„WIR WERDEN AUS DIESER KRISE VIEL LERNEN KÖNNEN“

Uwe Berghaus, DZ BANK Firmenkundenvorstand, spricht über die Auswirkungen der Coronakrise auf die Kunden.

Uwe Berghaus verantwortet als Vorstandsmitglied unter anderem den Firmenkundenbereich und das Förderkreditgeschäft – und damit diejenigen Bereiche der DZ BANK, die momentan unter besonderer Aufmerksamkeit stehen. Im Gespräch gibt er Einblicke in die aktuelle Lage in der Bank und spricht über Auswirkungen der Coronakrise auf die Kunden.

Uwe Berghaus, Firmenkundenvorstand der DZ BANK


Herr Berghaus, wir haben gesehen, dass die Antragsflut an Kreditanfragen gleich mehrere Bereiche auf Trab hält. Wie viele Hilfegesuche haben die Bank denn bislang erreicht?

Eine ganze Menge. Seit Beginn der Krise haben uns schon 18.500 corona-bedingten Anrufe erreicht. Bis Ende vergangener Woche gingen zudem über 8.000 Mails bei uns ein. Der Bereich in unserem VR-BankenPortal, in dem wir alle relevanten Informationen bereitstellen, hatte bereits über 50.000 Klicks.

Und wie viele konkrete KfW-Anträge resultieren aus diesen zahlreichen Anfragen?

Zum Wochenstart standen wir bei etwa 8.500 Anträgen im System mit einem Volumen von rund 2,8 Milliarden Euro, die uns allein über die Volksbanken Raiffeisenbanken erreicht haben. Hinzu kommen noch einmal rund 100 Anträge aus unserem Direktkundengeschäft. Letztere haben ein Volumen von etwa 1,5 Milliarden Euro. Zugesagt hat die KfW zum jetzigen Zeitpunkt rund die Hälfte dieser Anfragen.

Ist aus Ihrer Sicht das Gröbste überstanden? Sind die meisten Kunden nun versorgt?

Nein, ich rechne damit, dass noch sehr viele Anträge auf uns zukommen werden. Das wird allerdings stark vom weiteren Verlauf der Krise abhängen. Seit diesem Montag sind zwar die meisten Geschäfte wieder geöffnet und bei vielen Unternehmen läuft die Produktion langsam wieder an. Wir können aktuell aber kaum abschätzen, wie schnell die Unternehmen wieder in ihr vorheriges Umsatzniveau finden, wie lange sie strenge Auflagen erfüllen müssen, damit die Ansteckungsgefahr gering bleibt, oder ob es gar einen zweiten Shutdown gibt. Je länger wir uns im Zustand der Unsicherheit befinden, desto mehr Firmen werden auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein.

Wie reagieren die Kunden auf diese Ungewissheit?

Sie richten sich mehrheitlich auf eine mehrmonatige Krise ein. Das bedeutet, dass sie vor allem ihre Liquidität ganz genau im Blick behalten, um jederzeit reagieren zu können, wenn sich Engpässe abzeichnen. Viele Kunden, deren Branchen nicht so stark betroffen sind, können sich derzeit noch gut selbst über Wasser halten. Aber auch diese sprechen wir proaktiv an und gehen verschiedene Szenarien mit ihnen durch, damit möglichst gar nicht erst eine kritische Situation entsteht.

Wie schaffen wir es eigentlich die Mitarbeiter in der Bank, mit dieser Situation umzugehen?

Wir erleben jeden Tag, wie wichtig es war, die Förderprogramme digital zu hinterlegen. Das versetzt uns jetzt in die Lage, die Vielzahl der Anträge effizient abzuarbeiten und schnell reagieren zu können. Weitere wichtige Faktoren sind natürlich die Flexibilität und die enorme Einsatzbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen in der Beratung und der Antragsbearbeitung, und nicht zu vergessen: die permanent erforderliche Abstimmung mit den Förderinstituten und der Politik. Mein Eindruck ist, dass sich in der Bewältigung dieser Krise einmal mehr zeigt, wie sehr wir von unserem genossenschaftlichen Grundgedanken profitieren – was einer nicht schafft, schaffen viele.

Was wird sich für die DZ BANK nachhaltig ändern?

Ich denke, wir werden aus dieser Krise einiges lernen können. Vieles können wir natürlich erst im Nachgang sinnvoll bewerten, aber schon jetzt zeigt sich, dass es für eine gute Zusammenarbeit nicht immer den physischen Kontakt braucht. Nicht immer müssen wir für Termine quer durch das Land reisen. Und auch in vielen Bereichen der Kundenbetreuung sehen wir, dass wir auf digitalem Wege schnell und effizient reagieren können. Das sind sicherlich Beobachtungen und Erkenntnisse, die wir auch über Corona hinaus in unseren Arbeitsalltag integrieren wollen.