PRESSEMITTEILUNGEN 2011

02.05.2011

Geschäftslage des Mittelstands auf 15-Jahres-Hoch

XXL-Aufschwung hat auch nach Japan-Katastrophe nicht an Kraft verloren / Wirtschaftliche Lage und Erwartungen bei mittelständischen Unternehmen erneut verbessert / Jedes dritte Unternehmen plant Personalaufbau / Für jeden vierten Mittelständler ist Asien eine wichtige Zielregion / DZ BANK Mittelstandsumfrage

Der XXL-Aufschwung trägt noch: Die Geschäftslage des deutschen Mittelstands ist aktuell so gut wie noch nie in den vergangenen 15 Jahren. Dies zeigt die Frühjahrs-Mittelstandsumfrage der DZ BANK, bei der 1.500 Unternehmen über ihre wirtschaftliche Situation und Erwartungen befragt wurden. Die Umfrage wurde nach den Vorfällen in Japan durchgeführt. Demnach hat sich die Lage der mittelständischen Unternehmen trotz der Katastrophe in Japan im Vergleich zur Herbstumfrage 2010 sogar noch einmal verbessert. Auch ihre Geschäftsaussichten beurteilen die Befragten optimistischer. Jedes dritte Unternehmen will bis zum Herbst neues Personal einstellen, nur jedes 20. will Personal abbauen. Damit liegt auch der Saldo der Beschäftigungserwartungen auf dem höchsten Stand, den die DZ BANK jemals in der seit 1996 halbjährlich durchgeführten Umfrage ermittelt hat. Diese zeigt zudem die hohe Bedeutung des Auslandsgeschäfts für den Mittelstand. Über die Hälfte aller Unternehmen verfügt über Auslandsaktivitäten. Einen erheblich höheren Stellenwert als die USA hat für sie dabei inzwischen der asiatische Raum.

Konkret schätzen zurzeit 86 Prozent aller Mittelständler ihre Geschäftslage als gut bzw. sehr gut ein. Vor sechs Monaten waren 80 Prozent der Unternehmen mit ihrer Lage zufrieden gewesen. Auffällig ist, dass der Aufschwung an Breite gewonnen hat. Während im Vorjahr vor allem noch die exportorientierten Unternehmen ihre Geschäftslage nach der tiefsten Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunehmend positiver beurteilt hatten, haben inzwischen auch die auf den Inlandsmarkt fokussierten Mittelständler nachgezogen. „Mittlerweile schätzen die auf das Inland ausgerichteten Unternehmen ihre Lage ähnlich gut ein wie die Mittelständler aus exportorientierten Sektoren. Damit partizipiert der Mittelstand in seiner ganzen Breite von dem momentan sehr starken gesamtwirtschaftlichen Wachstum“, betont Hans-Theo Macke, der für das Mittelstandsgeschäft zuständige Vorstand der DZ BANK. „Auffallend ist zudem, dass auch negative Einflüsse, wie die Katastrophe in Japan und die Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank, die positive Stimmung offensichtlich nicht getrübt haben.“

Dies zeigt sich auch in den Geschäftserwartungen der Unternehmen. Obwohl die Firmen bereits auf einem sehr hohen Niveau agieren, erwarten lediglich 7 Prozent von ihnen in den kommenden sechs Monaten eine Verschlechterung ihrer Situation. Dagegen blickt rund die Hälfte der Unternehmen optimistisch in die Zukunft und rechnet mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten. Dabei schätzen aktuell vor allem Unternehmen aus binnenmarktorientierten Branchen wie dem Agrar- und dem Ernährungssektor sowie der Bauwirtschaft ihre Zukunft optimistischer ein als noch im Herbst 2010. In der exportorientierten Elektroindustrie hat die Zahl der Betriebe, die eine weitere Verbesserung der Lage erwarten, abgenommen.

Saldo der Beschäftigungserwartungen auf Rekordniveau

Die insgesamt sehr positiven Erwartungen spiegeln sich auch in den Personalplanungen der Unternehmen wider. Nachdem die Beschäftigungserwartungen vor einem Jahr erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise wieder ins Plus gedreht hatten, wollen inzwischen 30 (Herbst 2010: 23) Prozent der Mittelständler innerhalb der nächsten sechs Monate Personal aufbauen. Einen Personalabbau planen nur 4 (9) Prozent der Unternehmen. Der Saldo der Beschäftigungserwartungen ist damit auf 26 Prozentpunkte gestiegen. Dies ist der höchste Wert seit 1996, dem Jahr, in dem die DZ BANK die Mittelstandsumfrage erstmals durchgeführt hat.

