SUSTAINABLE FINANCE HAT AUSWIRKUNGEN AUF DEN GESAMTEN BANKBETRIEB

Beitrag von Verena Düber in der "Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen" (Ausgabe 22/2018)

Verena Düber ist Nachhaltigkeitsmanagerin bei der DZ BANK AG

Seit etwa drei Jahren taucht der Begriff des „Sustainable Finance“ vermehrt in der öffentlichen Diskussion auf. Das einstige Nischenthema wird schon lange nicht mehr als Modeerscheinung behandelt denn Nachhaltigkeit findet sich heutzutage in allen Bereichen des täglichen Lebens wieder. So ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Bankkunden dafür interessieren, wem sie ihr Geld anvertrauen – und was damit geschieht.

Eine nachhaltige Wirtschaft und nachhaltige Finanzmärkte gehen Hand in Hand. Die Politik sowie diverse UN-Gremien haben sich zum Ziel gesetzt, eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft zu fördern und voranzutreiben. Dabei ist die Grundidee, dass Unternehmen Geschäftsmodelle entwickeln, die Energie und Ressourcen sparen, die Umwelt schützen, die Biodiversität erhalten, die Technologien zur Anpassung an den Klimawandel schaffen und die Menschenrechte achten. Die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) schätzt, dass jährlich weltweit bis 2030 fünf bis sieben Billionen Dollar in die nachhaltige Entwicklung fließen müssen, um die nachhaltigen Entwicklungsziele der UN umzusetzen. Somit befindet sich die Finanzwirtschaft in einer Schlüsselrolle als Finanzierer und Katalysator für eine „grünere“ Wirtschaft. Viele Stakeholder fordern deshalb zwei Dinge: Einerseits sollen Finanzinstitute den Transformationsprozess nicht behindern, etwa durch Finanzierungen in fossilen Sektoren. Andererseits sollen sie die benötigten Gelder zur Verfügung stellen, um den angestrebten (Klima-)Wandel zu unterstützen.
Aktuell gibt es noch kein einheitliches Verständnis darüber, wie nachhaltige Finanzprodukte gestaltet sein sollen. Zwar wurden etwa mit den Green Bond Principles Initiativen ins Leben gerufen, die Empfehlungen geben. Diese sind bis dato jedoch freiwillig. Die EU-Kommission hat deshalb eine Expertengruppe zu Sustainable Finance eingesetzt, die derzeit ausarbeitet, wie nachhaltige Investitionen in Europa gestärkt und die Informationen des Finanzmarktes vergleichbar werden können.

Sustainable Finance in der DZ BANK

Unternehmerische Verantwortung und langfristiges Denken haben bei Genossenschaftsbanken eine lange Tradition. Im Rahmen des Nachhaltigkeitsmanagements beschäftigt sich die DZ BANK seit vielen Jahren damit, wie ESG-Risiken im Kerngeschäft begrenzt und darüber hinaus mit Finanzprodukten eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft gefördert werden können. Dies ist ein steter Prozess, in den Anregungen aus der genossenschaftlichen FinanzGruppe, von Ratingagenturen, NGOs und weiteren Stakeholdern einfließen. Sustainable Finance ist für die DZ BANK sowohl Reputations- als auch Risikomanagement. Neben dem wachsenden gesellschaftlichen Interesse und in Folge erhöhter Transparenzanforderungen, bietet Sustainable Finance aber auch attraktive Marktchancen. Vor allem institutionelle Investoren zeigen immer größeres Interesse an nachhaltigen Anlagemöglichkeiten.

Um den Austausch zum Thema Nachhaltigkeit in der DZ BANK Gruppe zu intensivieren, haben wir unsere Nachhaltigkeitsaktivitäten gebündelt und 2014 das Group Corporate Responsibility Committee ins Leben gerufen. In diesem Gremium sind die Nachhaltigkeitsbeauftragten der DZ BANK Gruppe vertreten. Sie berichten an die jeweiligen Vorstände in ihren Unternehmen und geben Impulse in die Fachbereiche, um gemeinsame Standards zu erarbeiten. Sustainable Finance ist neben beispielsweise einem professionellen Umweltmanagement, nachhaltigen Lieferantenstandards und gesellschaftlichem Engagement eines von vielen Aspekten. Denn Nachhaltigkeit zieht sich inzwischen durch alle Unternehmensbereiche und erfordert ein vernetztes Arbeiten. Jüngstes Beispiel ist die Emission des ersten Green Bonds der DZ BANK im September, an dessen Vorbereitung acht Bankbereiche mitgewirkt haben – angefangen von Group Treasury über den für die Finanzierung erneuerbarer Energien zuständigen Bereich Strukturierte Finanzierung bis hin zum Rechtsbereich.

