PRESSEMITTEILUNGEN 2013

12.12.2013

Privatanleger sehen Schuldenkrise nicht gelöst

Privatanleger mit mehr Börsen-Optimismus, aber ohne Euphorie / Risiken durch schwelende Schuldenkrise und Folgen der Notenbankpolitik im Blick / Aktien sind dennoch gefragter denn je / Ergebnisse des DZ BANK Anlegerindikators

Unter den Privatanlegern in Deutschland steigt die Zahl der Optimisten. Von der großen Börsen-Euphorie lassen sie sich aber nicht anstecken: Viele Anleger erwarten seitwärts laufende Kurse. Als Gefahr sehen die Anleger unter anderem das Wiederaufflammen der Schuldenkrise, deren Ursachen sie noch immer nicht als gelöst betrachten. Von der lockeren Geldpolitik der Notenbanken versprechen sie sich zwar vorübergehend weiteren Schub für die Aktienmärkte, rechnen aber mittelfristig auch mit Rückschlägen. Eindeutig positive Impulse sehen sie dagegen in der deutschen Wirtschaft, der sie gute Wachstumsaussichten bescheinigen. Vor diesem Hintergrund steigt das Interesse der Privatanleger an einer Aktienanlage auf ein neues Allzeithoch. Dies sind Ergebnisse des aktuellen DZ BANK Anlegerindikators, für den TNS Infratest über 1000 Privatanleger in Deutschland befragt hat. „Die Privatanleger erwarten zwar größtenteils ein gutes Aktienjahr 2014, trauen der Rallye aber auf lange Sicht noch nicht. Von einer ‚Milchmädchen-Hausse‘ sind wir damit weit entfernt. Im Gegenteil: Es scheinen sogar die Sorgen zu überwiegen, dass Schuldenkrise und Notenbankpolitik weitere Risiken bergen“, sagt Peter Schirmbeck, Leiter des Privatkundengeschäfts der DZ BANK.

In der DAX-Prognose der Privatanleger schlägt sich der vorsichtige Optimismus nieder: So rechnet ein Drittel für 2014 mit einem DAX-Stand zwischen 8.500 und 9.500 Punkten. Jeder Siebte prognostiziert sogar eine weitere Aufwärtsbewegung über die Marke von 9.500 Punkten hinaus. Ein weiteres Drittel erwartet jedoch, dass die Notierungen auf Stände zwischen 7.000 und 8.500 Punkten sinken. Allgemein nach den Chancen an den Aktienmärkten befragt, äußert sich ein Drittel der Befragten optimistisch. Damit ist der Anteil der Optimisten innerhalb der vergangenen sechs Monate um sechs Prozentpunkte gestiegen, gegenüber November 2012 hat er sich sogar mehr als verdoppelt. Die Zuversicht ist aber weiterhin deutlich vom bisherigen Höchststand entfernt: Im August 2010 äußerte sich mehr als die Hälfte der Privatanleger zuversichtlich.

Schuldenkrise noch nicht gelöst

Ein Hauptgrund für die Vorsicht der Anleger dürfte die weiter schwelende Schuldenkrise sein. So sind sieben von zehn Befragten überzeugt, dass die grundlegenden Probleme noch nicht gelöst sind und die Schuldenkrise jederzeit wieder aufflammen kann. Mehr als die Hälfte der Anleger ist sogar der Auffassung, dass die Schuldenkrise sich noch ausweitet und weitere Länder wie etwa Italien und Frankreich in finanzielle Schwierigkeiten geraten können. Dagegen glaubt nur jeder Dritte, dass die betroffenen Länder aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und nun auf dem richtigen Weg sind.

Expansive Geldpolitik birgt mittelfristig die Gefahr von Rückschlägen

Das Agieren der Notenbanken im Kampf gegen die Schuldenkrise beobachten die Anleger differenziert. Zwar ist die Hälfte der Befragten der Meinung, dass das billige Geld die Zinsen weiter tief halten und zunächst auch die Kurse an den Aktienmärkten weiter befeuern wird. Zugleich äußert aber ebenfalls die Hälfte der Privatanleger, dass sie die Politik der Zentralbanken auch für riskant hält und mittelfristig Rückschläge an den Märkten drohen. Dabei haben die Anleger Sorge, dass die Notenbanken den Zeitpunkt für den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik verpassen. Dass sie die Lage im Griff haben und rechtzeitig aus der expansiven Geldpolitik aussteigen, glaubt weniger als ein Drittel der Befragten.

