PRESSEMITTEILUNGEN 2016

25.05.2016

Investitionsbereitschaft im Mittelstand auf Rekordhoch

Stimmung im Mittelstand hat sich verbessert – Geschäftserwartung steigt deutlich – Über 80
Prozent der Unternehmen planen Investitionen, so viel wie nie – Auslandsgeschäft: Schwäche
der Schwellenländer bereitet Mittelständlern Sorgen – Mehr als zwei Drittel der Unternehmen
fürchten Konsequenzen eines Brexit – Kräftige und kontinuierliche Erhöhung der
Eigenkapitalausstattung – Gemeinsame Studie von BVR, DZ BANK und WGZ BANK

Nach der Eintrübung im Herbst vergangenen Jahres hat sich die Stimmung im Mittelstand im
Frühjahr wieder erholt. Dies ist insbesondere auf die deutlich gestiegenen Geschäftserwartungen
zurückzuführen. Derzeit erwartet jedes dritte Unternehmen verbesserte Geschäftsentwicklungen
in den nächsten sechs Monaten. Aber auch die Bewertung der aktuellen Lage hat sich im
Vergleich zum Herbst leicht verbessert. Getrieben wird die positive Einschätzung von den
niedrigen Energiepreisen, gleichzeitig profitiert der stärker inlandsorientierte Mittelstand von der
anhaltenden Konsumlaune der privaten Haushalte. Angesichts der optimistischen Stimmung
steigen die Investitionsplanungen der Unternehmen auf ein neues Allzeithoch. So planen 81
Prozent der Mittelständler in den nächsten sechs Monaten in ihr Unternehmen zu investieren. Ihr
Personal haben die Unternehmen im vergangenen halben Jahr deutlich aufgestockt, und sie
planen auch weiterhin Personal aufzubauen. In den nächsten sechs Monaten will jedes vierte
Unternehmen Mitarbeiter einstellen. Weiter leicht rückläufig sind die Auslandsaktivitäten der
Mittelständler. Aktuell sind rund 54 Prozent der Unternehmen im Ausland engagiert; vor einem
Jahr waren es noch über 57 Prozent. Hierfür dürfte die Schwäche der Schwellenländer,
insbesondere die anhaltende Rezession in Brasilien und Russland und das gedämpfte
Wirtschaftswachstum in China ein Grund sein. Sollte Großbritannien aus der Europäischen
Union austreten, befürchten nur 28 Prozent der Mittelständler keine negativen Konsequenzen.
Die mittelständischen Unternehmen erwarten im Falle eines  „Brexit“ insbesondere zunehmende
bürokratische Hemmnisse. Hinsichtlich des Eigenkapitals ist der Mittelstand sehr gut
ausgestattet. So stieg die Eigenkapitalquote der kleinen und mittleren Unternehmen in den
vergangenen 15 Jahren um etwa 44 Prozent.

Das ist das Ergebnis der repräsentativen VR Mittelstandsumfrage. Neben den Ergebnissen der
halbjährlich durchgeführten Umfrage unter 1.500 Unternehmen enthält die aktuelle Studie eine
detaillierte Analyse des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)
über die Trends bei der Kreditversorgung der Unternehmen in Deutschland.


Aktuelle Geschäftslage verbessert sich

Die mittelständischen Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage wieder etwas besser
als im Herbst des vergangenen Jahres. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen
steigt von 68,3 Punkten auf 69 Punkte. Auch wenn die Erhöhung nur marginal ist, so liegt der
Wert doch deutlich über dem langjährigen Mittelwert von 40,3 Punkten. Insgesamt beurteilen
84,4 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Situation als „sehr gut“ oder „gut“. Unzufrieden
sind nur die Unternehmen der Agrarwirtschaft, weniger zufrieden die kleinen Unternehmen mit
unter 20 Mitarbeitern. Die anhaltend niedrigen Erzeugerpreise dürften bei den
Agrarunternehmen für eine angespannte Liquidität und damit für die schlechte Stimmung
sorgen. Am positivsten bewerten derzeit die Bauunternehmen ihre Geschäftslage. Sie profitieren
von den niedrigen Zinsen, die den Wohnungsmarkt beflügeln. Ebenso zufrieden sind die
Unternehmen der Elektro- und der Chemie- und Kunststoffindustrie.