Nachhaltigkeitsprüfung in der Kreditvergabe

Das Kreditgeschäft stellt eine der wichtigsten Kernaktivitäten der DZ BANK dar. Als Kreditgeber prüfen wir deshalb seit 2009 Kreditanfragen (klassisches Kreditgeschäft, Projektfinanzierungen und kundenbezogene Handelslimite) im Rahmen des Kreditprüfungsprozesses systematisch auf relevante Nachhaltigkeitsaspekte. Hierfür wendet die DZ BANK ein unternehmensweit einheitliches Verfahren an, das auf einer umfassenden Nachhaltigkeitsprüfliste, branchenspezifischen Sektorgrundsätzen sowie Ausschlusskriterien basiert.

Die Nachhaltigkeitsprüfliste der DZ BANK AG orientiert sich an anerkannten Standards wie den zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen sowie an den Äquator-Prinzipien und kommt seit 2009 zum Einsatz. Mithilfe dieser Liste prüfen wir alle für die jeweilige Finanzierung relevanten Einflussfaktoren auf ökologische und soziale Risiken. Unter anderem beurteilen unsere Experten Geschäftspartner, Kunden, Lieferanten, Branchenzugehörigkeit und geschäftliche Schwerpunkte. Kreditanfragen aus sensiblen Branchen, wie beispielsweise Rohstoffförderung, maritime Industrien und Staudammprojekte, beurteilt die DZ BANK zusätzlich zur Nachhaltigkeitsprüfung mithilfe ihrer sogenannten Sektorgrundsätze. Diese geben einen Orientierungsrahmen bei der Genehmigung des Kreditantrags. Die Bearbeitung gemäß den Sektorgrundsätzen erfolgt automatisch im Rahmen der Nachhaltigkeitsprüfung.

Die Kreditrisikostrategie gibt vor, dass die Unternehmen des Sektors Bank der gesamten DZ BANK Gruppe einen fairen Umgang mit ihren Geschäftspartnern pflegen und im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie kein Kreditgeschäft eingehen, das die Reputation der Gruppe negativ berührt. Darauf aufbauend wurde eine Richtlinie zur nachhaltigen Kreditvergabe erarbeitet. Diese Richtlinie findet in kreditvergaberelevanten Steuerungseinheiten Anwendung. Sie enthält auf kontroverse Objekte, Geschäftsbereiche und Geschäftspraktiken bezogene Ausschlusskriterien, um Geschäfte zu unterbinden, welche die Mindestanforderungen in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung nicht erfüllen oder mit einem erhöhten Risiko für Reputationsschäden zu Lasten der DZ BANK Gruppe verbunden sind. In einzelnen Unternehmen der DZ BANK Gruppe können darüber hinaus weitere Ausschlusskriterien zur Anwendung kommen. In der DZ BANK AG haben wir derzeit Ausschlusskriterien formuliert für Waffengeschäfte, Pornografie, Glücksspiel sowie signifikante Umweltverstöße, Menschenrechtsverletzungen sowie neue Projektfinanzierungen für Kohlekraftwerke.

Seit Ende 2017 schulen wir mit einem eigens entwickelten Online-Training alle mit Finanzierungsanfragen betrauten Mitarbeiter verpflichtend zur Nachhaltigkeit in der Kreditvergabe. Dadurch wollen wir unsere Mitarbeiter noch stärker für die Relevanz des Themas sensibilisieren und ihnen zugleich konkrete Hilfestellung bei der Nachhaltigkeitsprüfung von Finanzierungsanfragen bieten.

