PRESSEMITTEILUNGEN 2015

14.09.2015

Mittelstand schöpft Einsparungspotential bei Energiekosten nicht aus

Energieeffizienz gewinnt als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand an Bedeutung und ist für
65 Prozent der Unternehmen bereits Bestandteil der Unternehmensstrategie - 80 Prozent
der mittelständischen Unternehmen haben in den vergangenen zwei Jahren
Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt – Fördermittel werden jedoch kaum genutzt –
Obwohl bei der Energieerzeugung die größten Kosteneinsparungen möglich sind, werden
nur wenig Maßnahmen umgesetzt – Ergebnisse einer repräsentativen DZ BANK Umfrage
im Mittelstand


Die Chance, Energie und damit Kosten zu sparen nutzt die überwiegende Mehrheit
mittelständischer Unternehmen in Deutschland. So haben in den vergangenen zwei Jahren acht von
zehn Mittelständlern mindestens in einem Bereich Energieeffizienzmaßnahmen durchgeführt. Dabei
konnten die Unternehmen durchschnittlich Kosteneinsparungen zwischen zwölf und 17 Prozent
erzielen, was für nahezu alle Unternehmen ein zufriedenstellendes Ergebnis ist. Welche Relevanz das
Thema inzwischen bekommen hat, zeigt, dass für zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen
das Thema Energieeffizienz in der Unternehmensstrategie bereits eine wichtige strategische Rolle
spielt. 66 Prozent der Mittelständler erfassen regelmäßig die Daten der Energieströme und
Energiekosten in ihrem Unternehmen. Nur etwa ein Drittel der Unternehmen, die
Energieeffizienzmaßnahmen durchgeführt haben, haben auch Förderungen genutzt. Den Nationalen
Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) der Bundesregierung kennt nur jedes fünfte Unternehmen, von
Zuschüssen für Energieberatung weiß nur jeder zweite Mittelständler. Dies ist das Ergebnis der
aktuellen repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK Media unter 1.000
mittelständischen Unternehmen im Auftrag der DZ BANK.

„Auch wenn das Thema Energieeffizienz im Mittelstand inzwischen klar angekommen ist, schöpfen
die Unternehmen das vorhandene Potenzial noch nicht umfassend aus. Energieeffizienz-
Maßnahmen werden oftmals nicht als klassische Investition eingestuft und deshalb zu kurzfristig
finanziert“, kommentiert Stefan Zeidler, Firmenkundenvorstand der DZ BANK die
Umfrageergebnisse. „Um das Thema weiter voranzutreiben sind attraktive Förderimpulse notwendig,
um Planungs- und Liquiditätssicherheit bei den oft langfristigen Investitionen zu bieten“, so Zeidler.

Wenige Maßnahmen bei Energieerzeugung – trotz hohem Potential

Unabhängig davon, ob in den vergangenen zwei Jahren bereits Energieeffizienzmaßnahmen
durchgeführt wurden, plant gut die Hälfte der Unternehmen dieses in den nächsten zwei Jahren zu
tun. Die Bereitschaft für Energieeffizienzmaßnahmen nimmt mit sinkender Unternehmensgröße ab:
Bei den Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis fünf Millionen Euro planen nur noch 35 Prozent
entsprechende Maßnahmen durchzuführen. Bislang wurden am häufigsten
Energieeffizienzmaßnahmen bei technischen Anlagen (59 Prozent) und bei Gebäuden (51 Prozent)
umgesetzt. Mit 23 Prozent wurden im Bereich der Energieerzeugung die wenigsten Maßnahmen
umgesetzt. Allerdings konnten diejenigen Unternehmen, die in diesem Bereich Maßnahmen
umgesetzt haben, mit 17 Prozent die größten Kosteneinsparungen erzielen.

Mit 94 Prozent ist die Chemie- und Kunststoffbranche beim Thema Energieeffizienz
erwartungsgemäß am aktivsten, gefolgt von der Branche Metall/Stahl/Kfz und Maschinenbau (90
Prozent). Schlusslicht im Branchenvergleich sind die Unternehmen des Baugewerbes, wo nur 68
Prozent der befragten Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren Energieeffizienzmaßnahmen
durchgeführt haben. Die Unternehmen, die bisher noch nicht entsprechend tätig geworden sind,
begründen dies damit, dass sich aufgrund des geringen Energieverbrauchs für sie
Effizienzmaßnahmen generell nicht lohnen. Ein weiterer Grund: Für 47 Prozent der Unternehmen
dauert die Amortisation einer Investition in eine Energieeffizienzmaßnahme zu lange, so dass sie von
solchen Vorhaben absehen.

