NEWS-ARCHIV

13.11.2018

DZ BANK Research - Ausblick 2019

Aufschwung neigt sich dem Ende zu / „Langsamer Sinkflug statt harte Landung“ / EZB hinkt bei der geldpolitischen Wende hinterher / DAX erreicht 13.300 Punkte

Geopolitische Unsicherheit dämpfen das Wachstum der globalen Wirtschaft. Insbesondere der Handelskonflikt zwischen den USA und China trübt die Investitionsfreude ein – inzwischen auch bei Unternehmen in Deutschland. Dementsprechend geht die hiesige Wirtschaft mit spürbar geringerer Dynamik in das zehnte Wachstumsjahr in Folge. Ungemach droht der Wirtschaft auch von den zunehmenden Spannungen innerhalb Europas, unter anderem durch Uneinigkeiten in der Haushaltspolitik sowie durch den bevorstehenden Brexit. Die EZB setzt vor diesem Hintergrund ihren zögerlichen geldpolitischen Kurs fort und lässt eine Anhebung des Einlagezinses erst im Herbst 2019 erwarten. Die Geldpolitik bleibt auch danach sehr expansiv. Die Aktienmärkte werden in diesem Umfeld kräftig schwanken, jedoch im Jahresverlauf Zuwächse verzeichnen. Der DAX steigt auf 13.300 Punkte bis Ende 2019. Diese Prognosen stellten die Experten des DZ BANK Research heute in Frankfurt vor.

Die Weltwirtschaft wird nach Einschätzung der DZ BANK-Volkswirte im Jahr 2019 stabil um 3,6 Prozent wachsen (Prognose 2018: 3,6 Prozent). Zum Jahresauftakt 2018 haben – nach der kräftigen Dynamik im vergangenen Jahr – eine ganze Reihe von geopolitischen Unsicherheiten die Weltkonjunktur gebremst, allen voran die von der US-Regierung ausgehenden internationalen Handelskonflikte. Während derzeit vor allem der Warenverkehr mit China im Fokus steht, dürfte 2019 auch der transatlantische Freihandel ins Visier des US-Präsidenten geraten, erwartet DZ BANK-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier: „Wir rechnen hier immer wieder mit Konflikten oder zumindest verbalen Eskalationen. Folgerichtig werden sich immer mehr exportstarke Firmen in andere Richtungen als in die USA orientieren, etwa nach Asien.“ Unterdessen läuft die Binnenkonjunktur der USA auf Hochtouren und wird durch den finanzpolitischen Stimulus der Steuerreform noch zusätzlich befeuert. Dies und die schrittweise Erhöhung der US-amerikanischen Leitzinsen führen zu Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern, was den USA nützt, jedoch für die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer ein Risiko darstellt. Besonders in hoch verschuldeten Ländern wie der Türkei und Argentinien kam es bereits zu Währungskrisen.

Deutschland: Wachstum und Exportüberschuss gehen zurück

Die DZ BANK-Volkswirte erwarten jedoch nicht, dass es im kommenden Jahr zu tatsächlichen Begrenzungen für den Freihandel kommt. „Letztlich sollte sich nach allen verbalen Scharmützeln die Erkenntnis durchsetzen, dass bei Handelskonflikten alle Seiten am Ende als Verlierer dastehen. Zwar werden die Unternehmen verunsichert, doch faktische Handelsbeschränkungen werden die Ausnahme bleiben. Unter dieser Voraussetzung erwarten wir eine zwar etwas verlangsamte, aber doch weiter expandierende Nachfrage nach deutschen Exportgütern“, erklärt Stefan Bielmeier. Die Wachstumsraten dürften bei den Exporten 2019 ähnlich wie 2018 bei rund 3 Prozent liegen. Die Importe dürften aufgrund der stabilen Binnenkonjunktur mit einer Wachstumsrate von rund 4,5 Prozent etwas stärker zulegen. Im Ergebnis wird der häufig kritisierte deutsche Außenhandelsüberschuss demnach leicht zurückgehen.

