NEWS-ARCHIV

08.05.2015

Mittelstand in Investitionslaune

Deutlicher Stimmungsaufschwung im Mittelstand - Investitionsabsichten steigen sprunghaft, obwohl fast jedes dritte mittelständische Unternehmen von der Ukraine-Krise und den Russland-Sanktionen belastet ist - DZ BANK Mittelstandsumfrage Frühjahr 2015

Das Geschäftsklima im Mittelstand hat sich merklich erholt. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen werden von den Unternehmen positiver bewertet als noch im vergangenen Herbst. Nach dem Einbruch vor sechs Monaten haben sich insbesondere die Geschäftserwartungen deutlich verbessert: 40 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sich ihre Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten verbessert; im Herbst lag dieser Wert noch bei 31 Prozent. Das ist ein Ergebnis der repräsentativen DZ BANK Mittelstandsumfrage Frühjahr 2015 unter 1.500 mittelständischen Unternehmen.

Die Investitionsbereitschaft im Mittelstand steigt merklich: Fast 80 Prozent der Mittelständler planen, in den nächsten sechs Monaten in ihr Unternehmen zu investieren, das sind 10 Prozentpunkte mehr als im Herbst 2014. Gleichzeitig ist auch das geplante Investitionsvolumen gestiegen. Der Anteil der investierenden Unternehmen, die größere Volumina bei den Investitionen planen, liegt bei 28 Prozent, nach 24 Prozent im vergangenen Herbst. „Die positive Grundstimmung in den Unternehmen spüren wir auch in unseren Kundengesprächen. Ich bin zuversichtlich, dass die Investitionen anspringen werden. Die steigende Kapazitätsauslastung in den Unternehmen wird die Bereitschaft zu Investitionen fördern. In der DZ BANK ist das Kreditvolumen im Mittelstand im ersten Quartal dieses Jahres um drei Prozent gegenüber dem Jahresende gewachsen“, so Stefan Zeidler, Firmenkundenvorstand der DZ BANK.

Dabei verschließen die Mittelständler aber keinesfalls die Augen vor den internationalen Krisen, wie zum Beispiel dem anhaltenden Konflikt in der Ukraine oder der angespannten Finanzlage in Griechenland. Von der Ukraine-Krise und den damit zusammenhängenden Sanktionen gegen Russland sind mehr als 30 Prozent der mittelständischen Unternehmen betroffen, so die Umfrage. Die Unternehmen können jedoch die Belastungen aufgrund der positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weitgehend kompensieren. Insbesondere der gesunkene Ölpreis und die niedrigen Zinsen heben die gute Stimmung im Mittelstand. Die Auswirkungen der Euroschwäche hingegen werden von den mittelständischen Unternehmen uneinheitlich bewertet.

Einschätzung der aktuellen Geschäftslage auf sehr hohem Niveau

Im Frühjahr 2015 bewerten die mittelständischen Unternehmen die Geschäftslage abermals besser als im Herbst 2014: 85,6 Prozent schätzen ihre aktuelle Lage mit „gut“ oder „sehr gut“ ein. Vor sechs Monaten waren dies noch 83,8 Prozent. Der Saldo der positiven und negativen Antworten liegt mit 71,8 % weit über dem Durchschnitt von 38,8 Punkten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Unternehmen in Ost- oder Westdeutschland ansässig sind. Die Mittelständler in Ostdeutschland weisen das drittbeste Ergebnis seit dem Start der Mittelstandsumfrage vor zwanzig Jahren aus. Nach Branchen betrachtet bewerten die Dienstleister ihre aktuelle Geschäftslage am besten, wohingegen die Elektroindustrie einen merklichen Rückgang aufweist.

Geschäftserwartungen legen deutlich zu


Der Stimmungsaufschwung im Mittelstand zeigt sich auch in den deutlich gestiegenen Geschäftserwartungen. Der Einbruch vom Herbst war damit nur vorübergehend. Der Saldo der Geschäftserwartungen liegt im Frühjahr bei 31,4 Punkten, nachdem er im Herbst mit 14,4 Punkten unten den langjährigen Durchschnitt von 23 Punkten gefallen war. Die optimistischen Geschäftserwartungen ziehen sich durch alle Branchen und durch alle Größenklassen. Die höchsten Erwartungen weisen die eher inlandsorientierten Branchen Dienstleistungen, Ernährungsgewerbe und Baugewerbe auf. Die Agrarbranche bleibt Schlusslicht hinsichtlich der Geschäftserwartungen, wobei sich hier die Pessimisten und die Optimisten inzwischen ungefähr die Waage halten.