Fördermaßnahmen bieten wenig Anreiz

Lediglich 29 Prozent der Unternehmen, die in den vergangenen zwei Jahren
Energieeffizienzmaßnahmen durchgeführt haben, haben hierfür Förderung genutzt. Wenn von den
Unternehmen Fördermittel in Anspruch genommen wurde, dann in erster Linie in Form von
Zuschüssen (22 Prozent) oder über Förderkredite (12 Prozent). Trotz Förderberechtigung sehen 40
Prozent der Unternehmen keinen Anreiz in der Förderung beziehungsweise hoffen, dass solche
Maßnahmen in Zukunft noch stärker gefördert werden, zum Beispiel durch steuerliche Anreize, wie
Sonderabschreibungen auf Energieeffizienzmaßnahmen. Dass es Zuschüsse für die Energieberatung
gibt, die bis zu 80 Prozent des Honorars eines Energieberaters betragen, ist nur etwa der Hälfte der
mittelständischen Unternehmen bekannt. Nur jeder Vierte der Befragten fühlt sich von seiner
Hausbank ausreichend beraten. Die Unternehmen wünschen sich vor allem Informationen zu
individuellen Fördermöglichkeiten, aber auch Unterstützung bei der Beantragung von Zuschüssen für
Investitionen und Energieberatung. „Beim Thema Förderung besteht noch großer
Informationsbedarf. Dringend notwendig ist eine klare und strukturierte Übersicht über die Vielzahl
der unterschiedlichen Initiativen und Angebote, das machen die Umfrageergebnisse deutlich. Die
Banken können den Unternehmen hier eine Orientierung im „Förderdschungel“ bieten, in der
genossenschaftlichen FinanzGruppe hierzu individuell mit ganzheitlichem Blick“, so Zeidler.

Hauptsächlich große Mittelständler evaluieren Energiewerte – Interesse an
Erfahrungsaustausch in Energienetzwerken vorhanden


Damit eine Kostenersparnis beim Energieverbrauch sichtbar wird, müssen die Verbrauchswerte
ermittelt werden. Rund zwei Drittel der Mittelständler erfasst und evaluiert regelmäßig die
Energieströme und Energiekosten in ihren Unternehmen. Vorreiter sind hierbei die umsatzstarken
Unternehmen. Am häufigsten (92 Prozent) betreibt die Chemie und Kunststoffbranche ein
Monitoring ihrer Energieströme und Energiekosten gefolgt von der Branche Ernährung und Tabak.
In der Agrarbranche findet nur bei 15 Prozent der Unternehmen eine regelmäßige Erfassung der
Energieströme und Energiekosten statt.

38 Prozent der verpflichteten Unternehmen hat noch nicht mit Energieaudit begonnen

Große Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz oder mindestens 250
Beschäftigten werden verpflichtet, bis zum 5. Dezember 2015 und danach mindestens alle vier Jahre
ein Energieaudit durchzuführen.

Sechs von zehn Unternehmen dieser Zielgruppe haben bereits mit ersten Maßnahmen im Rahmen
des Energieaudits begonnen, primär mit der Feststellung der relevanten Datengrundlage sowie mit
der Ermittlung von Potentialen für Energieeffizienzmaßnahmen und Wirtschaftlichkeits-
/Investitionsrechnungen. Ein Drittel dieser Unternehmen hat bereits ein Energiemanagementsystem
installiert.

Über das Thema Energieeffizienz generell informieren sich die Unternehmen in den Medien. 83
Prozent nutzen hierfür das Internet sowie Zeitungen (65 Prozent) und das Fernsehen (50 Prozent).
Beinahe jedes zweite Unternehmen informiert sich bei einem Energieberater. Die Deutsche
Energieagentur, die eigene Hausbank oder staatliche Förderbanken werden von den Unternehmen
als Informationsquellen vernachlässigt. Den Austausch mit anderen Unternehmen kann sich jedes
dritte Unternehmen vorstellen: 37 Prozent der Befragten sind daran interessiert, sich an einem
Energienetzwerk zu beteiligen. Die Unternehmen erhoffen sich dadurch hauptsächlich einen
Erfahrungsaustausch, aber auch neue Impulse für Kosteneinsparungen sowie Informationen über
attraktive Fördermaßnahmen.


Die Daten wurden zwischen dem 9. und dem 31. Juli im Rahmen einer telefonischen Umfrage von GfK Media
erhoben. Die Stichprobe von 1.000 ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer
mittelständischer Unternehmen in Deutschland mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und 125 Millionen
Euro.