Das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik wird derweil im Jahr 2019 weiter ansteigen, jedoch mit einem gegenüber dem laufenden Jahr gebremsten Tempo. Insgesamt erwarten die Volkswirte der DZ BANK für das Gesamtjahr 2018 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,7 Prozent. Für 2019 prognostizieren sie eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 1,4 Prozent. „Die deutsche Wirtschaft ist in einen langsamen Sinkflug übergegangen, aber die harte Landung bleibt aus. Deutschland geht 2019 ins zehnte Jahr des Wirtschaftsaufschwungs“, erklärt Stefan Bielmeier.

Euro-Raum sucht politischen und wirtschaftlichen Zusammenhalt

Betrachtet man den gesamten Euro-Raum, so zeichnet sich schon seit dem Schlussquartal 2017 eine Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik ab. Die aktuellen Ergebnisse des Euro-Indikators der DZ BANK deuten vielmehr darauf hin, dass sich die EWU-Konjunktur 2019 weiter abschwächen könnte. Die Wachstumsunterschiede innerhalb der Euro-Zone bleiben groß, mit ehemaligen Krisenländern wie Irland und Spanien als Spitzenreitern und Italien als Schlusslicht. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Entwicklung der Staatsverschuldung sowie bei der Jugendarbeitslosenquote. „Die wirtschaftliche und fiskalpolitische Situation geht innerhalb des Euro-Raums immer weiter auseinander. Dadurch gerät das gesamte Gefüge der Währungsunion unter steigende Spannung“, sagt Stefan Bielmeier. Er sieht im Zusammenspiel der schwierigen Brexit-Verhandlungen und wirtschaftlichen Problemen einzelner Euroländer ein erhebliches Risiko. „Der Euro-Raum braucht einen stärkeren Zusammenhalt. Um nicht zwischen hausgemachten Problemen und Herausforderungen von außen aufgerieben zu werden, müssen Regeltreue und gemeinsame Werte wieder wirksamer durchgesetzt werden.“

EZB setzt ihren geldpolitischen Kurs fort, hinkt aber der FED hinterher

Trotz der zahlreichen Spannungsfelder – Brexit, Budgetstreit in Italien, US-Handelskonflikt – betrachten die EZB-Währungshüter die Risiken für den Konjunkturausblick nach wie vor als ausgeglichen – und behalten ihren Kurs der sehr vorsichtigen geldpolitischen Straffung bei. Gegenwärtig gehen die DZ BANK Research-Experten davon aus, dass die Notenbank zum Ende des Jahres die Anleihekäufe (netto neu) beenden wird. Erst mit Blick in Richtung Herbst 2019 deuten die Markterwartungen auf einen moderaten Anstieg des Einlagesatzes hin. Vieles spreche für eine Anhebung des Einlagesatzes um 15 Basispunkte auf minus 0,25% in knapp einem Jahr. „Mit diesem ersten behutsamen Schritt wird die EZB den langen Marsch in Richtung geldpolitischer Normalität beginnen. Sie wird sich und die Wirtschaft des Euroraums nur sehr langsam aus ihrer selbst geschaffenen Zwickmühle befreien“, sagt Bielmeier. Ein erster „richtiger“ Zinsschritt ist erst zum Ende des Jahres 2019 mit einer Erhöhung des Leitzinses von 0 auf 0,25 Prozent absehbar.

„Wir erwarten, dass die EZB-Geldpolitik auch nach dem Ende des Anleihekaufprogramms und ersten Leitzinserhöhungen Ende 2019 sehr expansiv bleibt. Damit halten auch die negativen Folgewirkungen in Bankbilanzen und auf Sparkonten an“, meint Stefan Bielmeier. Als problematisch könne sich erweisen, dass die EZB der US-Notenbank FED in ihrem Ausstiegskurs hinterherhinke. Diese Unwucht könne Spannungen und Schwankungen auf den Devisenmärkten auslösen.