Geschäftserwartungen legen deutlich zu

Die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate sind deutlich stärker gestiegen als die
Bewertung der aktuellen Situation. So stieg der Saldo aus optimistischen und pessimistischen
Antworten von 16,9 Punkten im Herbst auf 27,3 Punkte im Frühjahr. Analog zur Einschätzung
der Geschäftslage entziehen sich die Unternehmen der Agrarwirtschaft auch bei den
Erwartungen als einzige Branche dem Positivtrend. Die deutlichste Steigerung weist auch hier
das Baugewerbe aus. Mehr als doppelt so viele Bauunternehmen erwarten in den nächsten
sechs Monaten bessere Geschäfte als noch im Herbst (Frühjahr: 36 Prozent, Herbst: 15,8
Prozent). Den größten Optimismus legt die Ernährungsbranche an den Tag, bei der 44 Prozent
der Unternehmen eine Verbesserung in den kommenden sechs Monaten erwartet.

Investitionsbereitschaft auf Allzeithoch

Angesichts der merklich verbesserten Geschäftserwartungen sind die mittelständischen
Unternehmen zudem bereit, so viel zu investieren wie nie zuvor. Über 81 Prozent der
Unternehmen wollen in den nächsten sechs Monaten in ihr Unternehmen investieren. Das ist der
höchste Wert seit dem Start der Mittelstandsumfrage im Jahr 1995 und das erste Mal, dass die
80-Prozentmarke überschritten wurde. Zum Vergleich: Die langjährige durchschnittliche
Investitionsplanung liegt bei rund 71 Prozent. „Angesichts der bisher relativ schwachen
Investitionstätigkeit in Deutschland ist die hohe Investitionsbereitschaft der mittelständischen
Unternehmen ein überaus erfreuliches Signal. Damit stärkt der Mittelstand seine Bedeutung als
wichtiger Motor für eine positive Wirtschaftsentwicklung in Deutschland im Jahr 2016“, so
Stefan Zeidler, Firmenkundenvorstand der DZ BANK. Von den mittelständischen Unternehmen
mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro wollen sogar fast 90 Prozent
investieren. Die umfangreichsten Investitionen planen neben dem Ernährungsgewerbe die
Chemie- und Kunststoffindustrie und insbesondere das Baugewerbe. Deutlich zugenommen
haben die Investitionsplanungen zudem im Handel, dessen Investitionsbereitschaft wie auch im
Bau und im Ernährungsgewerbe auf ein neues Allzeithoch gestiegen ist.

Trotz steigender Investitionsbereitschaft ist der Finanzierungsbedarf im Mittelstand wieder leicht
zurückgegangen. Weniger als 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben in diesem
Frühjahr Finanzierungsbedarf, im Herbst waren es noch 23 Prozent. Der geringe Bedarf an
Finanzierung ist Folge der steigenden Eigenkapitalquoten im Mittelstand und des zunehmenden
Bestrebens der Unternehmen, ihr Wachstum aus eigenem Cash-Flow heraus zu realisieren.

Mittelstand baut Personalbestand weiter aus

Ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen hat im vergangenen halben Jahr seinen
Personalbestand ausgebaut. In den nächsten sechs Monaten will jedes vierte Unternehmen
weiter Personal aufbauen. Am höchsten fallen die Beschäftigungserwartungen im
Dienstleistungsgewerbe aus, wo 30,6 Prozent (Herbst: 25 Prozent) der Unternehmen im
nächsten halben Jahr Mitarbeiter einstellen möchten. „Erfreulich ist, dass der Personalaufbau in
Ost- und in Westdeutschland gleichermaßen erfolgen soll. Damit hält die Personaloffensive im
Mittelstand an. Sie bleibt Treiber des Arbeitsmarktes und wirkt zudem stabilisierend auf die
Inlandskonjunktur. Um diese Rolle auch in Zukunft erfüllen zu können, ist allerdings eine
Behebung des anhaltenden Fachkräftemangels dringend geboten“, so Uwe Berghaus,
Firmenkundenvorstand der WGZ BANK. Eine Lösung auf diesem Problemfeld hat für die
mittelständischen Unternehmen – gleich nach der Bürokratie – weiterhin höchste Priorität.

