PRESSEMITTEILUNGEN 2010

12.04.2010

„Bella Italia!“ - Das ART FOYER der DZ BANK zeigt italienische Fotografiekunst aus der DZ BANK Kunstsammlung

Wer den Begriff „Bella Italia“ googelt, bekommt unter einer Million Treffern annähernd 20.000 Pizzerien in Deutschland genannt. Camping am Gardasee führt die Hitliste an, Eros Ramazzotti ist nicht weit entfernt. Einst war es Goethe, den die Sehnsucht in das Land trieb, wo die Zitronen blühen, gefolgt von den Dichtern, Malern und Musikern der Romantik. 1874 komponierte Johann Strauß Sohn einen Walzer „Bella Italia“, später besang der Schlager die legendären Capri-Fischer oder zwei kleine Italiener, die gern zu Hause sein wollten. Insgesamt reichlich Stoff für die Stereotypen, die bis heute die Touristenströme von Bozen bis Palermo in Bewegung halten.

Für die DZ BANK Kunstsammlung bietet die Schönheit Italiens den Anlass, unter dem Titel „Bella Italia!“ in ihrem ART FOYER in Frankfurt am Main eine Auswahl von Werken aus den Beständen der Sammlung zu präsentieren. Die Ausstellung ist die erste seit langem in Deutschland, die einen Überblick über die künstlerische Fotografie aus Italien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermittelt. Vom 27. April bis 24. Juli 2010 werden rund 100 Arbeiten von acht Künstlern gezeigt.

Bereits in den frühen 1990er Jahren wurde begonnen, für die DZ BANK Kunstsammlung zentrale Positionen der italienischen Fotografiekunst zu sammeln. Darunter befinden sich wegweisende Künstler wie etwa Gabriele Basilico, Pietro Donzelli, Franco Fontana, Luigi Ghirri, Mario Giacomelli und Guido Guidi, die neben den Deutschen Axel Hütte sowie dem Künstlerduo Maik und Dirk Löbbert im ART FOYER vertreten sind.

„Diese Künstler haben ein nachhaltiges Bild Italiens geprägt, ähnlich wie die neorealistischen Filme der 1940er und 1950er Jahre oder das italienische Kino späterer Zeiten. Von Donzelli oder Ghirri zum Beispiel gab es hierzulande keine Arbeiten, bevor wir sie ankauften. Wir wollen das vordergründige Klischee von „Bella Italia“ in dieser Schau in Augenschein nehmen“, erläutert die Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung, Luminita Sabau.

Eine alte Zeit, Mythen und Erzählungen, mit technischen Mitteln in die Gegenwart zu überführen, bestimmte das Lebenswerk von Pietro Donzelli (1915-1998), der in den Fünfzigern im Delta del Po eine inspirierende Quelle für seine Motive fand. Die weitere Schwarz-Weiß-Serie Terra senz’ ombra (1954) sowie Einzelarbeiten in der Ausstellung thematisieren die Spannung zwischen ländlicher Archaik und städtischer Moderne.

Für Mario Giacomelli (1925-2000) bedeutete die 1957 bis 1959 entstandene Schwarz-Weiss-Serie Scanno von Bewohnern des Bergdorfes in den Abruzzen den internationalen Durchbruch. Zwischen Dokumentation und surrealistischer Anmutung changiert der Zyklus Il mare dei miei racconti von 1984. Giacomellis Bilder befinden sich heute in den Sammlungen der größten Museen der Welt.

Die Aufnahmen von Luigi Ghirri (1943-1992) entwickeln eine unspektakuläre Stille. Als Zeugnisse einer Suche nach der ordnenden Funktion des Sehens stehen seine Farbfotografien bewusst im Gegensatz zum verbreitet sentimentalen Italienbild. Einen Höhepunkt unter den späten Interieurs des in der Emilia-Romagna beheimateten Künstlers bildet die 1989 entstandene Sequenz Atelier Morandi, deren Atmosphäre den Maler Giorgio Morandi an seiner Arbeitsstätte in Bologna zu vergegenwärtigen scheint.