„Aktienmärkte auf holperigem Aufwärtspfad“

Für Investoren im deutschen Aktienmarkt dürfte – gemessen an der Entwicklung des DAX – im Jahr 2018 erstmals seit dem Jahr 2011 wieder ein Minus zu Buche stehen. Allerdings war die Gewinnentwicklung 2018 auch von diversen negativen Sondereffekten bei den DAX-Unternehmen geprägt, beispielsweise im Automobilsektor oder bei den Energieversorgern. Die Gewinne der Firmen werden 2019 nach Einschätzung der DZ BANK-Analysten wieder zunehmen. Gewinnsteigerungen um rund fünf Prozent erscheinen realistisch, auch für den europäischen Leitindex Euro Stoxx 50. Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ BANK, sieht den DAX Ende des nächsten Jahres bei 13.300 Punkten, den Euro Stoxx 50 bei 3.550 Punkten. „Die jüngste Korrektur war übertrieben. Zwar wird es in den nächsten Monaten immer wieder zu stärken Schwankungen kommen, doch insgesamt werden die Aktienmärkte auf einen holperigen Aufwärtspfad einschwenken“, sagt Kahler. „Aktuell erwarten wir weder eine Rezession, noch ist die derzeitige Gemengelage an den Kapitalmärkten vergleichbar mit der Krise rund um die US-Staatsschuldenobergrenze 2011.“ Insofern besteht die Chance, dass der DAX im Jahresendspurt noch mindestens einen Teil der bisher erlittenen Verluste aufholen kann.

In der Verlaufsprognose zeichnet sich laut Kahler ein saisonal starkes Schlussquartal 2018 ab, gefolgt von einem verhältnismäßig schwachen Aufschwung in 2019, der sich etwa in der Größenordnung des Gewinnwachstums bewegen dürfte. Grund dafür: „Die Konjunkturrisiken dürften auch 2019 weiter Bestand haben und insbesondere in den USA sind Aktien einer zunehmenden Konkurrenzsituation durch Anleihen ausgesetzt“, erläutert Kahler. Die Bewertungen der Aktienmärkte werden vor diesem Hintergrund wohl nicht weiter ansteigen.

Vor diesem Hintergrund formuliert Christian Kahler seine aktuelle Anlagestrategie: „Unsere zunächst defensive Ausrichtung hat sich bewährt. Nach der letzten Korrektur haben wir nun auf kontrollierte Offensive umgeschaltet.“ In seinem Musterdepot hat Kahler die Aktienquote auf 51 Prozent aufgestockt. Renteninvestments machen 49 Prozent aus. Die größte Position im Aktienanteil bilden die weltweit größten Unternehmen, zusammengefasst im DJ Global Titans 50 TR (Gewichtung 19 Prozent). Bereits an zweiter Stelle folgen chinesische Aktien, repräsentiert durch den CSI 300, sowie eine zehnprozentige DAX-Position.

Die Präsentation von Stefan Bielmeier und Christian Kahler finden Sie hier.


Wesentliche Prognosen des DZ BANK Research:

BIP-Wachstum Deutschland1

1,4 %

 

BIP-Wachstum EWU1

1,5 %

 

Inflation Deutschland1

1,9 %

 

Inflation Eurozone1

1,8 %

 

Rohöl2

72,50 USD/Barrel (Brent)

 

Gold2

1.200 USD/Feinunze

 

Hauptrefinanzierungssatz EZB2

0,25 %

 

Einlagensatz EZB2

0,0 %

 

Leitzinsen USA (Fed Funds Target Rate)2

3,00 – 3,25 %

 

Wechselkurs USD/EUR2

1,20

 

DAX2

13.300 Punkte

 
EURO STOXX 5023.550 Punkte 

1Veränderungen gegenüber dem Vorjahr; 2 Punktprognose für Ende 2019