PRESSEMITTEILUNGEN 2020

11.05.2020

Corona-Umfrage: Mittelstand ist schwer getroffen, doch reagiert entschlossen

  • Repräsentative Umfrage zeigt: Schon jeder fünfte Mittelständler hat Förderkredite beantragt, mehr als die Hälfte der Unternehmen hat Mitarbeiter in Kurzarbeit, aber nur 8 Prozent bauen bisher Stellen ab.
  • Mittelstand beweist hohe Flexibilität: Geschäftsmodelle neu ausgerichtet, Heimarbeit, Urlaubsregelungen und Überstundenabbau verschaffen Spielraum.

Die Coronakrise stellt die Robustheit des deutschen Mittelstands auf eine harte Probe.  Das zeigt eine aktuelle repräsentative Sonderumfrage der DZ BANK, die sich mit den Auswirkungen der Pandemie auf mittelständische Unternehmen befasst. Die Ergebnisse zeigen: Trotz solider Eigenkapitalausstattung hat bereits über ein Fünftel der Mittelständler staatliche Förderkredite beantragt. Dies gilt bei Unternehmen jeder Größenordnung aus verschiedenen Branchen nahezu gleichermaßen, sowohl in West- als auch in Ostdeutschland. Lediglich die Agrarbranche, die Elektroindustrie und vor allem das Baugewerbe kommen bislang weitgehend ohne staatliche Förderung aus.

Insgesamt blicken die befragten Unternehmen seit dem bundesweiten Shutdown Mitte März deutlich pessimistischer in die Zukunft als davor. Während vor dem Shutdown noch mehr als drei Viertel der deutschen Mittelständler ihre Geschäftslage mit „gut“ oder „sehr gut“ bewerteten, sind es mittlerweile nur noch gut die Hälfte. Damit halten sich jetzt positive und negative Lagebewertungen die Waage.

Besonders große Sorgen äußern Unternehmen aus der Metall-, Maschinenbau- und Automobilindustrie sowie aus dem Dienstleistungsgewerbe. Die Stimmen aus dem Baugewerbe, der Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie sowie im Agrarsektor hingegen sind zuversichtlicher, da die Krise diese Industrien weitgehend verschont – abgesehen von Schwierigkeiten in den Lieferketten und teilweise fehlendem Saisonpersonal. So bewerten immer noch 85 Prozent der mittelständischen Bauunternehmen ihre aktuelle Lage als „sehr gut“ oder „gut“.

Zwei Drittel der Mittelständler im Maschinen- und Fahrzeugbau setzen auf Kurzarbeit

Zum Zeitpunkt der Befragung in den ersten April-Wochen gaben lediglich 6 Prozent der Befragten an, von Betriebsschließungen betroffen zu sein – allerdings ist die Streuung vergleichsweise groß. Insbesondere im Handel sind der Studie zufolge mittelständische Unternehmen gezwungen, ihren Betrieb zu schließen bzw. die Produktion auszusetzen. Größere Mittelständler ab einem jährlichen Umsatz von über 50 Millionen Euro sind dabei insgesamt seltener betroffen.

„Auf Kurzarbeit greifen deshalb bereits jetzt mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen zurück. Das Instrument, das sich bei zahlreichen Unternehmen schon in der Finanzkrise 2008/09 bewährt hat, um wertvolle Fachkräfte nicht zu verlieren, wenden vor allem die ohnehin stark gebeutelten Maschinen- und Fahrzeugbauer an“, sagt DZ BANK-Volkswirt Dr. Claus Niegsch. Mitarbeiter von rund zwei Dritteln der mittelständischen Unternehmen in dieser Branche befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Ihre Arbeitgeber sehen sich einem nationalen und globalen Nachfrageeinbruch ausgesetzt und schrecken derzeit mehrheitlich auch vor höheren Investitionen zurück.

Hohe Anpassungsbereitschaft: Jeder Zehnte richtet sein Geschäftsmodell neu aus

Dennoch zeigt sich in der Krise, wie wandlungsfähig deutsche Mittelständler sind. Insgesamt setzen 63 Prozent der Unternehmen kurzfristig auf Maßnahmen wie den Abbau von Überstunden oder Betriebsurlaub. Heimarbeit ermöglichen fast drei Viertel der Mittelständler ihren Mitarbeitern. Zudem gaben 12 Prozent der befragten Unternehmen an, ihr Geschäftsmodell im Zuge des Shutdowns neu ausgerichtet zu haben. Vor allem kleinere Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als fünf Millionen Euro im Jahr zeigen sich dank kurzer Entscheidungswege besonders flexibel. Unter ihnen hat bislang beinahe jedes sechste Unternehmen eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells vorgenommen.

„Es ist erfreulich, dass sich der Mittelstand trotz des schwierigen Marktumfelds kämpferisch zeigt und mehrheitlich nach alternativen Lösungen sucht, um Umsätze zu sichern“, sagt Uwe Berghaus, Vorstandsmitglied der DZ BANK. „Den deutschen Mittelstand kennzeichnet ein ausgeprägter Unternehmergeist. Davon können die Unternehmen auch in Krisenzeiten stark profitieren.“

Mehr als 8 Prozent sehen sich gezwungen, ihren Personalbestand zu reduzieren

Die durch Kurzarbeit und Neustrukturierungen bedingten Einsparungen reichen allerdings nicht aus, so die Ergebnisse der Umfrage. Bereits jetzt bauen 8 Prozent der Mittelständler Stellen ab. Unter den Metall-, Maschinenbau- und Automobilunternehmen sowie im Dienstleistungssektor plant sogar jedes zehnte Unternehmen, Entlassungen vorzunehmen oder hat dies bereits tun müssen.


Über die Sonderumfrage

Die Daten für die Sonderumfrage wurden in der Zeit vom 3. bis zum 20. April 2020 über Telefon- und Onlineinterviews erhoben. An der repräsentativen Umfrage beteiligten sich 1.043 Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer deutscher Unternehmen.