PRESSEMITTEILUNGEN 2013

22.04.2013

„KONZEPT: 20 Jahre DZ BANK Kunstsammlung“

Die DZ BANK Kunstsammlung zeigt Konzeptkunst in ihrer Jubiläumsausstellung

Die DZ BANK Kunstsammlung wird 20 Jahre alt. 1993 von der DG BANK, dem Vorgängerinstitut der DZ BANK, ins Leben gerufen, zählt die Sammlung zu der weltweit größten ihrer Art. Von Beginn an rückte die Sammlung den offenen Blick auf die künstlerische Fotografie in den Mittelpunkt. "KONZEPT: 20 Jahre DZ BANK Kunstsammlung“ ist der Titel der aktuellen Jubiläumsausstellung. Dabei ist das im Ausstellungstitel geführte „Konzept“ im doppelten Sinne zu verstehen: Zum einen hebt es das Konzept der Sammlungsausrichtung als bewusste Entscheidung hervor, deren Fokus auf dem fotografischen Bild in der zeitgenössischen Kunst liegt. Zum anderen lenkt es den Blick auf die fotografischen Arbeiten von Künstlern, die sich der Konzeptkunst verschrieben haben. Dabei folgt die Ausstellung den Kriterien des Sammlungsschwerpunkts, der sich stets an den klassischen Genres der Kunstgeschichte wie Stillleben, Porträt, Landschaft, Interieur u.a. orientiert.

Die Ausstellung versammelt 77 fotografische Arbeiten aus der DZ BANK Kunstsammlung von 47 renommierten internationalen Künstlerinnen und Künstlern aus 12 Ländern. Gezeigt werden Arbeiten von Vito Acconci, John Baldessari, Robert Barry, Joseph Beuys, Anna & Bernhard Blume, Christian Boltanski, Johannes Brus, Hans-Peter Feldmann, Jochen Gerz, John Hilliard, Roni Horn, Sven Johne, Ilya Kabakov, Jürgen Klauke, Louise Lawler, Floris M. Neusüss, Sigmar Polke, Richard Prince, Gerhard Richter, Klaus Rinke, Thomas Ruff, Cindy Sherman, Roman Signer, Erwin Wurm u.a. Die Geburtsjahre der Künstler reichen von 1921 (Joseph Beuys) bis 1976 (Seven Johne), die Entstehungszeiten ihrer Werke von 1965 (Floris M. Neusüss) bis 2009 (Sven Johne).

Zu sehen ist die Schau, die den Besucher mit einem überwältigenden „Blumenbukett“ im Eingangsbereich empfängt, vom 7. Mai bis 17. August 2013 im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main.

Die Ausstellung zur Konzeptkunst

Konzeptkunst nahm ihren Anfang in den ersten 20 Jahren des letzten Jahrhunderts. Marcel Duchamps, Mitbegründer der Konzeptkunst, forderte, dass die Kunst wieder im Sinne von Leonardo Da Vinci eine „cosa mentale“, eine Angelegenheit des Geistes, werde und nicht allein zu einem dekorativen Merkmal verkommt. Generell steht Konzeptkunst für verschiedene Kunstrichtungen, die den Gedanken und die Idee für die Bedeutung eines Kunstwerks als vorrangig erachten. Die Ausführung des Kunstwerks ist von untergeordneter Bedeutung und muss nicht durch den Künstler selbst erfolgen. Das Bildwerk soll lediglich das Konzept des Künstlers, das heißt den geistigen Vorgang, visualisieren, so dass vor allem vorbereitende Skizzen, Fotografien, Anleitungsnotizen, Texte oder Modelle gezeigt werden.

