PRESSEMITTEILUNGEN 2013

07.08.2013

Bilder über die gewesene Wirklichkeit

JÖRG SASSE: ARBEITEN AM BILD
Die DZ BANK Kunstsammlung widmet dem Fotokünstler eine Einzelausstellung


"Was mich interessiert", sagt Jörg Sasse in einem Interview, "ist der Punkt, an dem das autonome Bild an der Wand mit dem Verweis auf die gewesene Wirklichkeit trifft. Der Punkt, an dem man meint, etwas erkannt zu haben, das sich im nächsten Moment jedoch wieder entzieht." In seinen Arbeiten hinterfragt der Künstler immer wieder das Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Fotografie, die Manipulierbarkeit derselben sowie die Wahrnehmung des fotografischen Bildes. Zum zweiten Mal zeigt die DZ BANK Kunstsammlung eine Soloausstellung des Künstlers. Seit den Anfängen der Sammlungstätigkeit vor zwanzig Jahren begleitet die DZ BANK das künstlerische Schaffen von Jörg Sasse und kauft kontinuierlich Arbeiten für die Sammlung hinzu.

Aus einer Auswahl von 52 Arbeiten aus dem Sammlungsbestand, die zwischen 1994 und 2013 erworben wurden, hat der ehemalige Meisterschüler von Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie seine eigene Ausstellung zusammengestellt, die unter dem Titel „JÖRG SASSE: ARBEITEN AM BILD“ im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main vom 30. August bis 9. November 2013 zu sehen sein wird.

1995 hat Jörg Sasse auf Einladung der DZ BANK ein Kunstprojekt mit Mitarbeitern durchgeführt. Er bat sie um private Urlaubfotos, von denen er eine Auswahl digital bearbeitete und damit eigenständige künstlerische Bilder schuf. „Ich war damals ohnehin auf der Suche nach Fotografien, die ich für meine Arbeit verwenden könnte“, erläutert Jörg Sasse das Projekt. „Da kamen mir die Urlaubsfotos der Mitarbeiter gerade recht.“ Dreiviertel der 17 Fotografien, die im Rahmen des Mitarbeiterprojekts entstanden sind, nahmen als eigenständige Arbeiten Einzug in das Werk des Künstlers.

Bekannt wurde der 1962 in Bad Salzuflen geborene Künstler Anfang der neunziger Jahre mit analog fotografierten Arbeiten von öffentlichen und privaten Interieurs, zum Beispiel in Schaufenstern und Wohnungen von Freunden. Durch kurze Distanz zu Objekten oder  architektonische Details entstanden reduzierte, fast abstrakte Kompositionen.

Seit Beginn der 90er Jahre dienen Jörg Sasse auch vorgefundene Amateurfotografien aus Nachlässen und von Flohmärkten als Ausgangspunkt für seine Arbeit am Bild. Analoge wie auch digitale Vorlagen, die aus allen Lebensbereiche stammen, werden am Computer bearbeitet. Sasse vollzieht damit durch unterschiedliche Eingriffe, von simpel bis komplex, eine Aneignung des Ausgangsmaterials. Dies kann durch die Wahl des Ausschnitts, neue oder veränderte Farbigkeit, das Schärfen oder Verunschärfen partieller Bildbereiche ebenso geschehen wie durch komplettes Herausarbeiten nicht benötigter Bildelemente, deren verbleibende Leerstellen dann wieder von Sasse neu gefüllt werden. Dabei entstehen autonome Bilder, die in ihrer Verbindung von Malerei und Fotografie, Abstraktion und Gegenständlichkeit Irritationen hervorrufen und mit Erinnerungen und Wahrnehmungsgewohnheiten spielen.

Eine starke formale Bestimmtheit der neu entstandenen Bilder steht dem ursprünglich Abgebildeten eigenständig gegenüber. Die visuelle Erwartungshaltung des Betrachters bricht sich an den Bildern Sasses, die sich einer gewohnten Zuordnung in Sehmustern entziehen. Einem verbalen Verständnis der hier beschriebenen „Tableaus“ helfen auch ihre Titel nicht weiter: sie bestehen aus zufällig generierten vierstelligen Zahlenfolgen.

Wenn der Künstler seine ausgewählten Vorlagen nur durch erste, kleinere Eingriffe verändert, entstehen die sogenannten „Skizzen“, von denen wiederum nur zehn bis fünfzehn pro Jahr zu aufwendig bearbeiteten „Tableaus“ werden. Jörg Sasse erläutert „Der Begriff Skizzen benennt jenen Teil meiner Arbeit, der im gesamten Prozess den größten Raum einnimmt. Nach der Recherche und dem Beschaffen oder dem eigenen Fotografieren folgt das Sichten des Materials. Dabei fällt die Entscheidung, welches Foto mit Hilfe des Rechners weiter bearbeitet wird. Die Ergebnisse dieser ersten, meist kurzen Bearbeitung sind die Skizzen. Einige wenige von ihnen dienen später als Ausgangsmaterial für die Tableaus.“

Jörg Sasse lebt und arbeitet in Berlin. Seine Arbeiten werden in internationalen Museen und Ausstellungen gezeigt und sind in bedeutenden Sammlungen vertreten. 2003 wurde er mit dem Cologne Fine Art-Preis für seine herausragende künstlerische Position gewürdigt.


DZ BANK Kunstsammlung
Im ART FOYER der DZ BANK veranstaltet die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank in Frankfurt am Main regelmäßig Ausstellungen. Die Bank verfügt über eine weltweit anerkannte Kunstsammlung zeitgenössischer Fotografie und visueller Medien mit rund 7000 Werken von über 700 Künstlern.


JÖRG SASSE: ARBEITEN AM BILD
30. August bis 9. November 2013
ART FOYER der DZ BANK

Presseführungen am Mittwoch, 28. August um 11 Uhr mit Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung
oder am Donnerstag, 29. August 2013 um 11 Uhr mit Jörg Sasse

Eröffnung:        Donnerstag, 29. August 2013 um 19 Uhr
Begrüßung:      Lars Hille, Vorstand der DZ BANK
Einführung:      Dr. Andreas Kreul, Direktor der Sammlung der Karin und Uwe Hollweg Stiftung, Bremen


Ansprechpartner:
DZ BANK Pressestelle                                                        (Frau) Uli Kuhn
presse@dzbank.de                                                         uli.kuhn@ukuhn-consulting.de
Telefon: +49 69 7447-6561                                                Telefon: +49 178 322 0182
Telefax:  +49 69 7447-90309

Weitere Informationen unter www.dzbank-kunstsammlung.de



DZ BANK Kunstsammlung - ART FOYER
Platz der Republik, 60325 Frankfurt/Main
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“

Öffnungszeiten:
Di. – Sa. 11 bis 19 Uhr

Öffentliche Führungen:
Jeden letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr. Um Voranmeldung wird gebeten.
Telefon: +49 69 7447-2386 oder E-Mail: kunst@dzbank.de

Jörg Sasse, LM-09-16, aus der Serie: Lost Memories, 2009 / (c) Jörg Sasse, VG BILD-KUNST Bonn, 2013