PRESSEMITTEILUNGEN 2016

22.11.2016

DZ BANK Research Jahresausblick 2017

Fiskalpolitik gibt Impulse für Weltwirtschaft / Wachstum bleibt aber fragil / Geldpolitik wird nicht noch expansiver / Aktienmärkte mit moderatem Aufwärtspotenzial

Die Weltkonjunktur kommt im Jahr 2017 langsam in Fahrt. Unterstützt wird sie dabei durch zunehmende fiskalpolitische Stimuli. Vor allem aufgrund eines energiepreisbedingten Basiseffektes wird auch die Inflation leicht anziehen. Eine noch expansivere Geldpolitik steht damit vorerst nicht zur Debatte. Die Zinsen bleiben insbesondere in der Eurozone weiterhin sehr niedrig. Der fortbestehende Mangel an attraktiven Anlagemöglichkeiten wird in Verbindung mit dem leicht beschleunigten Wachstum der Weltwirtschaft auch die Aktienmärkte beflügeln. Der DAX wird Ende 2017 bei rund 12.000 Punkten notieren. Diesen Ausblick gaben die Analysten des DZ BANK Research bei der Vorstellung ihrer Jahresprognose 2017.

Für die Weltwirtschaft rechnen die Experten der DZ BANK im kommenden Jahr mit einem Wachstum von 3,0 Prozent, während für das laufende Jahr 2,8 Prozent erwartet werden. „Die Wachstumsdynamik ist weltweit schwach. Einige Länder werden versuchen, sich mit Fiskalprogrammen dagegen zu stemmen. Darunter auch die USA mit ihrem neuen Präsidenten, allerdings wird die Wirkung dort erst in der zweiten Jahreshälfte 2017 zu spüren sein“, erklärt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research & Volkswirtschaft der DZ BANK. „Global bleibt das Wachstum aufgrund der zahlreichen geopolitischen Risiken fragil. Politische Themen und das Agieren der Zentralbanken werden weiterhin die fundamentalen ökonomischen Faktoren überlagern."

Wachstum bleibt recht robust – „Fiskalprogramme fehlgeleitet“

In diesem Umfeld wird sich die ohnehin verhaltene Konjunktur in der Eurozone nach Einschätzung von Stefan Bielmeier nochmals leicht abkühlen. Er erwartet ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent nach 1,5 Prozent im Jahr 2016. „Die anstehenden Brexit-Verhandlungen, das Ergebnis der US-Wahl und der zunehmende Populismus in Europa lasten auf der Stimmung. Das wird sich 2017 negativ im Wirtschaftsklima und im Wachstum niederschlagen“, sagt Bielmeier. „Angesichts der großen Unsicherheiten ist die Verfassung der europäischen Wirtschaft jedoch noch recht robust.“ Dies gelte insbesondere für die deutsche Wirtschaft, die von einer stabilen Binnennachfrage getragen wird. Zwar rechnen die DZ BANK-Experten für das Jahr 2017 mit einem BIP-Zuwachs in Deutschland von nur noch 1,2 Prozent (2016: 1,8 Prozent), doch seien rund 0,3 Prozentpunkte dieses Rückgangs auf die geringere Zahl an zur Verfügung stehenden Arbeitstagen zurückzuführen.

Dass angesichts der bescheidenen Wachstumsaussichten auch in Europa immer mehr Staaten Fiskalprogramme planen, hält Bielmeier für fehlgeleitet. „Groß angelegte staatliche Ausgabenprogramme werden ein Strohfeuer sein, das die ohnehin schleppende Haushaltskonsolidierung in vielen Euroländern zurückwirft. Ich rate daher statt zu Fiskalprogrammen dringend zu weiteren Strukturreformen, insbesondere im Bereich der Arbeitsmärkte. Leider gibt es derzeit eher Bewegungen in die andere Richtung, auch in Deutschland“, sagt Bielmeier.

