REVOLUTIONÄRE ENTWICKLUNG IM MASCHINENRAUM DES KAPITALMARKTES

Der Anreiz ist groß, Wertpapiere und andere Finanzinstrumente in größerem Umfang zu tokenisieren

Anleihen lassen sich mittels Blockchain-Technologie platzieren. Ins Rampenlicht rückte dies Ende April, als die Europäische Investitionsbank (EIB) die Ausgabe einer Anleihe über die Ethereum-Blockchain ankündigte. Bei der Transaktion waren auf der Käuferseite dabei: als einziger Assetmanager Union Investment, die Anteile für ihren Publikumsfonds UniRak erwarb und dabei eng mit der Verwahrstelle DZ BANK zusammenarbeitete. Im Gespräch mit der Börsen-Zeitung waren sich die begleitenden Transaktionsexperten Christoph Hock, Leiter Trading Desk bei der Union Investment, und Holger Meffert, Leiter Wertpapiermanagement bei der DZ BANK, einig, dass die Zukunft dem „atomic settlement“ gehöre, also dem sofortigen Austausch der Token-Wertpapiere gegen Digitalwährung. Denn das Verfahren sorge nicht nur für erhöhte Prozesseffizienz, sondern auch für stark verkürzte Kommunikationswege. Bei einer solchen Transaktion sind Emittent, Syndikat, Anleger und Abwickelnde Stelle in direktem Austausch.

Christoph Hock, Union Investment (links) und Holger Meffert, DZ BANK

Eingesetzt wurde eine synthetische digitale Zentralbankwährung (CBDC) der Banque de France für das Settlement eines tokenisierten Wertpapiers nach französischem Recht – dort gibt es schon das digitale Wertpapier. Bei der Ende März erfolgten Transaktion von Bundesbank, Deutsche Börse und Finanzagentur des Bundes, war die DZ BANK als Teilnehmer dabei. Mit dem Test auf Systemen von Börse und Bundesbank wurde gezeigt, dass eine Wertpapier-Transaktion über Token auch in Zentralbankgeld möglich ist.

„Die EIB-Transaktion könnte sich in zwei, drei Jahren als Standard für großvolumige Transaktionen etablieren“, sagt Holger Meffert. Den rechtlichen Rahmenbedingungen folgend, würde den depotführenden Stellen – und damit entsprechend auch der Verwahrstelle – die Rolle der Schlüsselverwahrung und Walletführung zukommen. „Es gibt immer noch Digitalisierungslücken im Settlement-Prozess von Fixed-Income-Papieren sowie Aktien“, beschreibt Meffert den aktuellen Entwicklungsstand. Daraus resultieren noch manuelle Prozessschritte mit Fehlerraten, etwa Lieferverzögerungen bei den Wertpapieren, „sodass Transaktionen in Ausnahmefällen schon mal 10 bis 15 Tage offen bleiben“.

Auch deshalb wäre der Anreiz groß, Wertpapiere und andere Finanzinstrumente in größerem Umfang zu tokenisieren und damit die Transaktionsprozesse zu verbessern und Abwicklungsrisiken weiter zu minimieren. Für Zentralverwahrer wie Clearstream und Euroclear wäre in der Welt dezentraler Netzwerke wohl kein Platz mehr. Christoph Hock geht davon aus, dass schon bald weitere solcher Transaktionen stattfinden. „Die EIB-Emission war der Startschuss für tokenisierte Anleihen. Bei Union Investment haben wir jetzt schon weitere mögliche Transaktionen für tokenisierte Wertpapiere im Auge.“