standort Münster die Kundengruppe der Kirchenbanken – sieben an der Zahl, fünf katholisch, zwei evangelisch. Fünf davon befinden sich in Nordrhein-Westfalen: die evangelische KD-Bank in Dortmund, die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn, die Bank im Bistum Essen, die DKM Darlehnskasse Münster und die Pax-Bank in Köln. „Münster, Essen, Köln und Paderborn – das sind die einzelnen Bistümer“, erklärt Everding. Außerhalb gibt es noch die katholische Liga Bank in Regensburg und die Evangelische Bank in Kassel. Zwei weitere evangelisch-freikirchliche Banken sind ebenfalls Kunden der DZ BANK. Entstanden sind die Kirchenbanken auf zwei Arten: entweder als ausgelagerte Finanzabteilungen ihrer Bistümer oder als Selbsthilfeeinrichtungen gegründet von Kirchenangehörigen, in der Regel von Priestern. Was alle eint: Sie sind genossenschaftlich organisiert und genauso Teil des Verbunds wie die Volksbanken Raiffeisenbanken. „Da der Genossenschaftsgedanke auf christlichen Prinzipien beruht, gibt es eine große Übereinstimmung mit den Kirchenbanken, was das Werteverständnis angeht“, sagt Bernhard Panzenell, der die Kirchenbanken im operativen Geschäft betreut.


Genossen mit streng christlicher Agenda

Nichtsdestotrotz unterscheiden sich die Kirchenbanken von anderen Genossenschaftsbanken. In Sachen Nachhaltigkeit sind sie echte Vorreiter. „Das Thema war ihnen schon immer ein zentrales Anliegen. Es ist nur in den vergangenen 20 Jahren immer mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt“, so Panzenell. Zudem sind die Kriterien, nach denen Kirchenbanken ihr Geld anlegen, umfassender als die der Volksbanken Raiffeisenbanken. Neben ökologischen Ausschlusskriterien gibt es auch einen aus der christlichen Ethik geprägten Anspruch. Die Zahl der Geschäftspartner ist deshalb begrenzt. „Ganze Länder fallen da durch, zum Beispiel die USA wegen der Todesstrafe und weil sie Atombomben haben, Frankreich hat ebenfalls Massenvernichtungswaffen, Japan fällt raus wegen des Walfangs.“ Eine katholische Kirchenbank würde zudem nie ein Unternehmen finanzieren, das die Pille herstellt. Genauso wenig käme eine Abtreibungsklinik infrage. Das Geld muss also zum einen ökologisch nachhaltig eingesetzt werden, aber auch für Zwecke, die dem christlich-ethischen Werteverständnis entsprechen.

Depot A statt Kundenkreditgeschäft

Durch den feinmaschigen Nachhaltigkeitsfilter und die hohe Selbstfinanzierungskraft ihrer Kunden sind die Kirchenbanken in ihren Geschäften auf der Aktivseite stark eingeschränkt. Sie sammeln zwar viele Einlagen, können diese aber nur zum Teil im Kundenkreditgeschäft unterbringen. Deshalb verfügen Kirchenbanken für gewöhnlich über deutlich umfangreichere Eigenanlagen – das sogenannte Depot A – als andere Genossenschaftsbanken. „Die Kirchenbanken in der Region West haben im Schnitt einen Wertpapieranteil von rund 50 Prozent“, betont Everding, „eine durchschnittliche Volksbank hat hingegen 15 bis 20 Prozent in Wertpapieren angelegt.“ Die Kunden der Kirchenbanken stammen vor allem aus dem kirchlichen Umfeld. „Das sind zum einen die Bistümer und Kirchengemeinden und zum anderen karitative Institutionen wie Altersheime, Krankenhäuser oder Kitas“, erklärt Panzenell. Manche Kirchenbanken betreiben darüber hinaus auch Privatkundengeschäft, meist jedoch nur für die eigenen Mitarbeiter und die der kirchlichen Einrichtungen. Aufgrund ihrer hohen Depot-AQuote sind die Kirchenbanken noch mehr auf das Kapitalmarktgeschäft angewiesen als typische Genossenschaftsbanken. Deshalb trifft sie die Niedrigzinsphase auch härter. Im Gegensatz zu den Volksbanken Raiffeisenbanken haben Kirchenbanken normalerweise wenige Anleger, dafür aber mit sehr hohen Volumina. Sie tun sich daher schwer damit, negative Konditionen einzuführen. „Es ist schwierig, beispielsweise einem Bistum zu sagen, ab morgen zahlt ihr Minuszinsen, obwohl ihr große Mengen Geld bei uns anlegt“, so Everding. Nichtsdestotrotz denkt die ein oder andere Kirchenbank mittlerweile um. Schließlich müssen sie genauso Gewinne erzielen wie andere Banken auch. Zwar dürfen sie diese nicht maximieren, aber sie müssen weiter wachsen – im Sinne ihrer Kunden und Anteilseigner. Zusätzlich haben die Kirchenbanken die Erfahrung gemacht, dass ihnen Liquidität von Kunden zufließt, die sie gar nicht haben wollen. „Denen geht es nur um die Konditionen, an nachhaltigen Geschäften sind die nicht interessiert.“

