TEAMBANK-CEO FRANK MÜHLBAUER ÜBER „NEW NORMAL“ IN CORONA-ZEITEN

Die TeamBank hat die Möglichkeiten zu Telearbeit und mobilem Arbeiten noch einmal deutlich erweitert

Von Kiel bis Konstanz diskutieren Unternehmenslenker aktuell darüber, wie das Büroleben in und nach Corona-Zeiten aussehen kann. Schutzmasken, Quoten-Regeln, Desinfektionsspender und Leitsysteme sollen dabei helfen, Abstandsgebot und Hygienemaßnahmen zu gewährleisten. Doch wie sieht die neue Normalität eigentlich in Arbeitsumfeldern mit flexiblen Strukturen aus? Dazu haben wir Frank Mühlbauer, Vorstandsvorsitzender der TeamBank AG, befragt. Die DZ BANK Tochter ist bereits 2014 mit einem offenen Raumkonzept gestartet. Die Erfahrungen aus der Corona-Krise hat sich die TeamBank jüngst zu nutzen gemacht und die Möglichkeiten zu Telearbeit und mobilem Arbeiten noch einmal deutlich erweitert.  

Im Gespräch: Frank Mühlbauer, Vorstandsvorsitzender der TeamBank AG (Copyright: TeamBank)  

 

Herr Mühlbauer, wie sieht das Raum- und Arbeitskonzept aus, das die TeamBank 2014 eingeführt hat?

Mit dem Einzug in unseren Neubau vor sechs Jahren konnte die TeamBank ein Gebäudekonzept realisieren, welches optimal auf unsere Bedürfnisse des Arbeitens abgestimmt war und noch heute ist. Mehr Begegnung, mehr Austausch, mehr Transparenz. Statt klassischer Büros gibt es seitdem „Homezones“ mit flexibler Arbeitsplatzwahl. Das bedeutet, Teams haben feste Bereiche, um eine enge Zusammenarbeit zu gewährleisten. Gleichzeitig können aber auch alle tätigkeitsorientiert und nach persönlichen Bedürfnissen ihren Arbeitsplatz wählen. Neben Einzelarbeitsplätzen und Gruppentischen stehen auch Kreativräume, eine Projektzone sowie Ruhezonen zur Verfügung. In den mittig gelegenen ‚Meet & Create‘ Zonen, pulsiert das Herz. Hier ist viel Platz für die zufällige Begegnung, für den spontanen Impuls oder für die Idee zwischendurch. Gerade mit diesem Mix haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wie viele andere Unternehmen hat auch die TeamBank ihre Mitarbeiter größtenteils ins Homeoffice geschickt. Dank der bereits gelebten Flexibilität sollte dies keine große Umstellung gewesen sein, oder?

Natürlich war es von Vorteil, dass wir bereits vor Corona alle über die notwendige IT-Ausstattung verfügt haben und zumindest ein Teil des Teams bereits Erfahrungen im mobilen Arbeiten bzw. Telearbeit hatte. Die aktuelle Situation hat aber auch bei uns noch mal einen deutlichen Schub an neuen digitalen Kollaborationsformen, formeller und auch informeller Art gebracht. Und das sehr erfolgreich: Unsere Teams haben durch die Krise hinweg stabil gearbeitet und viel für unsere Kunden und Partner geleistet.

Eines war uns trotz reibungsloser Umstellung auf digitale Kanäle und Homeoffice aber trotzdem wichtig: der Kontakt und persönliche Austausch miteinander auch abseits des Formellen – der spontane Impuls also. Wir haben daher bewusst auch informelle Formate geschaffen, virtuelle Feierabendbiere beispielsweise, so dass das Gefühl von Miteinander auch im virtuellen Raum nicht verloren geht. Auch unser TeamBarCamp – unsere Mitarbeiterveranstaltung der etwas anderen Art – stand nicht zur Debatte und wurde zum digitalen SummerCamp mit Keynote, spannenden Formaten der Teams und gemeinsamen Cocktailmixen zum Abschluss.

Welche Learnings ziehen Sie aus den vergangenen Monaten?