Die Breite des Wirtschaftsaufschwungs wird zudem dadurch belegt, dass die Beschäftigungserwartungen branchenübergreifend gestiegen sind. Besonders ausgeprägt sind die Personalaufbau-Pläne bei den großen Mittelständlern mit mehr als 200 Beschäftigten. 43 Prozent dieser Unternehmen wollen innerhalb des nächsten halben Jahres ihren Personalbestand ausbauen.

„Die Ergebnisse untermauern unsere Konjunkturprognose: Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem soliden Aufschwung, der auch noch einige Zeit tragen und in diesem Jahr zu einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um fast 3 Prozent führen wird. Allerdings steigen auch die Inflationsrisiken. Die Zeit, in der die Inflation auch ohne Zutun der Wirtschaftspolitik klar unter 2 Prozent blieb, ist vorbei“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ BANK.

Die Inflationsrisiken spiegeln sich dabei in den Preissteigerungserwartungen der Unternehmen wider. Diese sind ebenfalls auf einen Rekordwert gestiegen. 40 Prozent de Befragten kalkulieren aktuell mit steigenden Absatzpreisen in den nächsten sechs Monaten. Im Herbst 2010 hatten nur 31 Prozent mit höheren Preisen gerechnet, im Herbst 2009 waren es sogar nur 12 Prozent gewesen. Sinkende Absatzpreise erwarten zurzeit nur 6 Prozent der Firmen.

Über die Hälfte der Mittelständler mit Auslandsaktivitäten

Dass die Globalisierung der Weltwirtschaft im deutschen Mittelstand Realität ist, zeigt der hohe Anteil an Unternehmen mit Auslandsaktivitäten. In der aktuellen Umfrage gaben rund 53 Prozent der Betriebe an, im Ausland geschäftlich engagiert zu sein. Erheblich höher ist der Anteil der Unternehmen mit Auslandsgeschäft in den traditionell exportlastigen Branchen Chemie, Metall und Elektro. Er erreicht hier jeweils nahezu 80 Prozent. Auch der Handel ist mehrheitlich im Ausland tätig. Zunehmend drängen auch die kleinen Unternehmen in das internationale Geschäft. Inzwischen verfügt jedes dritte Unternehmen mit weniger als 5 Millionen Euro Umsatz über eigene Auslandsaktivitäten.

Asien rückt zunehmend in den Fokus

Dabei entwickeln sich China und Südostasien zunehmend zu wichtigen Zielmärkten für den gesamten deutschen Mittelstand. Zwar definierten 64 Prozent bzw. 44 Prozent aller befragten Unternehmen Westeuropa sowie Mittel- und Osteuropa als strategisch bedeutsame Zielzonen – und bestätigen damit die Bedeutung dieser traditionellen deutschen Auslandsmärkte –, aber immerhin jeweils rund ein Viertel der Mittelständler sieht diese auch in China und Südostasien. Damit sind diese Regionen für den deutschen Mittelstand inzwischen ähnlich wichtig wie Nordeuropa (24 Prozent) und sogar signifikant wichtiger als die USA. Diese wird nur von 17 Prozent als strategisch bedeutsame Zielzone erachtet. „Dies bestätigt die Einschätzung, dass nennenswerte Wachstumsimpulse für den deutschen Mittelstand nicht mehr in erster Linie in dem überwiegend gesättigten Wirtschaftsraum Westeuropa zu finden sind, sondern zunehmend in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Dabei bleibt China für die Unternehmen zwar wichtig, die anderen asiatischen Regionen wie Indien dürften aber an Bedeutung gewinnen“, sagt Macke.

Die hohe Bedeutung Asiens zeigen auch andere Umfrageergebnisse. So hat die Region für jeden fünften Mittelständler einen hohen Stellenwert bei der strategischen Zukunftsplanung des Unternehmens. Und bereits in Asien engagiert sind rund 28 Prozent der Unternehmen. Dabei sind die Aktivitäten äußerst vielfältig: 71 Prozent dieser Unternehmen exportieren direkt Waren in den dortigen Wirtschaftsraum und 45 Prozent importieren direkt aus Asien. 37 Prozent haben eine Vertriebstochter vor Ort, 21 Prozent eine Produktionsstätte in Asien und immerhin 19 Prozent verfügen über ein Joint Venture.

Die Daten wurden in der Zeit vom 14. März bis 6. April 2011 im Rahmen einer telefonischen Umfrage von Utilitas GmbH, Darmstadt, und nhi2 AG, Bonn, erhoben. Die Stichprobe von 1.500 ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Weitere Informationen unter http://www.mittelstandsstudie.de.