NEWS-ARCHIV

23.11.2015

DZ BANK Research Jahresausblick 2016

Kaum Wachstumsimpulse für globale Wirtschaft / Geldpolitik im Widerstreit zwischen EZB und Fed / Jahr des Stillstands für den DAX / Niedrige Zinsen und Ölpreis verhindern Crash

Die Weltkonjunktur schleppt sich auch im kommenden Jahr dahin. Wachstumstreiber ist weiterhin die binnenwirtschaftliche Nachfrage in den Industrieländern. Die Schwellenländer haben als Wachstumstreiber für die Weltwirtschaft und für die deutschen Unternehmen ausgedient; Impulse für die Aktienmärkte kommen kaum noch von steigenden Unternehmensgewinnen, sondern nur mehr von der expansiven Geldpolitik der EZB; die niedrigen Zinsen und der niedrige Ölpreis sind es für den Moment auch, die einen Crash verhindern; deshalb wird der DAX auch stagnieren und am Jahresende 2016 bei etwa 11.000 Punkten notieren. Dieses verhaltene Bild zeichneten die Volkswirte des DZ BANK Research bei der Vorstellung ihrer Jahresprognose 2016.

Das DZ BANK Research erwartet, dass die Weltwirtschaft im nächsten Jahr wieder um drei Prozent wachsen wird. Anders als noch vor wenigen Jahren sei es nicht mehr der Welthandel, der die Konjunktur treibt. „Selbst ein exportstarkes Land wie Deutschland wird sein Wachstum im nächsten Jahr nicht steigern können. Dass es mit 1,8 Prozent stabil bleibt, verdanken wir einer wachsenden Binnennachfrage und der weiterhin unterstützenden lockeren Geldpolitik“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research & Volkswirtschaft der DZ BANK. Für die Eurozone erwartet er einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 Prozent im Jahr 2016 und eine leichte Steigerung auf 1,7 Prozent im Jahr 2017.

Strategie zur Stärkung der Binnenwirtschaft besser als kurzfristiger Konsum

Die relative Robustheit der Konjunktur in den Industrieländern führt Bielmeier zurück auf eine verhaltene Entwicklung der Arbeitskosten und eine Stärkung der öffentlichen Nachfrage. Vor allem die deutsche Wirtschaft profitiere von den strukturellen Verbesserungen der vergangenen Jahre. „Wir müssen aber aufpassen, dass wir diesen Vorsprung nicht aufzehren“, gibt Bielmeier zu bedenken. „Insbesondere Entscheidungen wie die Einführung des Mindestlohnes können dazu beitragen, dass das Produktivitätswachstum hinter dem Lohnwachstum zurückbleibt. Darunter würde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft leiden“, so Bielmeier. Auch wenn die Binnenwirtschaft derzeit von der positiven Einkommensentwicklung der privaten Haushalte profitiere, dürfe eine Stärkung des Konsums nicht zu Lasten des langfristigen Wohlstands der Gesellschaft gehen. Der Chefvolkswirt fordert deshalb eine durchdachte Strategie zur Stärkung der Binnenwirtschaft, die auch öffentliche Investitionen einschließe. Die öffentlichen Ausgaben sollten wegen der hohen Zahl der Flüchtlinge steigen und 2016 einen zusätzlichen Wachstumsbeitrag von 0,2 Prozentpunkten bringen.

Geldpolitik: EZB contra Fed

Obwohl die Inflation zum Jahreswechsel ansteigen werde, werde die EZB ihr Ziel von zwei Prozent auch im Jahr 2016 nicht erreichen. Jan Holthusen, Leiter des Zins- und Anleihenresearch der DZ BANK, erwartet eine Ausweitung der expansiven Maßnahmen durch die EZB. Sie werde den Einlagenzins um weitere 20 Basispunkte auf minus 0,4 Prozent senken. Außerdem sei im Vergleich zu den anderen Zentralbanken die Bilanzsumme der EZB noch relativ klein. „Wir erwarten von der Ratssitzung am 3. Dezember eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms über das Jahr 2016 hinaus, was in der Gesamtsumme einer deutlichen Ausweitung entspricht“, so Holthusen. Weil jedoch die Fed die Leitzinsen mittelfristig auf über ein Prozent erhöhen werde, würde der Kurs des Euro weiter unter Druck geraten. Dadurch würde zum einen der europäische Außenhandel unterstützt und zum anderen würden Importgüter verteuert, was wiederum der Absicht der EZB entgegen käme, die Inflationsrate in Richtung zwei Prozent zu treiben.