Aufschwung in Deutschland, aber weniger Geld im Portemonnaie

Sehr zuversichtlich zeigen sich die Privatanleger dagegen für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Zwei Drittel rechnen mit einer steigenden Wirtschaftsleistung im Jahr 2014, nur ein Zehntel hält eine Rezession für wahrscheinlich. Allerdings rechnen die Anleger nicht damit, dass der Aufschwung sich in ihrem Geldbeutel bemerkbar macht. Mehr als die Hälfte der Befragten stellt sich darauf ein, als Folge der politischen Veränderungen durch die neue Bundesregierung künftig weniger Geld verfügbar zu haben. Mit mehr Geld in der Tasche kalkulieren dagegen lediglich sechs Prozent.

Interesse an Aktien so groß wie nie

Vor dem Hintergrund dieses Ausblicks verschieben sich auch die Präferenzen für Geldanlagen. Am stärksten in der Gunst der Anleger zulegen konnten Aktien. Für 31 Prozent der Befragten kommt eine Geldanlage in Aktien in Frage, was einem Zuwachs von vier Prozentpunkten innerhalb von sechs Monaten entspricht. Damit befindet sich das Interesse an Aktien nun auf einem neuen Allzeithoch. Tages- und Festgeld bleiben zwar unverändert die beliebteste Anlagekategorie, verlieren aber zugleich am deutlichsten: Nur noch 55 Prozent der Privatinvestoren ziehen diese Form der Geldanlage in Erwägung und damit sechs Prozentpunkte weniger als noch vor sechs Monaten (Mai 2013: 61 Prozent).

„Während das Zinsniveau anhaltend niedrig bleiben dürfte, ist das fundamentale Umfeld für Aktien ausgesprochen gut. Unser Research erwartet für 2014 ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent in Deutschland. Das wachsende Interesse der Privatanleger an einem Aktieninvestment reflektiert auch den Wunsch, an diesem Wirtschaftsaufschwung und der Steigerung der Unternehmensgewinne teilzuhaben“, sagt Peter Schirmbeck. „Zugleich haben die Anleger aber mögliche Kursschwankungen vor Augen und nennen daher Sicherheitsaspekte weiterhin als wichtigstes Kriterium bei der Geldanlage.“

Zertifikate mit Sicherheitspuffer steigen in der Gunst der Anleger

Der Wunsch nach einem risikoreduzierten Einstieg in den Aktienmarkt lässt sich an der Attraktivität der verschiedenen Formen von Zertifikaten bereits ablesen. So stieg zuletzt besonders das Interesse an Discount-Zertifikaten. Von denjenigen Anlegern, die eine Anlage in Zertifikaten in Erwägung ziehen, sieht nun rund ein Viertel diese Produkte als attraktiv, nachdem es im Juni dieses Jahres 18 Prozent waren. Doch auch Express-Zertifikate, Bonus-Zertifikate und Garantie-Zertifikate legten zu. Letztere werden nunmehr von 50 Prozent (zuvor: 46 Prozent) der Zertifikate-Interessenten als attraktiv eingeschätzt und sind damit unverändert beliebteste Zertifikate-Kategorie. Index-Zertifikate als Produktkategorie ohne Sicherheitspuffer entwickeln sich dagegen im Anlegerinteresse rückläufig und liegen nun bei 29 Prozent (Juni 2013: 34 Prozent).

Viele Anleger wollen „auf Sicht fahren“

Ungeachtet der veränderten Produktpräferenzen verhalten sich die Anleger derzeit jedoch insgesamt eher abwartend. So gibt ein Drittel der Befragten an, mit Blick auf die Entwicklungen im kommenden Jahr bisher keine konkrete Anlageplanung zu machen. Diese Anleger wollen stattdessen „auf Sicht fahren“. Ein weiteres Drittel berücksichtigt die Aussichten aktuell noch gar nicht in seinen Entscheidungen. Einen genauen Plan für die Anlagestrategie im nächsten Jahr entwickelt oder sogar bereits Veränderungen vorgenommen hat insgesamt erst jeder Fünfte. Immerhin noch jeder Sechste hat einen groben Plan, wie er im kommenden Jahr sein Geld anlegen möchte. „Es kann zwar ein Vorteil sein, zum Beispiel günstige Einstiegskurse am Aktienmarkt abzuwarten. Doch Anleger tun gut daran, sich bereits jetzt mit den Handlungsmöglichkeiten zu beschäftigen. Hierbei sind auch die Banken gefordert, im Beratungsgespräch geeignete Optionen aufzuzeigen“, sagt Schirmbeck.

Die Daten wurden im November 2013 im Rahmen einer telefonischen Umfrage von TNS Infratest erhoben. Die Stichprobe von 1014 ist repräsentativ für anlage-affine Personen in der deutschen Bevölkerung ab 18 Jahren.

Grafiken finden Sie in der anhängenden Datei.

DZ BANK Anlegerindikator - Presseinformation vom 12. Dezember 2013