FRISCH ANS WERK

Die DZ BANK bildet wieder Fachinformatiker aus. Der Clou für den Nachwuchs ist die virtuelle Lehrwerkstatt

Seit zwei Jahren bildet die Bank wieder selbst Fachinformatiker aus, um sich in Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel für die Zukunft zu rüsten. Damit die Auszubildenden ab Tag eins in die Praxis einsteigen können, haben ihnen IT-Kollegen in Eigenregie eine virtuelle Lehrwerkstatt eingerichtet. Wie sich die Nachwuchskräfte auf dieser Spielwiese austoben und sie eigenständig weiterentwickeln, berichten Azubi Dennis Gunia und einer seiner Betreuer, Sebastian Kirst.

Dass ihn sein beruflicher Weg in die IT führt, sei vorgezeichnet gewesen, erzählt Dennis Gunia mit einem Augenzwinkern. Sein Vater war im Vertrieb für Banksoftware tätig. Sein Onkel besitzt ein Computergeschäft. Gunia selbst hat im Gymnasium die Fachrichtung Datenverarbeitungstechnik gewählt und nach seinem Abitur angefangen, Elektrotechnik zu studieren. „Das war aber nicht mein Ding. Nur der Informatikteil hat mir wirklich Spaß gemacht“, erinnert sich der 20-Jährige. Als er sich nach etwas Neuem umsieht, stößt er auf die Ausbildung bei der Bank. Er bewirbt sich, absolviert das Assessment Center – ohne klassische Tests, sondern mit Teamaufgaben und persönlichen Gesprächen – und bekommt noch am selben Tag die Zusage. Im August 2018 beginnt er seine Ausbildung.

Betreuer Sebastian Kirst (l.) neben Dennis Gunia, der seit einem Jahr die Ausbildung zum Fachinformatiker macht

„Wir wollen eigenen IT-Nachwuchs heranziehen und freuen uns, wenn wir fitte Bewerber wie Dennis für uns gewinnen. Leisten sie dann überdurchschnittlich gute Arbeit, ist es möglich, ihre Ausbildung von drei auf zweieinhalb Jahre zu verkürzen“, erklärt Sebastian Kirst. Im Zuge seiner Ausbildung wird Gunia bis zu 13 Gruppen in den beiden Abteilungen „IT-Rechenzentrum“ und „IT-Arbeitsplatz und Systeme“ durchlaufen. Alle Azubis bekommen ein eigenes Notebook, das sie einfach in ihre aktuelle Gruppe mitbringen. Neben verschiedenen Datenbanken lernen sie auch Anwendungen wie zum Beispiel die Marktdatensysteme kennen und leisten IT-Support am Service-Desk. Zusätzlich besucht Gunia jeweils vier Wochen am Stück die Berufsschule und zusätzliche Seminare beim Weiterbildungsanbieter Provadis.  

Lehrwerkstatt macht’s möglich

Da die Ausbildung zum Fachinformatiker ab 2017 nach zehnjähriger Pause wieder angeboten wird, gibt es noch keinen festen Lehrplan. Kirst und seine Kollegen gehen deshalb die IHK-Vorgaben im Detail durch und überlegen, welche Gruppen die inhaltlichen Schwerpunkte Anwendungsentwicklung und Systemintegration am besten abdecken. Doch es gibt ein Problem: Die Azubis erhalten aufgrund von regulatorischen Vorgaben keine Administratorrechte für die Systeme der Bank – „doch drei Jahre lang reine Theorie und ‚Über-die-Schulter-Schauen‘ war für uns keine Option“, sagt Kirst. Die IT-Kollegen richten deshalb eine Lehrwerkstatt ein, wo die Neuen unter Realbedingungen üben können.

Die Werkstatt ist eine geschlossene Testumgebung, in der sich die Nachwuchskräfte ausprobieren dürfen – ohne Angst, Schaden anzurichten. Sie können zum Beispiel spezielle Programme aufspielen, mit denen die Kollegen ihrer jeweiligen Ausbildungsstation arbeiten. Gunia hat in der Werkstatt schon ein Skript programmiert, das automatisch damit startet, einen Server zu installieren. Das Ergebnis war einwandfrei und wurde in die Banksysteme eingeführt. „Unsere Azubis betreuen die Lehrwerkstatt eigenverantwortlich und kümmern sich, wenn zum Beispiel eine Fehlermeldung aufpoppt. Sie entwickeln sogar IT-Bausteine, die wir zum Teil breit ausrollen können“, schwärmt Kirst.

Der 36-Jährige hat selbst auch eine IT-Ausbildung absolviert und im Anschluss Wirtschaftsinformatik studiert. Bei der VVR Bank eG Wittlich in der Eifel hat er ein Praxissemester eingelegt, dort seine Diplomarbeit geschrieben und ist 2013 zur DZ BANK gekommen. Als Serviceverantwortlicher von Windows- und Unix-Systemen ist der zweifache Familienvater für rund 50 Server zuständig. Auf ihnen betreut er Anwendungen, spielt Updates ein und behebt auftretende Probleme.

Praxiswissen ist Trumpf

Um den Ausbildungsgang weiter zu verbessern, entwirft Kirst derzeit einen Aufgabenkatalog, den die Azubis in der Lehrwerkstatt bearbeiten können. Auch von den Erfahrungen und vom Wissen der bisherigen Jahrgänge sollen die Nächsten profitieren. Zwei Neue starten schon im August. Für sie dokumentieren die Auszubildenden in Sharepoint-Themenräumen Anleitungen und Checklisten. „Unsere Fachinformatiker sind echte Überflieger“, berichtet Kirst stolz, „während ihrer Einsätze holen sie das Beste raus.“

Den Vergleich zu Informatikstudenten scheut Dennis Gunia nicht. Mit seinem Theorie- und vor allem dem Praxiswissen aus der Bank könne er sehr gut mithalten. „Wir lernen viel in kurzer Zeit und ich kann mir eine Menge von meinen Kollegen abschauen. Um meine Karrierechancen als ITler mache ich mir keine Sorgen“, sagt er selbstbewusst.  „Unsere Azubis betreuen die Lehrwerkstatt eigenverantwortlich. Sie entwickeln hier sogar IT-Bausteine, die wir zum Teil breit in der Bank ausrollen können.“