Die Paesaggi, die Franco Fontana seit Mitte der 1970er Jahre in starker Farbigkeit schuf, wirken oft wie abstrakte Kompositionen, obwohl es sich klar um Landschaften handelt. Der 1933 in Modena geborene Künstler löst seine Motive aus ihren räumlichen und funktionalen Zusammenhängen. Der Ausschnitt wird dabei so prägnant isoliert, dass die Ansicht ihre herkömmliche Bedeutung verliert.

Gabriele Basilico,1944 in Mailand geboren, zählt zu den bedeutendsten Dokumentaristen urbaner Landschaften in Europa. Für seine Bildfolge Porti di Mar erhielt der Architekt und Fotograf 1990 in Paris den "Grand Prix du Mois de la Photo". Auf beeindruckende Weise macht der Künstler deutlich, wie in gebauten Hafenlandschaften die Trennung zwischen Wasser und Land in den Hintergrund tritt. Im Auftrag des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main beschäftigte sich Basilico auch mit dem Frankfurter Osthafen.

Ebenfalls von Hafenanlagen beherrschter Industriekultur widmete sich der 1941 geborene Fotograf Guido Guidi im norditalienischen Marghera Anfang der 1990er Jahre. Der teils in Unschärfen gehaltene Werkzyklus porträtiert den auf dem Festland gelegenen Stadtteil Venedigs, der mit dem benachbarten Mestre als die "hässliche Schwester" der Lagunenstadt bezeichnet wird.

Die externe Sicht auf Eigenheiten Italiens repräsentieren deutsche Künstler der Nachkriegsgeneration. Großformatige italienische Landschaften des Becher-Schülers Axel Hütte (geb.1951 in Essen) von 1992 lassen den Betrachter in flächigen Weiten, jedoch täuschender Ursprünglichkeit verweilen.

Ein wenig Ironie mischt sich in die Wahrnehmung von Maik (geb.1958 in Gelsenkirchen) und Dirk (geb. 1960 in Wattenscheid) Löbbert. Die in Köln gemeinsam tätigen Brüder versehen Schwarz-Weiß-Fotografien von Kulturdenkmälern nachträglich mit farbigen geometrischen Elementen, etwa in der Arbeit St. Gimignano I aus dem Jahr 1996.

Im ART FOYER DZ BANK veranstaltet die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank in Frankfurt am Main regelmäßig Ausstellungen. Die Bank verfügt über eine weltweit anerkannte Sammlung zeitgenössischer Fotografie und visueller Medien mit mehr als 6000 Werken von über 600 Künstlern.

Bella Italia!
Gabriele Basilico, Pietro Donzelli, Franco Fontana, Luigi Ghirri, Mario Giacomelli,
Guido Guidi, Axel Hütte, Maik und Dirk Löbbert

Pressevorbesichtigung: Dienstag, 27.04.2010, 18.00 Uhr
mit Prof. Peter Weiermair, Kurator und Verleger, Frankfurt am Main / Innsbruck,
Direktor 1980-1998 des Frankfurter Kunstvereins, 1998-2001 der Salzburger
Sammlung Rupertinum, 2001-2007 der Galleria d’Arte Moderna in Bologna,
und Luminita Sabau, Leiterin der DZ BANK KUNSTSAMMLUNG

Eröffnung: Dienstag, 27.04.2010, 19.00 Uhr
Begrüßung: Thomas Ullrich, Mitglied des Vorstandes der DZ BANK
Einführung: Prof. Peter Weiermair, Kurator und Verleger, Frankfurt am Main / Innsbruck

Öffnungszeiten:
28.04.2010 – 24.07.2010
Di. – Sa. 11 bis 19 Uhr

Öffentliche Führungen:
Jeden letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr. Um Voranmeldung wird gebeten.
Telefon: +49 69 7447-2386 oder E-Mail: kunst@dzbank.de

Veranstaltung:
28.05.2010, 19.00 Uhr
DZ BANK KUNSTSAMMLUNG
ART FOYER
Vortrag „Fondazione Studio Marangoni“
Martino Marangoni, Fotograf und Leiter Fondazione Studio Marangoni, Florenz
Im Rahmen der Sommerakademie des Fotografie Forum Frankfurt
Vortrag in englischer Sprache


DZ BANK KUNSTSAMMLUNG
ART FOYER
Platz der Republik, 60265 Frankfurt/Main
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“