Ein prominenter Vertreter der Konzeptkunst ist der britische Künstler Darren Almond. Bei seinem großformatigen Landschaftstableau stehen die Komponenten Zeit und Licht im Zentrum. Aneinandergereiht sind die Aufnahmen eines Wasserfalls in Japan, die im zeitlichen Rahmen von 24 Stunden entstanden sind. Während das Wasser tagsüber die Klippen herunter stürzt, gefriert es über Nacht, und der Wasserfall erstarrt und taut am nächsten Morgen wieder auf. Der amerikanische Künstler Richard Prince, ein Vertreter der sogenannten Appropriation Art, wendet den Blick mit Bild-Text-Kompositionen in den Himmel. Der Fokus von Louise Lawler liegt auf Galerieräumen, Museen, Auktionshäusern und Lagerräumen und lenkt damit die Aufmerksamkeit auf die sozialen und politischen Mechanismen des Marktes, des Konsums und der markttechnischen Darbietung.

Mitarbeiterkommunikation war von Beginn an eine wichtige Intention der Sammlung. Die ausgestellten Arbeiten des amerikanischen Konzeptkünstlers Robert Barry sind Werke aus einer achtteiligen Serie, die im Rahmen eines Mitarbeiterprojekts im Auftrag der DZ BANK Kunstsammlung entstanden. Er fotografierte zunächst willkürlich Mitarbeiter der Bank und übermalte acht ausgewählte Gesichter im Anschluss mit Acryl-Tusche in jeweils unterschiedlichen Farben. Die Übermalungen sind nicht vollständig deckend, mal lässt ein Streifen die mittlere Partie des Gesichts deutlicher erscheinen, mal die Augenpartie. Thomas Ruff hingegen erstellte die Werkgruppe „andere Portraits“ mit Hilfe des „Minolta-Montage-Unit“, einem Fotomontagegerät, das in den 1970er Jahren unter anderem zur Herstellung von Phantombildern benutzt wurde. Mit Hilfe dieses Geräts lässt der Künstler jeweils zwei Porträts zu einem Bild verschmelzen, das er abfotografiert und als Vorlage für einen Siebdruck verwendet. Der amerikanische Künstler John Baldessari gibt in einer Foto-Text-Assemblage, die der Zahl Sechs eine bedeutende Rolle zuweist, vermeintlich Einblick in seinen Geist. Der bestehe aus sechs Kammern (oder Kameras), die wiederum aus vier bis sechs Möbelstücken bestehen: Filmstills, unter die der Künstler einen übersetzenden Kommentar geschrieben hat.

Nachdem Christian Boltanski Bekanntschaft mit dem Werk Karl Valentins gemacht hat, schuf er die „Komischen Einakter”, in denen er in jeweils vierteiligen Wort-Bild-Stücken Kindheitsszenen nachstellt, wobei jedes Mal er alle Rollen selbst besetzt: Vater, Mutter, Großvater und -mutter, Priester, Lehrer, und, selbstverständlich, der kleine Christian. Was einerseits für Belustigung sorgt, ist aber zugleich auch Begleitumstand der Kindheit: die Lust am Nachahmen und die Inkorporation äußerer Verhaltensweisen. Die Bild-Text-Collage des italo-amerikanischen All-Round-Künstlers Vito Acconci zeigt eine Interaktion zwischen Mann und Frau in zwei Schritten aus zwei Perspektiven und demonstriert damit männlichen Chauvinismus auf grammatikalischer Ebene.

Bei den „one minute sculptures“ von Erwin Wurm bleibt die Frage letztendlich offen, ob es sich wirklich um eine Skulptur oder eine Performance handelt, oder die Fotografie das Kunstwerk darstellt. Anna und Bernhard Johannes Blume werden in der Serie „Transzendentaler Konstruktivismus“ von merkwürdigen geometrischen Objekten angegriffen. Die Fotografien erinnern an Aufnahmen von spiritistischen Sitzungen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, auf denen schwebende Wesen in menschlicher Gestalt zu sehen waren.

Jürgen Klauke konzentriert sich in seinen Arbeiten auf die Konstruktion der gesellschaftlichen Geschlechterdifferenz. Er veranstaltet mit nachgebauten überdimensionierten primären Geschlechtsorganen ein Schauspiel, das von geschlechtlicher Selbstwahrnehmung und gesellschaftlicher Inszenierung handelt.

