VON SCHICKSALEN UND CHANCEN

DZ BANK Gruppe engagiert sich für Flüchtlinge im Rahmen der Aktion „Wir zusammen“

Moaoia Shatila (im Bild links) aus Syrien und Akbar Anwarzada (im Bild rechts) aus Afghanistan flüchteten nach Deutschland. Beide haben 2016 bei der DZ BANK hospitiert.

Am 22. November 2015 kam der 24-jährige Moaoia Shatila aus Aleppo in Syrien in Deutschland an, zusammen mit Bruder und Schwester. SiebenTage dauerte die Reise per Boot, Bus, Zug und zu Fuß. Shatila floh vor dem Krieg und der Einberufung zum Militär. Beinahe hätten er und seine Geschwister die Flucht nicht überlebt. „Für die dreistündige Überfahrt von der Türkei nach Griechenland wurden 60 Menschen in ein Boot gesteckt, das nur Platz für 30 hatte. Wir mussten unser gesamtes Gepäck zurücklassen. Ein Mann, der unter diesen Bedingungen nicht in das Boot steigen wollte, wurde ohne Warnung von den Schleppern erschossen“, erzählt er. In Serbien wurden die drei überfallen. Zufällig vorbeikommende Polizisten verhinderten das Schlimmste. „Gott hat uns geholfen“, sagt Shatila. In Deutschland erwartete die Geschwister nach einem Umweg über Eschwege ein Flüchtlingslager in Gießen. Weiter ging es nach Langenselbold, wo sie in einem Wohnwagen auf einem Campingplatz untergebracht wurden. Zwei Monate später wurde ihnen ein Zimmer in einer Unterkunft zugewiesen.

Aufruf im DZ BANK Intranet: Mitarbeiter als Mentoren gesucht

Derweil erfahren die DZ BANK Mitarbeiter Mario Meyer und Philip Ton, beide aus dem Bereich IT, über einen Aufruf im Intranet von der Aktion „Wir zusammen“. Zusammen mit zwei weiteren Kollegen aus ihrer Gruppe gehen sie zu einem Kick-off-Meeting des Bereichs Personal und bieten ihre Hilfe an. Denn jedem Hospitanten soll ein Mentor zur Seite stehen, der bei der Orientierung im neuen Umfeld und der Vermittlung unserer Kultur unterstützt. Das ist Teil des Programms. Die Motivation der beiden DZ BANK Mitarbeiter: „Menschen anderer Kulturen kennenlernen und eigene Vorurteile abbauen“, erklären sie. Shatila hat an der Universität in Aleppo Engineering Information Technology studiert. Von einer Flüchtlingshelferin erfährt er vom Hospitanzprogramm der DZ BANK Gruppe. Sie unterstützt ihn bei der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen. Nach einem Vorstellungsgespräch beginnt er im Mai seine Hospitanz in der Gruppe von Meyer und Ton.

Mit ihm startet auch Akbar Anwarzada aus Afghanistan,der dort nach eigener Aussage bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Politikberater und Head of Finance in der Projektarbeit tätig war. Der 26-jährige studierte Politologe ist zu dieser Zeitknapp ein Jahr in Deutschland. In seiner Heimat wurde er von den Taliban verfolgt, seine Verlobte und seine Familie wurden bedroht. Hals über Kopf flohen sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in den Iran und gelangten von dort meist zu Fuß nach Deutschland. Anwarzada und Shatila machen sich so gut in der IT, dass die DZ BANK ihnen im Anschlussan die Hospitanz ein Praktikum anbietet. Das heißt, sie werden bezahlt und dürfen richtig mitarbeiten. Zwei Monate dauert es, bis das Jobcenter dem zustimmt. Zwei Monate unerwünschter Urlaub. „Du wirst verrückt, wenn du nicht arbeitest“, sagt Anwarzada. „Ich möchte kein Geld vom Sozialamt bekommen, ohne dass ich etwas dafür tue.“ Beide wissen, dass das Programm der Bank eine große Chance für sie ist. Anwarzada unterstützt derzeit im Bereich IT das Testmanagement und die Datenbankauswertung, Shatila entwickelt bereits selbstständig Softwaremodule.

Bis Ende des Jahres werden rund 50 Geflüchtete von den Unternehmen der DZ BANK Gruppe eine Hospitation oder ein Praktikum erhalten haben. Ursprünglich war diese Anzahl für die nächsten zwei bis drei Jahre geplant. Doch dann ging alles schneller. Masoudi Nasab und Anwarzada möchten in Deutschland bleiben. Sie haben in kurzer Zeit neue deutsche Freunde gefunden. Shatila telefoniert jeden Tag mit seinen 80-jährigen Eltern in Aleppo. Die meisten seiner 14 Geschwister haben die Stadt schon längst verlassen. Sein sehnlichster Wunsch: dass der Krieg aufhört und er seine Eltern wieder einmal besuchen kann. Seine nächsten Ziele nach dem Praktikum: weiter Deutsch lernen, sein Studium in Deutschland beenden und eine Arbeitsstelle finden.

 

Die Aktion „Wir zusammen“ ist eine Initiative der deutschen Wirtschaft für Flüchtlinge. Ziel der DZ BANK Gruppe war es zunächst, im Rahmen der Aktion bis Ende 2016 bis zu 50 Geflüchteten gemäß ihrer Ausbildung einen Hospitanten- bzw. Praktikantenplatz zur Verfügung zu stellen, um ihnen den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern. Union Investment hat bereits einen Mann aus Syrien nach seinem Praktikum im Risikocontrolling fest angestellt. Die bürokratischen Hürden bei der Einstellung von Flüchtlingen sind allerdings noch sehr hoch. Auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken engagieren sich in ihren Regionen.