Die Verlängerung des Anleihekaufprogramms werde sowohl die Renditeaufschläge (Spreads) für Anleihen der Peripherieländer als auch für Schuldtitel von Unternehmen niedrig halten. „Selbst, wenn der Schwerpunkt der Anleihekäufe auf Staatsanleihen liegt, werden auch Anleihen privater Emittenten profitieren, weil Investoren angesichts niedriger Renditen auf höher verzinsliche Titel ausweichen“, so Holthusen. Am langen Ende erwartet der Zinsexperte jedoch einen leichten Anstieg der Renditen zehnjähriger Bundesanleihen. „Die niedrigen Leitzinsen der EZB und die Anleihekäufe verlieren auf lange Sicht an Wirkung; weil die Renditen amerikanischer Staatsanleihen aufgrund der Leitzinserhöhungen in den USA ansteigen, dürfte auch bei uns das Zinsniveau bei längeren Laufzeiten leicht zulegen. Dagegen dürfte sich Herr Schäuble bei kurzen Laufzeiten auch Ende 2016 noch über negative Renditen freuen können.“

Aktienmärkte 2016: Nur wenig Potenzial

„Anleger stecken vielfach in der Krise: Das eingegangene Risiko bei Anleihen wie auch bei Aktien wird in Anbetracht potenzieller Rückschläge nicht mehr angemessen belohnt“ , sekundiert auch Chefanlagestratege Christian Kahler Zwar könnten neue geldpolitische Stimuli der EZB dem Aktienmarkt bis in das Frühjahr 2016 hinein zu einem Anstieg verhelfen, der DAX könnte in dieser üblicherweise starken saisonalen Phase durchaus auf 11.500 Punkte oder darüber steigen. Agiert die EZB aber weniger expansiv, besteht noch im Dezember ein hohes Rückschlagrisiko. Auf mittlere Sicht hält Kahler es für wahrscheinlich, dass sich die Märkte, ähnlich wie im April 2015 sowie im Frühjahr 2012 nach der ersten Liquiditätsflut, nicht allzu lange von den geldpolitischen Stimuli werden blenden lassen. Steigt die Unsicherheit über den tatsächlichen Zustand der Weltwirtschaft wieder an, drohen DAX & Co. neue Enttäuschungen, weil das erreichte Bewertungsniveau nach DZ BANK-Einschätzung nur bei einem dynamischen Gewinnwachstum zu rechtfertigen ist, nicht aber bei Stagnation auf solidem Niveau.

Anleger sollten nach Ansicht von Kahler auch berücksichtigen, dass das Bewertungsniveau von Aktien schon relativ hoch sei. Selbst bei den 30 großen deutschen Standardwerten liege es mit einem KGV von 13,2 schon über dem Mittelwert der letzten zehn Jahre. „Diese Bewertung ist nur mit einem dynamischen Gewinnwachstum zu rechtfertigen; wir sehen aber eine Stagnation auf solidem Niveau“, so Kahler. Er erwartet dementsprechend für Ende 2016 auch nur einen geringen DAX-Anstieg bis  auf 11.000 Punkte. Im Jahresverlauf 2016 erwartet die DZ BANK für den deutschen Leitindex eine Schwankungsbreite zwischen 9.400 und 12.000 Punkten, weil es immer wieder auch zu Enttäuschungen und Unsicherheit kommen werde. Gerade die zu Ende gehende Berichtssaison habe gezeigt, wie übertrieben sensibel die Märkte auf leichte Verfehlungen der Gewinnziele reagiert hätten. Anleger sollten innerhalb dieser Bandbreite immer wieder opportunistisch Chancen nutzen. „Hier ergeben sich Einstiegsmöglichkeiten für Anleger, um mit taktischen Investitionen das begrenzte Aufwärtspotenzial des breiten Marktes zu hebeln.“

Insgesamt sieht Kahler die Gefahr eines Rückschlags an den Aktienmärkten deutlich wachsen. Die langjährige Niedrigzinspolitik habe sowohl bei Investoren als auch bei Unternehmen für Fehlanreize gesorgt. So würden sich die Unternehmen immer höher verschulden, damit M+A-Transaktionen zu überhöhten Preisen finanzieren oder Aktien zu überteuerten Kursen zurückkaufen. Und die Investoren würden auf ihrer Suche nach Rendite immer höhere Risiken eingehen. „Dass es bislang noch keinen Crash gab, liegt vor allem daran, dass sowohl Öl als auch frisches Geld weiterhin billig sind. Die Frage ist, ob ein sanfter Ausstieg aus dieser ungewöhnlichen Konstellation gelingt“, so Kahler.

Weitere Informationen und Illustrationen finden Sie in dieser Präsentation
Zentrale Prognosen des DZ BANK Research für 2016
BIP-Wachstum Deutschland1,8 %
BIP-Wachstum EWU 1,5 %
Inflation Deutschland 1,0 %
Rohöl 45 USD / Barrel (Brent)
Refisatz EZB 0,05 %
Einlagensatz EZB -0,40 %
Leitzinsen USA (Fed Funds Target Rate) 1,25 - 1,50 %
Wechselkurs USD/EUR 1,04
DAX11.000