NEWS-ARCHIV DER EHEMALIGEN WGZ BANK

27.03.2012

WGZ BANK verarbeitet Folgen der Staatsschuldenkrise

  • WGZ BANK erzielt 2011 zweitbestes Betriebsergebnis der Unternehmensgeschichte
  • Belastungen aus der europäischen Staatsschuldenkrise werden aus eigener Kraft im operativen Ergebnis vollständig verarbeitet
  • Kernkapitalquote der WGZ BANK-Gruppe auf 10,4 % angestiegen
  • Rücklagen erneut gestärkt, Dividende weiterhin auf hohem Niveau
  • Guter Start ins laufende Jahr: Stabile Erträge und deutliche Wertaufholungen im Staatsanleihenportfolio

Die WGZ BANK hat im Geschäftsjahr 2011 in einem schwierigen und wettbewerbsintensiven Umfeld ihre Leistungsfähigkeit und Solidität unter Beweis gestellt. Die Bank erzielte das zweitbeste Betriebsergebnis ihrer Geschichte und konnte operativ nahtlos an ihre guten Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Seit 1998 stärkt die WGZ BANK ohne eine einzige Unterbrechung ihre Rücklagen. Zugleich wird den Anteilseignern wiederum eine hohe Dividende vorgeschlagen.

Die WGZ BANK erzielte in ihrem aufsichtsrechtlich und handelsrechtlich maßgeblichen HGB-Abschluss beim Betriebsergebnis vor Bewertung mit 280,4 Mio. € das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Aufgrund der Belastungen aus der europäischen Staatsschuldenkrise sank der Jahresüberschuss auf 50,1 Mio. €. In der WGZ BANK-Gruppe ist das Ergebnis nach IFRS mit -239,7 Mio. € aufgrund der strikten Mark-to-Market-Bewertung des nach „fair value“ eingruppierten Staatsanleihenportfolios der WL BANK negativ. Hätte die Bank, wie viele andere Häuser, eine andere Bewertungskategorie gewählt, würde die WGZ BANK-Gruppe auch nach IFRS ein positives Ergebnis vorlegen können.

Werner Böhnke, Vorstandsvorsitzender der WGZ BANK: „Die WGZ BANK steht unverändert stark da. Alle wesentlichen Parameter liegen in einem positiven bis sehr positiven Bereich. Überall dort, wo wir unser Geschäft selbst beeinflussen konnten und können, zeigen die Indikatoren unverändert nach oben. Die Kosten haben wir nach wie vor im Griff, wie unsere Cost Income Ratio von 43 Prozent zeigt. Unsere Kunden sind mit uns zufrieden, wir machen gutes Geschäft und wir stehen für Kontinuität und Verlässlichkeit. Wir haben das zweitbeste Betriebsergebnis der Unternehmensgeschichte erzielt. Dies kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden angesichts eines Jahres, das vom Griechenland-Fiasko, starkem Misstrauen unter den Banken und der ausufernden Staatsschuldenkrise geprägt war. Wir sind mit den Ergebnissen unseres Kerngeschäftes mehr als zufrieden.“

Das bilanzielle Eigenkapital der WGZ BANK-Gruppe hat sich auch infolge der Entkonsolidierung der WGZ BANK Luxembourg von 3,1 Mrd. € auf 2,7 Mrd. € verändert. Die relevanten Kennziffern bewegen sich aber weiter auf einem soliden Niveau. Die Gesamtkennziffer gemäß Solvabilitätsverordnung beträgt 12,4 Prozent, die Kernkapitalquote erhöhte sich auf 10,4 Prozent. Das Kernkapital besteht dabei ausschließlich aus sog. hartem Kernkapital: Grundkapital, Rücklagen und Fonds für allgemeine Bankrisiken. Es enthält keine hybriden Kapitalbestandteile, wie z. B. stille Einlagen oder Tier-1-Anleihen, die unter Basel III nicht mehr als Kernkapital anerkannt werden. Mit dieser quantitativ und qualitativ guten Ausstattung sieht sich die Bank für die Zukunft – auch unter Basel III – gut gerüstet.