Auslandsaktivität sinkt erneut

Nach dem kontinuierlichen Ausbau in den vergangenen Jahren ist das Auslandsengagement der
mittelständischen Unternehmen seit vergangenem Herbst erneut leicht zurückgegangen. Mit
53,7 Prozent (Herbst 56,2 Prozent) ist aber nach wie vor ein großer Teil der Mittelständler
außerhalb des Heimatmarktes aktiv. Verantwortlich für den Rückgang dürfte die Schwäche der
Schwellenländer sein. Vielen Mittelständlern bereitet die anhaltende Rezession in Brasilien und
Russland sowie die weniger dynamisch wachsende Wirtschaft in China Sorgen. Zumal diese
Schwäche bereits 2015 merkliche Auswirkungen auf die deutschen Exporte zeigte: So sind etwa
die Ausfuhren deutscher Güter nach China im vergangenen Jahr um rund 4 Prozent
zurückgegangen. Zudem verleiden die anhaltenden Sanktionen Russlands gegen die Einfuhr
europäischer Lebensmittel und der dadurch entstandene Preisdruck den Landwirten das
Exportgeschäft.

Großteil der Mittelständler erwartet negative Konsequenzen von einem „Brexit“

Lediglich 28 Prozent der Mittelständler fühlen sich von einem „Brexit“ nicht betroffen. Die
Mehrheit der mittelständischen Unternehmen hingegen erwartet negative Auswirkungen, wenn
die Wähler in Großbritannien am 23. Juni entscheiden, aus der Europäischen Union
auszuscheiden. Vor allem die eher exportorientierten Mittelständler im verarbeitenden Gewerbe
dürften die Folgen eines etwaigen Austritts direkt zu spüren bekommen. So erwartet etwa jedes
dritte Unternehmen, dass bürokratische Hemmnisse im Auslandsgeschäft mit Großbritannien
zunehmen. Zudem würde für jedes fünfte Unternehmen das Vereinigte Königreich aufgrund der
Zölle als Absatzmarkt uninteressant.

Kräftige und kontinuierlich höhere Eigenkapitalquoten

Die kräftige und kontinuierliche Erhöhung der Eigenkapitalausstattung der Unternehmen in
Deutschland ist der auffälligste Trend, insbesondere bei den kleinen und mittleren
Unternehmen. In den vergangenen 15 Jahren konnten die in Deutschland ansässigen
Unternehmen ihr Eigenkapital um rund 130 Prozent erhöhen. Damit stieg das Eigenkapital mehr
als dreimal so stark wie das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik Deutschland. Bei den
kleinen und mittleren Unternehmen war die Erhöhung noch ausgeprägter als bei den
Großunternehmen: 1999 betrug die Eigenkapitalausstattung der KMU lediglich 17,2 Prozent; im
Jahr 2013 lag der Anteil bereits bei 27,8 Prozent. "Dass sich der deutsche Mittelstand
inzwischen so robust zeigt, liegt auch an seiner kontinuierlich steigende Eigenkapitalausstattung
und seiner unverändert hohen Bilanzqualität. Der Mittelstand in Deutschland präsentiert sich
damit gut gerüstet für die nächsten Jahre“, erläutert BVR-Vorstandsmitglied Dr. Andreas Martin.


Die Daten für die VR Mittelstandsumfrage wurden in der Zeit vom 29. Februar bis 13. April 2016
im Rahmen einer telefonischen Umfrage von der nhi2 AG, Bonn, erhoben. Die Stichprobe von
1.500 Unternehmen ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer
mittelständischer Unternehmen in Deutschland.

Die Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“ kann unter www.mittelstandsstudie.de kostenfrei
heruntergeladen werden.