Projektfinanzierung und erneuerbare Energien

Im Jahr 2013 hat die DZ BANK die von internationalen Projektfinanzierungsinstituten formulierten Äquator-Prinzipien („Equator Principles“) offiziell anerkannt und sich freiwillig verpflichtet, in der Projektfinanzierung Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen. Dabei dokumentieren wir auch nach außen die seit Jahren bestehende Praxis, bei der Projektfinanzierung nachhaltigkeitsrelevante Standards zu berücksichtigen. Zugleich erfüllt die DZ BANK auf diese Weise insbesondere im Bereich der großvolumigen Projektfinanzierung die Anforderungen eines vorausschauenden Risikomanagements.
Im Fokus der Projektfinanzierung steht die Finanzierung erneuerbarer Energien, die wir vor zehn Jahren als wichtiges Wachstumsfeld definiert haben. Das von der DZ BANK bereitgestellte Finanzierungsvolumen in diesem Segment beträgt mittlerweile knapp fünf Milliarden Euro. Damit ist sie einer der wichtigsten Kreditgeber für erneuerbaren Energien in Deutschland. Die genossenschaftliche FinanzGruppe ist nicht zuletzt der bedeutendste Vermittler für Kredite der staatlichen Förderbank KfW, von denen ein großer Teil der durchgeleiteten Fördermittel „grünen“ Zwecken wie Energieeffizienz oder erneuerbaren Energien gewidmet ist. 

Nachhaltige Anleihen mit großem Potenzial

Auch durch die Emissionsbegleitung von grünen Anleihen oder dem Begeben eigener Green Bonds leistet die DZ BANK einen Beitrag zur Förderung von nachhaltigen Projekten. In der Begleitung von Nachhaltigkeitsanleihen an den Kapitalmarkt zählt die DZ BANK zu den führenden Intermediären in Europa. Mit diesen Anleihen können Emittenten Kapital für sozialverantwortliche, umweltfreundliche oder auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Projekte und Märkte aufnehmen. Den Schwerpunkt der Emissionstätigkeit bilden Investitionsvorhaben in den Bereichen erneuerbare Energien und Klimaschutz. Im September hat die DZ BANK ihren ersten eigenen Green Bond am Markt platziert. Die grüne Anleihe mit einem Volumen von 250 Millionen Euro orientiert sich an den „Green Bond Principles“ der International Capital Markets Association (ICMA). Der mit dem Green Bond verknüpfte Pool an Finanzierungen umfasst insgesamt 60 Windkraftprojekte, mit denen pro Jahr klimaschädliche CO2-Emissionen im Umfang von rund 790.000 Tonnen eingespart werden.

Nachhaltigkeitsresearch mit integriertem Analyseansatz

Neben dem Angebot nachhaltiger Finanzprodukte unterhält die DZ BANK ein eigenes Nachhaltigkeitsresearch. Diese Dienstleistung richtet sich vor allem an Genossenschaftsbanken sowie institutionelle Anleger im In- und Ausland, die ihre Anlagen und ihr Produktportfolio aufgrund regulatorischer Erfordernisse und einer steigenden Kundennachfrage immer stärker unter Nachhaltigkeitsaspekten bewerten müssen. Das Nachhaltigkeitsrating basiert auf einem integrierten Analyseansatz, der über die klassische ESG-Perspektive hinausgeht und zusätzlich die ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit berücksichtigt. Dadurch können institutionelle Investoren, Vermögensverwalter und Genossenschaftsbanken bei ihren Anlageentscheidungen Renditeerwartungen und Nachhaltigkeit miteinander zu verknüpfen. Das bedeutet, dass – im Gegensatz zum fundamentalen, oft kurzfristig orientierten Research – die langfristige Perspektive und Wertentwicklung der untersuchten Emittenten im Vordergrund der Analyse steht.
Für Unternehmen der genossenschaftlichen FinanzGruppe bietet das Nachhaltigkeitsresearch ein sogenanntes „Depot A Nachhaltigkeitsscreening“ an, das den Banken ermöglicht, ihre Eigenanlagen nachhaltiger zu gestalten.

Quo vadis Sustainable Finance?

Nachhaltige Finanzdienstleistungen werden von immer mehr Kundengruppen nachgefragt und so wollen wir unser Angebot in diesem Bereich künftig ausbauen. Dazu gehört ebenso, dass wir die Nachhaltigkeit unserer eigenen Prozesse laufend kritisch überprüfen. Im Zuge der Veröffentlichung des EU-Aktionsplans „Financing Sustainable Growth“ hat das Thema Sustainable Finance deutlich an Dynamik gewonnen. Dieser strukturell bedingte Aufschwung wird so schnell nicht enden. Dies zeigt sich auch am Markt für nachhaltige Geldanlagen. Laut des Forums für Nachhaltige Geldanlagen (FNG) beträgt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate seit 2005 rund 27 Prozent. Alle Finanzinstitute werden sich mit Sustainable Finance beschäftigen müssen – es ist zum Kerngeschäft geworden. Allerdings erfordert es neben gesetzlichen Anforderungen vor allem auch eine kulturelle Verankerung.