Mit Blick auf das laufende Jahr sagte Böhnke: „In den ersten Wochen konnte die WGZ BANK über alle Geschäftsbereiche hinweg positive Ergebnisse erzielen. Sowohl die Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedsbanken als auch die mit unseren mittelständischen Firmenkunden zeigt unverändert erfreuliche Wachstumssignale. Und auch in der WGZ BANK-Gruppe sehen wir gute Ergebnisse, nicht zuletzt aufgrund zwischenzeitlich eingetretener deutlicher Wertaufholungen im Staatsanleihenportfolio der WL BANK. Auch wenn das erste Quartal noch nicht ganz abgeschlossen ist, so können wir doch bereits heute feststellen, dass die WGZ BANK-Gruppe bislang ein überaus erfreuliches Ergebnis erwirtschaftet hat. Damit liegen wir zugleich deutlich über den Resultaten nach dem ersten Quartal des vergangenen Jahres.“

Diese Entwicklungen stimmen die Bank optimistisch für den Jahresverlauf. „Die konjunkturelle Lage in Deutschland gibt Zuversicht für das Gesamtjahr. Unsere gute Positionierung bei unseren Kunden und in unseren Märkten lassen für 2012 Ergebnisse erwarten, die an die exzellenten Entwicklungen der Jahre 2009 und 2010 anknüpfen“, so Böhnke weiter. Böhnke betonte zugleich, dass die hohe Staatsverschuldung vieler westlicher Industrieländer unverändert eine große Herausforderung für die einzelnen Volkswirtschaften, die europäische Währungsunion insgesamt und die gesamte Finanzdienstleistungsbranche darstelle. Die Zweifel an der Verlässlichkeit politischer Entscheidungen und damit einhergehend die Zweifel an der Stabilität wichtiger Rahmenbedingungen erforderten nochmals gesteigerte Wachsamkeit und Vorsicht in weiten Teilbereichen des Geschäfts.

Ertragslage der WGZ BANK 2011 nach HGB

Der Zinsüberschuss ist angestiegen. Während die Ergebnisbeiträge aus der Fristentransformation aufgrund der Marktsituation erwartungsgemäß rückläufig waren, haben sich die Konditionsbeiträge aus den verschiedenen Geschäftsfeldern, insbesondere aus dem weiter expandierenden Firmenkundengeschäft erhöht. Auch die laufenden Erträge haben sich verbessert.

Der Provisionsüberschuss legte ebenfalls erneut zu. Dazu haben aufgrund deutlich ausgeweiteter Geschäftsvolumina zu gleichen Teilen gestiegene Erlöse im Derivategeschäft, im Zahlungsverkehr und im Kreditgeschäft beigetragen. Auch in dieser Entwicklung zeigt sich die weiter gewachsene operative Stärke der WGZ BANK.

Der Rückgang im Nettoertrag des Handelsbestands ist angesichts des schwierigen Kapitalmarktumfelds und des außergewöhnlich hohen Vorjahreswertes zu relativieren. Insgesamt bewegt sich das Handelsergebnis auf einem erfreulichen Niveau.

Der Verwaltungsaufwand ist 2011 nur leicht angestiegen. Erstmals waren hier die Aufwendungen für die Bankenabgabe (9,1 Mio. €) zu verbuchen. Zudem hat der Personalaufwand aufgrund normaler Gehaltssteigerungen und einer Aufstockung der Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 4,5 Prozent zugenommen. Ohne die Aufwendungen für die Bankenabgabe hätte der Verwaltungsaufwand unter dem Vorjahresniveau gelegen.
Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge nahm im Vergleich zum Spitzenjahr 2010 um 12,2 Prozent auf 280,4 Mio. € ab. Es ist das zweitbeste der Unternehmensgeschichte.

