PRESSEMITTEILUNGEN 2010

11.01.2010

"Niemandsland" - Das ART FOYER zeigt Fotografien von Inge Rambow aus der DZ BANK Kunstsammlung

Endlose Weiten, bizarre Landschaften, prachtvolle Formen, phantastische Farben; und doch ist all der Augenschmaus nur Schein. Die Aufnahmen von Inge Rambow führen vor, was geschieht, wenn Menschen zerstörerische Kräfte auf die Natur ausüben.

Inge Rambows Fotografien verweisen auf komplexe Zusammenhänge, die zum zweiten Hinsehen zwingen. Gelegenheit dazu bietet die Ausstellung „Niemandsland“ im ART FOYER der DZ BANK in Frankfurt am Main vom 20. Januar bis 17. April 2010. Die Retrospektive umfasst rund 50 Arbeiten aus allen Schaffensphasen der Künstlerin.

„Der Begriff ‚Niemandsland’ symbolisiert eine besonders unwirtliche Gegend. Wie ein roter Faden durchzieht die Thematik Inge Rambows Fotografien, die wir seit den 1990er Jahren kontinuierlich für unsere Kunstsammlung angekauft haben. Wir zeigen das herausragende Konvolut in unserer Reihe monographischer Ausstellungen im ART FOYER der DZ BANK und ehren die bedeutende Künstlerin, die in Frankfurt zu Hause ist, anlässlich ihres 70. Geburtstages“, erläutert Sammlungsleiterin Luminita Sabau.

Bestimmt wird das vielschichtige Werk von großformatigen Serien. Als die Mauer fiel, führten Erkundungen Ostdeutschlands „sehr bald zur weitesten Reise, die ich je gemacht habe“, sagt Inge Rambow. „Mich interessiert eine Darstellung von Landschaften, die durch die Dimension ihrer Vergangenheit, oder aber als Zukunftsdenkmal weit über die unmittelbar lesbare Gegenwart hinausreichen.“

Inge Rambows fotografische Sequenzen übertragen Momente in geschichtliche Vorgänge. Spuren vom gigantischen Ausmaß des Braunkohle-Tagebaus in der ehemaligen DDR mündeten in das von 1991 bis 1994 realisierte Projekt „Wüstungen“. Mit der Plattenkamera dokumentierte Inge Rambow bei Schkopau und im Umkreis von Leipzig die Ödnis riesiger, vegetationsloser Industriebrachen. Kahle, von Canyons durchzogene Hügelketten, Ebenen oder Gewässer im Spiel von Licht und Schatten täuschen unberührte, lediglich vom fernen Horizont begrenzte Gebiete vor.

Noch radikaler hinterfragt Inge Rambow die zeitgenössische Landschaftsfotografie mit ihrer 1994-95 entstandenen Arbeit „Lunar Baedeker Buna“, die den Kern der Serie „Wüstungen“ bildet. Seit der Gründung der chemischen Fabrik Buna nahe Leuna zwischen Halle und Merseburg 1936 durch die Nationalsozialisten wurden die Ausflüsse der Produktion von synthetischen Stoffen auf einer riesigen Deponie bis 1990 abgelagert. Giftmülltempel, schillernde Verkarstungen und der Morast ökologischer Destruktion lieferten Inge Rambow Motive von bestechendem Reiz. Ohne jegliche Nachbearbeitung hochglänzend auf Cibachrome aufgezogen, entfalten die Bilder eine schaurig-surreale Ästhetik.

Zwischen 2000 und 2006 legte Inge Rambow auf mehreren ausgedehnten Reisen durch Russland Zigtausende Kilometer mit dem Auto zurück. Zwischen dem Kaukasus und dem Ural fand sie den Zerfall von Architektur, Technikwahn und Symbolen der Macht. Die noch unvollendete Auswertung dieser fotografischen Bestandsaufnahme will die Künstlerin zu einer Landkarte präziser Erinnerungen und Imaginationen anwachsen lassen. Im ART FOYER der DZ BANK werden Beispiele vorgestellt.

An ein in Nebel gehülltes, scheinbares Paradies erinnert der Schwarz-Weiß-Zyklus „Heinzenberg“, der die Ausstellung abschließt. Mit der 1974-75 entstandenen Serie erzählt Inge Rambow vom Landleben mit Enten, Schweinen und Schafen auf dem Gelände eines stillgelegten Bahnhofs im hessischen Taunus. Doch auch diese Idylle trügt. Was am Ende bleibt, sind Kälte und Frost.

1940 in Marienburg geboren und im Schwarzwald aufgewachsen, lebt und arbeitet Inge Rambow seit 1968 in Frankfurt am Main, wo sie auch als Theaterfotografin tätig war. Ihre Werkreihen sind in internationalen Sammlungen, Museen und Ausstellungen präsent. Inge Rambow erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Maria Sibylla Merian Preis des Landes Hessen.

Im ART FOYER DZ BANK veranstaltet die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank in Frankfurt am Main regelmäßig Ausstellungen. Die Bank verfügt über eine weltweit anerkannte Sammlung zeitgenössischer Fotografie und visueller Medien mit mehr als 6000 Werken von über 600 Künstlern.

Inge Rambow
Niemandsland

Pressevorbesichtigung: Dienstag, 19.01.2010, 18.00 Uhr
mit Luminita Sabau, Leiterin der DZ BANK KUNSTSAMMLUNG
Die Künstlerin ist anwesend

Eröffnung: Dienstag, 19.01.2010, 19.00 Uhr
Begrüßung: Thomas Ullrich, Mitglied des Vorstandes der DZ BANK
Einführung: Dr. Hubert Beck, Kunstkritiker, Frankfurt am Main

Öffnungszeiten:
20.01.2010 – 17.04.2010
Di. – Sa. 11 bis 19 Uhr

Öffentliche Führungen:
Jeden letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr. Um Voranmeldung wird gebeten.
Telefon: +49 69 7447-2386 oder E.Mail: kunst@dzbank.de

DZ BANK KUNSTSAMMLUNG
Art Foyer
Platz der Republik, 60265 Frankfurt/Main
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“