Inflation steigt leicht – Straffung der EZB-Geldpolitik erst ab 2018

Die Inflation wird nach Einschätzung der DZ BANK-Experten angesichts des gedämpften Wachstums und einer strukturell schwachen Nachfrageentwicklung nur moderat anziehen. Im Euroraum wird die Rate demnach im kommenden Jahr bei 1,1 Prozent liegen und damit weiterhin deutlich entfernt von der Zwei-Prozent-Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) sein. In den USA erwarten die DZ BANK-Analysten mit 2,3 Prozent im Jahr 2017 einen stärkeren Preisauftrieb, der aber noch kaum durch die Pläne des künftigen US-Präsidenten Trump zu erklären sein wird.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen dürfte auch die Geldpolitik auf beiden Seitens des Atlantiks zunehmend auseinanderklaffen. Die Experten der DZ BANK rechnen damit, dass die US-Notenbank Fed bereits im Dezember den Leitzins anhebt. Bis Ende des Jahres 2017 sehen sie einen Anstieg der Fed Funds Target Rate in zwei weiteren Schritten auf 1,25 Prozent. Die EZB werde hingegen den Leitzins und den Einlagensatz weiter unverändert niedrig halten. Das Asset Purchase Programme (APP) werde bei gleich bleibendem monatlichem Volumen von 80 Milliarden Euro bis auf weiteres fortgesetzt. „Die Zentralbanken werden immerhin nicht noch expansiver agieren. Schon jetzt ist die Wirksamkeit der aktuellen Geldpolitik in Europa mehr als fraglich, die negativen Folgewirkungen kaum abzuschätzen“, kommentiert Stefan Bielmeier. „Die EZB dürfte das Tapering um die Mitte kommenden Jahres herum anmoderieren und dann 2018 mit ruhiger Hand umsetzen.“

Aktienmärkte mit moderatem Aufwärtspotenzial

Für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte sind die Analysten der DZ BANK vorsichtig optimistisch. Sie trauen dem DAX einen Anstieg auf 12.000 Punkte bis zum Jahresende 2017 zu. Dies entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund zwölf Prozent gegenüber dem aktuellen Wert. „Die leichte Beschleunigung der Weltkonjunktur wird die Gewinne der stark exportorientierten DAX-Unternehmen ansteigen lassen. Dies sorgt für Kurspotenzial. Außerdem gibt es weiterhin kaum attraktive Alternativen zu einer Anlage in Aktien“, sagt Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ BANK. Ein weiteres Argument: „Trotz des bereits recht hohen Bewertungsniveaus sind die Dividendenrenditen im DAX noch immer ansehnlich.“ Sie liegen auf Basis der Schätzungen für 2017 bei 3,4 Prozent.

Chancen sieht der Anlagestratege zudem in den Emerging Markets. „Die Bewertungen der Aktienmärkte in den Schwellenländern sind erheblich günstiger als in den Industrieländern. Die eingepreisten Wachstumsrisiken halten wir für überzeichnet. Für Anleger mit der erforderlichen Toleranz für Schwankungen sind die Emerging Markets interessant“, erklärt Kahler. Ein entsprechendes Gewicht nehmen Schwellenländeranlagen im Musterdepot des DZ BANK Research ein. Dividendenwerte aus den Emerging Markets sind mit einem Anteil von rund 15 Prozent in dem Portfolio vertreten. Hinzu kommen Staatsanleihen von Schwellenländern, die einen Anteil von 20 Prozent ausmachen. Die Aktienquote des Portfolios liegt bei 36 Prozent. Neben den Schwellenländer-Aktien sind hier taktisch motivierte Investitionen in Aktien von Versorgern und Banken repräsentiert. Diese waren erst im Oktober 2016 aufgrund der Vielzahl von eingepreisten negativen Erwartungen zu günstigen Einstandskursen gekauft worden. Das DZ BANK Depot hat seit Jahresbeginn 2016 eine Rendite von 2,8 Prozent erzielt, seit Auflage im Jahr 2011 liegt die Performance bei 8,5 Prozent p.a.

Die Präsentation von Stefan Bielmeier und Christian Kahler finden Sie hier.

Wesentliche Prognosen des DZ BANK Research im Überblick:

BIP-Wachstum Deutschland1

1,2 %

BIP-Wachstum EWU1

1,2 %

Inflation Deutschland1

1,4 %

Rohöl2

56 USD/Barrel (Brent)

Refisatz EZB2

0,00 %

Einlagensatz EZB 2

-0,40 %

Leitzinsen USA (Fed Funds Target Rate)2

1,00 – 1,25 %

Wechselkurs USD/EUR2

1,12

DAX2

12.000 Punkte

1 Veränderungen gegenüber dem Vorjahr; 2 Punktprognose für Ende 2017