Die Risikovorsorge weist für das Jahr 2011 einen positiven Wert auf. Dies ist Folge eines Sondereffekts: Im Frühjahr 2011 wurde im Zuge des EBA-Stresstests ein Teilbetrag von 135,1 Mio. € aus den § 340 f HGB-Reserven in den Fonds für allgemeine Bankrisiken nach § 340 g HGB umgewidmet. Damit wurde sichergestellt, dass die nach deutschem Recht uneingeschränkt bestehende Nutzungsmöglichkeit der § 340 f HGB-Reserven als Verlustverrechnungspotenzial auch im EBA-Stresstest Anerkennung fand. Diese Umwidmung ist handelsrechtlich in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen. Sie wird deshalb als Auflösung im Risikoergebnis gezeigt. Zugleich belastet sie als Zuführung zum Fonds für allgemeine Bankrisiken den Saldo aus dem sonstigen Geschäft. In der Summe ist die Umwidmung ergebnisneutral. Ohne diesen Sondereffekt beträgt die „echte“ Risikovorsorge 51,7 Mio. €. Die gute Qualität des Firmenkundenportfolios hat nur vergleichsweise geringe Wertberichtigungen auf Forderungen erforderlich gemacht. Überwiegend schlagen sich in der Risikovorsorge Kurskorrekturen auf die Wertpapierbestände nieder.

Das Betriebsergebnis nach Risikovorsorge stieg aufgrund des genannten Sondereffektes auf 363,8 Mio. €. Bereinigt um diesen Effekt beträgt es 228,7 Mio. €.

Beim Saldo aus dem sonstigen Geschäft sind verschiedene Sonderfaktoren zu berücksichtigen. Einem außerordentlichen Ertrag aus der Fusion der WGZ BANK Luxembourg mit der DZ PRIVATBANK in Höhe von 130,7 Mio. € steht aufgrund des 2011 abgeschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages mit der WL BANK eine Verlustübernahme in Höhe von 280 Mio. € entgegen. Dieser Verlust in der WL BANK ist Folge der Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen in Höhe von 75 Prozent des Nominalwertes. Des Weiteren wird in diesem Ergebnis eine Wertkorrektur auf die – inzwischen teilveräußerte – Beteiligung an der ÖVAG-Tochter Volksbank International (VBI) verbucht. Zudem wird die bereits genannte Zuführung der umgewidmeten Reserven in Höhe von 135,1 Mio. € in die Kernkapitalposition hier erfasst.

Dividende weiterhin auf hohem Niveau

Beirat, Aufsichtsrat und Vorstand der WGZ BANK werden der Hauptversammlung am 19. Juni 2012 die Zahlung einer Dividende in Höhe von 5,75 € je Aktie im Nennwert von 100 € vorschlagen. Die Gesamtausschüttung beläuft sich auf 37,4 Mio. €. Darüber hinaus wird die WGZ BANK ihre Gewinnrücklagen mit 12,7 Mio. € dotieren. Insgesamt wird das Kernkapital mit dem Jahresabschluss 2011 um mehr als 150 Mio. € gestärkt.

Ertragslage der WGZ BANK-Gruppe 2011 nach IFRS

Der Anstieg des Zinsüberschusses geht wie im Einzelabschluss der WGZ BANK zurück auf höhere Konditionsbeiträge und laufende Erträge, während die Strukturbeiträge infolge des niedrigeren Zinsniveaus und der flachen Zinsstrukturkurve zurückgingen.

Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft ist auch in der Gruppe deutlich zurückgegangen. Ursachen hierfür sind die konjunkturelle Erholung und die damit einhergehende verbesserte Lage der mittelständischen Firmenkunden.

Der Provisionsüberschuss der Gruppe ist gesunken. Dies geht im Wesentlichen auf die WGZ BANK Luxembourg zurück, deren Ergebnisse seit der Jahresmitte aufgrund ihrer Fusion mit der DZ PRIVATBANK nicht mehr in der Ertragslage der WGZ BANK-Gruppe konsolidiert werden. Zudem weist die WL BANK aus dem Vermittlungsgeschäft mit den Mitgliedsbanken stets einen negativen Provisionsüberschuss aus. Der dortige Anstieg des Provisionsaufwands ist auf die gestiegene Vermittlungstätigkeit der Partnerbanken für die WL BANK zurückzuführen.

Der Rückgang des Handelsergebnisses betrifft überwiegend die WL BANK. Sie hält als Pfandbriefbank innerhalb der Gruppe auch europäische Staatsanleihen. Diese sind nahezu ausschließlich nach „fair value“ eingruppiert und bewertet, was angesichts der massiven Verschärfung der europäischen Staatsschuldenkrise zu deutlichen temporären Wertbeeinträchtigungen geführt hat. Die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen im Rahmen des Schuldenschnitts und die damit eingetretenen endgültigen Verluste sind ebenfalls überwiegend in dieser Position erfasst.

