„EIN ASS MEHR IM ÄRMEL“

Broker Jakob Schubert erzählt im Interview, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf das Handelsgeschäft hat.

Jakob Schubert vor seinem Arbeitsplatz im Handelsraum der DZ BANK

Jakob Schubert (28) aus dem Privatkundengeschäft (PK) hatte viel zu tun in den letzten Monaten. Nicht nur entwickelten sich die Umsätze in seiner Gruppe auf ein hervorragendes Niveau, weil die Privatkunden der Genossenschaftsbanken so viel gehandelt haben wie selten zuvor. Nebenbei hat er auch noch mit seinen Kollegen Teile des Orderprozesses für die Vermögensverwaltungen der Genossenschaftsbanken optimiert. Warum ihm das ein wichtiges Anliegen war, berichtet er im Interview.

Welche Auswirkungen hatte Corona auf Ihren Bereich?

Jakob Schubert: Durch Corona haben wir große Kursschwankungen an den Märkten in sehr kurzer Zeit gesehen. Die Privatkunden der Genossenschaftsbanken haben überdurchschnittlich viel gehandelt und so hatten wir im Brokerage viel zu tun. Das Transaktionsvolumen hat sich seit März verdoppelt und unsere Umsätze damit auch.

Betraf das nur Ihre Gruppe oder den ganzen Bereich?

Wir sind im Bereich ertragsseitig breit aufgestellt. Davon haben wir in den letzten Monaten klar profitiert. Die starke Entwicklung im Handelsgeschäft konnte die Entwicklung anderer Geschäftsfelder kompensieren. Ein Beispiel dafür sind die beratungsgetriebenen Anlagezertifikate. Wenn Filialen wegen Covid-19 schließen, und mit Kunden nur eingeschränkt Beratungen durchgeführt werden können, ist das für den Absatz dieser Produkte nicht dienlich.

Also eine erfreuliche Entwicklung für die Handelseinheiten.

Absolut. Anders als es in Krisen-Zeiten zu erwarten wäre, blieb der reine Abverkauf der Depots aus, im Gegenteil hat es sehr viele Zukäufe gegeben. Das verdeutlicht die Zuversicht der Menschen in die Märkte. Ich würde sogar behaupten, dass Corona eine Veränderung in der Aktienkultur mitgebracht hat – zumindest sprechen unsere Zahlen dafür.

Das dürfte sich ja auch positiv auf die Genossenschaftsbanken und deren Wertpapiergeschäft auswirken.

Es gibt Kunden bei den Genossenschaftsbanken, die Chancen in Zeiten starker Kursschwankungen aktiv suchen und nutzen. Andere Kunden ziehen es dagegen vor, ihr Geld von den Profis der Banken verwalten zu lassen. Dabei handelt es sich häufig um überdurchschnittlich vermögende Kunden. Genau wie Sie vermutet haben, hat sich das erstmal positiv aus das Wertpapiergeschäft der Banken ausgewirkt. Klar ist an der Stelle allerdings auch, dass die Vermögensverwaltungen der Banken an den Ansprüchen ihrer Kunden gemessen werden. Und die sind hoch. Auch bei den Profis kann es in unruhigen Zeiten zu Rückschlägen kommen. Besonders in solchen Situationen müssen die Berater viele Gespräche führen…

…und haben weniger Zeit für andere Dinge?

Genau. Deshalb haben wir uns Gedanken gemacht, an welchen Stellen wir die Volksbanken entlasten können. Über die letzten Jahre ist die Anzahl der Banken stetig gewachsen, die eine hauseigene Vermögensverwaltung anbieten und dabei unseren Orderservice nutzen. Denen können wir helfen, indem wir ihnen Zeit, die sie beispielsweise für administrative Tätigkeiten aufwenden, für ihre Kunden freiräumen. Deswegen haben wir weitere Schritte zur Automatisierung im Orderprozess eingeleitet. Bereits heute muss kein Berater mehr händisch ein Order-Sheet befüllen und zukünftig kann der Orderprozess vollautomatisiert aus dem Portfolio-Management-System der Bank heraus initiiert werden.

Wie werden die neuen Unterstützungsangebote von den Banken angenommen?

Bisher sehr gut. Im Juli haben wir den neuen Order-Prozess mit den ersten Genossenschaftsbanken getestet. Parallel sind wir auf weitere Banken zugegangen, die unseren Orderservice für die hauseigene Vermögensverwaltung noch nicht nutzen und haben ihn dort vorgestellt. Die zentrale Botschaft konnten wir mit diesem Ass mehr im Ärmel nochmal unterstreichen: Unser Service soll die Banken dabei unterstützen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – nämlich ihre Kunden.