Prime Status ist Pflicht

Die Kriterien, nach denen eine Kirchenbank Geschäfte macht, legen ihr Vorstand und der Aufsichtsrat fest. „Das betrifft die grundsätzliche Geschäftsstrategie der Bank“, erklärt Everding, „jede Bank entscheidet für sich, wo sie die Grenze zieht und was sie als nachhaltig definiert.“ Ob ein Unternehmen ihren Kriterien genügt, überprüfen die Kirchenbanken mithilfe von klassischen und Nachhaltigkeits-Ratings, wie beispielsweise Oekom oder Imug. „Von denen werden auch wir geratet“, so Panzenell. Die Kirchenbanken legen für jedes ihrer Kriterien ein Mindestrating fest. Sobald ein Unternehmen das Mindestrating in einem Themenfeld nicht erreicht, fällt es durch das Raster. Es bleiben deshalb nur wenige übrig. „Nur die jeweils ‚Klassenbesten‘ können die Kirchenbanken aber auch nicht nehmen. Wegen der geringen Streuung wäre das Risiko zu groß, wenn ein Emittent ausfällt.“ Den Prime Status – also ein gutes Rating – muss ein Unternehmen jedoch haben.

Kirchenbanken nehmen Einfluss auf unsere Standards

Mit der DZ BANK, ihrem Zentralinstitut, treffen sich die Kirchenbanken in speziellen Arbeitskreisen, bei denen sie unsere Nachhaltigkeitsstrategie genau unter die Lupe nehmen. „So nehmen die Kirchenbanken natürlich Einfluss auf unsere eigenen Standards. Sie und andere auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Institute waren es auch, die als Erste den Ausstieg aus der Kohlefinanzierung von uns gefordert haben“, so Everding. Das Ergebnis ist eine intensive Geschäftsbeziehung in vielen Feldern: „Wir betreuen die Kirchenbanken im Wertpapiergeschäft, stellen Derivate zur Zinsabsicherung bereit, wickeln den Zahlungsverkehr ab. Zudem nehmen sie Refinanzierungen bei uns in Anspruch.“ Auch im Förderkreditgeschäft arbeiten die Kirchenbanken mit der DZ BANK eng zusammen. Im Gemeinschaftskreditgeschäft mit den Kirchenbanken sieht Everding jedoch noch Wachstumsmöglichkeiten. Doch wie gelingt der Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und ethischmoralischen Vorstellungen? „Betriebswirtschaftlich unterliegen die Kirchenbanken den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie jede andere Genossenschaftsbank“, sagt Panzenell. „Gleichwohl ist es nicht so, dass ethische Anlagen per se weniger Geld bringen.“ Im Gegenteil: Mehrere Studien sehen nachhaltige Investments gegenüber herkömmlichen sogar im Vorteil. Das liegt vor allem daran, dass nachhaltige Portfolios weniger risikoanfällig sind. Sie sind schlichtweg resistenter. Ein weiterer Vorteil der Kirchenbanken ist, dass sie enorm günstig produzieren, das heißt, sie haben einen sehr niedrigen Verwaltungsaufwand. „Die Cost-Income-Ratio liegt gerade mal bei 40 Prozent“, erklärt Everding, „sie zeigt an, wie viel Cent ich aufwenden muss, um einen Euro zu verdienen.“ Eine typische Genossenschaftsbank liegt aktuell bei um die 70 Prozent, also fast doppelt so hoch. Das liegt daran, dass die Kirchenbanken vor allem große kirchliche Institutionen als Kunden haben und kaum Mittelständler, Gewerbetreibende oder Privatpersonen. Dadurch kommen sie mit wenigen Mitarbeitern aus. Auch Filialen haben sie in der Regel kaum. „Das sind zwei Blöcke, die den Verwaltungsaufwand im Wesentlichen ausmachen.“

Konstantes Wachstum seit Jahren

Hinzu kommt, dass das Thema Nachhaltigkeit heute für viele Menschen einen hohen Stellenwert hat. Nachhaltige Unternehmen stehen deshalb gut da. „Der Dieselskandal hat gezeigt, dass es nichts bringt, unethisch zu handeln. Die Gefahr eines Reputationsverlusts mit allen verbundenen Kosten ist zu hoch“, so Panzenell, „das sagt auch unser Nachhaltigkeitsresearch. Nachhaltig agierende Unternehmen sind auf Dauer wirtschaftlicher.“ Die Kirchenbanken belegen das eindrucksvoll; allen Krisen zum Trotz wachsen sie seit Jahren konstant.

 

„Betriebswirtschaftlich unterliegen die Kirchenbanken den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie jede andere Genossenschaftsbank. Gleichwohl ist es nicht so, dass ethische Anlagen per se weniger Geld bringen“, sagt Bernhard Panzenell, der im Jahr 2000 vom Genossenschaftsverband zur DZ BANK wechselte. Seit 2005 betreut er im Bereich Kapitalmärkte Institutionelle Kunden die Kirchenbanken im operativen Geschäft

 

„Die Kirchenbanken und andere auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Institute waren es, die als Erste den Ausstieg aus der Kohlefinanzierung von uns gefordert haben.“ Lothar Everding startete 1996 nach seinem Studium in der ehemaligen WGZ BANK. Seit 2005 betreut er Kirchenbanken und ist seit 2011 Regionaldirektor am Standort Münster.