Der Verwaltungsaufwand der WGZ BANK-Gruppe blieb nahezu unverändert. Ohne die erstmalige Belastung aus der zu leistenden Bankenabgabe, die sich in der Gruppe auf 11,3 Mio. € beläuft, läge der Verwaltungsaufwand unter dem Vorjahreswert.

WGZ BANK ist gefragter Geschäftspartner und Arbeitgeber

In allen Geschäftsfeldern kann die WGZ BANK auf erfreuliche Entwicklungen verweisen. Im mittelständischen Förderkreditgeschäft verteidigte die Genossenschaftliche FinanzGruppe in NRW ihre 2010 errungene Marktführerschaft. In den beiden volumenstarken Förderprogrammen, dem Unternehmerkredit und dem Programm Erneuerbare Energien, erzielte die Gruppe Marktanteile von 48 bzw. 50 Prozent.

Erneut bekräftigt wurde die enge Partnerschaft der WGZ BANK mit dem Mittelstand. 2011 wurden neue Kredite mit einem Volumen von rund 3 Mrd. € vergeben, davon 900 Mio. € als Immobilienkredite. Das Bestandsvolumen der Kredite erhöhte sich um 10 Prozent auf 7,4 Mrd. €. Mit fast 300 neuen Firmenkunden wurde ein neuer Spitzenwert bei der Neukundengewinnung erzielt.

Deutlich ausgeweitet wurde auch das Geschäft mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die Ausleihungen an die Mitgliedsbanken stiegen um 5,3 Prozent auf 15,5 Mrd. €, die Einlagen der Mitgliedsbanken legten noch deutlicher um 8,3 Prozent auf 12,8 Mrd. € zu.

Böhnke sieht die WGZ BANK wie auch die gesamte genossenschaftliche FinanzGruppe gut aufgestellt: „In einem schwierigen Umfeld ist es uns gelungen, unsere Position in den Märkten und bei unseren Kunden weiter zu festigen und auszubauen. Wir haben 2011 zahlreiche neue Kunden gewinnen können und sind mehr denn je eine gefragte Adresse auch als Kapitalmarktpartner.“

Die WGZ BANK ist ein attraktiver und geschätzter Arbeitgeber. Mehr als 6.000 Bewerbungen erreichten die Bank allein 2011. „Wir bieten zukunftsfähige und sichere Arbeitsplätze. Das ist gerade am Finanzstandort Düsseldorf keine Selbstverständlichkeit mehr“, stellt Böhnke fest.

Ertragslage der WGZ BANK nach HGB

31.12.10
Mio. €
31.12.11
Mio. €
Veränderung
in %
Zinsüberschuss323,4335,9+3,9
Provisionsüberschuss87,589,5+2,3
Nettoertrag des Handelsbestands108,161,8-42,8
Sonstiges betriebliches Ergebnis4,44,9+11,4
Verwaltungsaufwand-203,9-211,7+3,8
Betriebsergebnis vor Risikovorsorge319,5280,4-12,2
Risikovorsorge-170,083,4>+100
Betriebsergebnis nach Risikovorsorge149,5363,8>+100
Saldo sonstiges Geschäft24,6-311,9<-100
Steuern-84,3-1,8-97,9
Jahresüberschuss nach Steuern89,850,1-44,2
Cost Income Ratio in %39,043,0 
Ertragslage der WGZ BANK-Gruppe nach IFRS

31.12.2010
Mio. €
31.12.2011
Mio. €
Veränderung
in %
Zinsüberschuss406,0428,6+5,6
Risikovorsorge im Kreditgeschäft-28,1-9,2-67,3
Provisionsüberschuss79,063,5-19,6
Handelsergebnis-38,7-673,9>+100
Ergebnis aus Finanzanlagen7,4-2,3<-100
Ergebnis aus at equity-Beteiligungen8,99,8+10,1
Ergebnis aus Sicherungszusammenhängen-11,0-4,2-61,8
Verwaltungsaufwand-266,0-266,4+0,2
Sonstiges betriebliches Ergebnis6,120,9>+100
Ergebnis vor Steuern163,6-433,2<-100
Steuern-21,6193,5<-100
Ergebnis nach Steuern142,0-239,7<-100