In seiner Arbeit „Deplazierung - zeitpunktueller Standortwechsel", die 1972 während der legendären documenta 5 unter der Leitung von Harald Szeemann entstanden ist, entfernt sich Klaus Rinke Stück für Stück von der aufgestellten Kamera in 19 Schritten mit je 15 Metern Abstand. Die Aktionen des Künstlers folgen einem stringenten Konzept, in dem er seine Vorführungen genau auf die Anordnung der Bilder hin komponiert und versucht, damit das Zeitliche darzustellen.

Die Tendenz von Konzeptkunst zur Performance einerseits und zur Dokumentation andererseits tritt auch in der Serie des Malers Gerhard Richter zutage, bei der jedoch das dokumentarische Element, die als Titel dienenden Datumsangaben, mehr Verwirrung stiften soll, als dass es zur Erklärung dient.

Präsentation von Neuankäufen

Erstmals in einer Ausstellung der DZ BANK Kunstsammlung gezeigt werden neu erworbene Werke von Darren Almond, Christian Boltanski, Hans-Peter Feldmann und Sven Johne. Darren Almond ist 1971 in England geboren. Er benutzt unterschiedliche Medien wie Fotografie, Film und Installation, um die abstrakten Themen Zeit, Raum und Erinnerung in konkrete Arbeiten zu übersetzen.

Der französische Künstler Christian Boltanski (Jg. 1944) ist seit Jahren in der DZ BANK Kunstsammlung vertreten. Bei der nun angekauften Serie bleibt Boltanski bei seinem favorisierten Thema, der Kindheitserinnerung.

Hans-Peter Feldmann (Jg. 1941) zählt zum Künstlertypus des emsigen Sammlers von Bildmaterial, das heißt von „Readymades”, das er neu arrangiert, womit er sinnverschiebend neue Kontexte um die einzelnen Bilder schafft. Diese Tätigkeit des Archivierens und Inventarisierens kommt auch in einer seiner bekanntesten Arbeiten „Alle Kleider einer Frau” zum Zuge.

Sven Johne wurde 1976 auf Rügen geboren. In seinem neu erworbenen Werk „Bilder der Stadt Vinh” setzt er sich in 12 Fotografien und 12 Texttafeln mit der nordvietnamesischen Stadt Vinh auseinander, die während des Vietnamkriegs zerstört und 1974 mit Unterstützung der DDR wieder aufgebaut wurde.


Weitere Informationen unter www.dzbank-kunstsammlung.de



„KONZEPT: 20 Jahre DZ BANK Kunstsammlung“

Vito Acconci, John Baldessari, Robert Barry, Joseph Beuys, Anna & Bernhard Blume, Christian Boltanski, Johannes Brus, Hans-Peter Feldmann, Jochen Gerz, John Hilliard, Roni Horn, Sven Johne, Ilya Kabakov, Jürgen Klauke, Louise Lawler, Floris M. Neusüss, Sigmar Polke, Richard Prince, Gerhard Richter, Klaus Rinke, Thomas Ruff, Cindy Sherman, Roman Signer, Erwin Wurm u.a.

Presseführungen am Freitag, 3. Mai, oder Montag, 6. Mai 2013, jeweils um 11 Uhr
mit Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung,

Eröffnung:        Montag, 6. Mai 2013, 19.00 Uhr
Begrüßung:      Wolfgang Kirsch, Vorsitzender des Vorstands der DZ BANK
Einführung:      Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung

Öffnungszeiten:
07.05.2013 – 17.08.2013
Di. – Sa. 11 bis 19 Uhr

Öffentliche Führungen:
Jeden letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr. Um Voranmeldung wird gebeten.
Telefon: +49 69 7447-2386 oder E-Mail: kunst@dzbank.de

DZ BANK Kunstsammlung - ART FOYER
Platz der Republik, 60325 Frankfurt/Main
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“

Ansprechpartner:
DZ BANK Pressestelle                                                        (Frau) Uli Kuhn
presse@dzbank.de                                                         uli.kuhn@ukuhn-consulting.de
Telefon: +49 69 7447-6561                                                Telefon: +49 178 322 0182
Telefax:  +49 69 7447-90309

Jürgen Klauke, Self-Performance, 1972 (Detail)

Hier finden Sie den Hintergrundtext zur Sammlung.