Persönlich-digital, das sind und bleiben wir. Der Austausch von Angesicht zu Angesicht bleibt uns weiterhin enorm wichtig. Aber auch die intensivierte digitale Zusammenarbeit ist ein Zugewinn. Richtig angewandt gibt sie unseren Teams mehr Möglichkeiten, noch individueller zu agieren. Gerade die letzten Monate haben erneut bewiesen, dass Gestaltungsfreiheit und Vertrauen enorme Kräfte freisetzen können. Auch deswegen haben wir binnen weniger Tage entschieden – zusammen mit dem Betriebsrat – Telearbeit und mobiles Arbeiten deutlich zu erweitern. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit haben, selbstbestimmter zu entscheiden, wann und wo sie arbeiten wollen und ermöglichen so auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Ganz unabhängig von Corona.

Damit das reibungslos funktioniert, müssen wir die digitale Kollaboration noch stärker in den Fokus rücken. Denn das ist ein weiteres Learning der vergangenen Monate: sich „meeten“ wird zukünftig komplexer. Braucht das Thema Interaktion vor Ort? Geht es auch hybrid? Wie schaffen wir gleichberechtigte Möglichkeiten, wenn der eine Teil des Teams zu Hause und der andere vor Ort ist? Welche zusätzliche technische Ausstattung bedarf es und viele weitere Fragen stehen bei uns gerade ganz aktuell zur Diskussion.

Auch in der TeamBank kehren Mitarbeiter nach und nach ins Büro zurück. Musste das flexible Gebäudekonzept in Corona-Zeiten angepasst werden?

Nein, das war gar nicht nötig, da wir Abstand durch mobiles Arbeiten gewährleisten konnten. Seit Mitte Juni füllt sich das Haus langsam wieder. Unsere Hygiene- und Verhaltensregeln haben wir noch einmal auf die aktuelle Situation angepasst. Zudem sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema ohnehin schon sensibilisierter, denn „clean desk“ hieß bei uns schon immer, dass der Arbeitsplatz am Abend hygienisch sauber verlassen wird. Und so haben beispielsweise Feuchttücher und Desinfektionsmittel nicht erst durch Corona bei uns Einzug gehalten. Einbahnstraßen in Treppenhäusern, Abstandsmarkierungen im Bistro und an den Kaffeebars dagegen natürlich schon.

Das stärkere ortsunabhängige Arbeiten hat hier auch Vorteile für unser Gebäudekonzept. Denn so können wir unsere Zentrale noch besser als Ort der Interaktion nutzen, als Herzstück für Austausch und kreatives Zusammenkommen von Teams. So können wir die Balance zwischen Kollaboration und Konzentration, zwischen Begegnung und Ruhe zukünftig noch individueller gestalten.

Klingt ganz so, als ob „desk sharing“ und mobiles Arbeiten auch dem Corona-Stresstest standhält…

Für uns definitiv. Natürlich ergeben sich in Zeiten von Corona gewisse Risiken, wenn sich Menschen treffen und austauschen. Andererseits bleiben Kollaboration und Austausch zentral für die Innovationskraft eines jeden Unternehmens. Unser Credo ist: Größtmögliche Gestaltungsfreiheit für jeden Einzelnen schaffen. Die zunehmenden digitalen Möglichkeiten erfordern ein neues Mindset und auch einen anderen Anspruch an Führungskräfte. Das Spannungsfeld von dezentralen Einheiten und zentraler Steuerung ist nicht neu, wird aber weiter zunehmen. Führung wird zunehmend komplexer und vielfältiger werden. Dabei, und davon bin ich fest überzeugt, werden gute Führungskräfte immer gute Führungskräfte bleiben. Unsere Aufgabe ist es, das Team auf diesem Weg zu begleiten, Erfahrungsräume zu geben und Experimentierfelder zu schaffen.


Weitere Ein- und Ausblicke in das Arbeiten bei der TeamBank AG gibt Frank Mühlbauer in der aktuellen Ausgabe des Podcasts der Stiftung Aktive Bürgerschaft.