Investitionsbereitschaft der inlandsorientierten Branchen gestiegen

Die Investitionsabsichten steigen tendenziell mit der Unternehmensgröße. Von den mittelständischen Betrieben mit mehr als 100 Mitarbeitern planen mehr als 87 Prozent (Herbst 2014: 83 Prozent) zu investieren. Aber auch fast 54 Prozent der Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigen wollen demnächst Geld in ihr Unternehmen stecken. Im vergangenen Herbst betrug dieser Anteil noch 45,8 Prozent. Auf Branchenebene steigerten auch hier insbesondere die eher inlandsorientierten Branchen Agrarwirtschaft, Ernährungsgewerbe, Handel und Dienstleistungen ihre Investitionsbereitschaft. Die größte Investitionsbereitschaft zeigen aber die Unternehmen der Elektroindustrie.

Personaloffensive hält weiter an

Der deutsche Mittelstand rekrutiert weiterhin Personal. Dabei haben 24 Prozent der Umfrageteilnehmer bereits in den vergangenen sechs Monaten neue Mitarbeiter eingestellt. 34 Prozent der Mittelständler planen zudem im nächsten halben Jahr ihren Personalbestand weiter auszubauen.

Verglichen mit den Ergebnissen vom vergangenen Herbst verteilt sich die Beschäftigungsoffensive im Frühjahr gleichmäßiger auf die Branchen. Inzwischen planen auch die Betriebe der Agrarwirtschaft mehrheitlich einen Personalaufbau. Der Saldo der Beschäftigungserwartung liegt hier bei 12 Punkten; vor sechs Monaten hielten sich Personalaufbau und Personaleinsparungen im Agrarsektor noch die Waage. Am höchsten sind die Beschäftigungserwartungen weiterhin in der Chemie- und Kunststoffindustrie sowie in der Elektroindustrie.

Ukraine-Krise weiterhin mit negativen Auswirkungen

Die Krise in der Ukraine belastet aktuell mehr deutsche Mittelständler als bei der letzten Umfrage vor einem halben Jahr. Etwa jeder dritte Mittelständler ist von der Krise betroffen. Wobei der Anteil der Unternehmen, die sich „stark betroffen“ fühlen, im Vergleich zur Herbstumfrage von 3,5 Prozent auf 6 Prozent angestiegen ist. Bei den großen Unternehmen mit einem Umsatz über 50 Millionen Euro liegt der aktuelle Wert sogar bei 11,7 Prozent.

Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft sind dabei vielfältig. Sie reichen von ausbleibenden Aufträgen aus der Ukraine und Russland über die von den Sanktionen gegen Russland betroffenen Branchen bis hin zu den direkten und indirekten Folgen des russischen Importstopps für viele Nahrungsmittel. Besonders betroffen davon sind die Branchen Landwirtschaft, Chemieindustrie sowie Metall-, Automobil- und Maschinenbau.

Mittelstand bewertet Euro-Schwäche uneinheitlich

Hinsichtlich der deutlichen Abwertung des Euro in den letzten Monaten werden vor allem die positiven Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft diskutiert. Deutsche Güter werden im Nicht-Euro-Ausland wettbewerbsfähiger, was vor allem den exportorientierten Unternehmen zu Gute kommt, die in diesen Regionen aktiv sind. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass der Import von Rohstoffen, Vorerzeugnissen und Gütern für viele Unternehmen teurer geworden ist. Da Preiserhöhungen jedoch aktuell schwierig durchzusetzen sind, drückt dies auf die Margen.

Nur die Mittelständler in den am stärksten im Ausland aktiven Branchen, nämlich dem Metall-, Automobil- und Maschinenbau und der Chemie- und Kunststoffindustrie, bewerten die Euro-Schwäche positiv. In allen anderen Branchen befürchten die befragten mittelständischen Unternehmen dagegen eher negative Auswirkungen auf ihren Betrieb.

Auslandsaktivität im Mittelstand steigt weiter

Obwohl die Ukraine-Krise viele deutsche Mittelständler weiter belastet und die Mehrheit der kleinen und mittleren Betriebe negative Auswirkungen der Euro-Krise befürchtet, bauen die Unternehmen dennoch ihr Auslandsengagement weiter aus. Inzwischen geben 57,4 Prozent der befragten Unternehmen an, z.B. durch Ex- und Import, Joint-Ventures, Kooperationen oder auch Produktionstätigkeit im Ausland engagiert zu sein. Im Herbst waren es 56,9 Prozent.

In den vergangenen vier Jahren am stärksten gestiegen ist der Anteil der im Ausland aktiven Unternehmen im Ernährungsgewerbe. Während in der Nahrungsmittelindustrie aber bisher dennoch weniger als zwei Drittel der Unternehmen über ihren Heimatmarkt hinausblicken, sind es in der Elektroindustrie und im Metall-, Automobil- und Maschinenbau über 80 Prozent. Mit fast 90 Prozent ist die Auslandsaktivität in den mittelständischen Betrieben der Chemie- und Kunststoffindustrie am stärksten ausgeprägt.

Das geringste Auslandsengagement zeigt inzwischen wieder die Landwirtschaft. Nur etwas mehr als jeder fünfte Agrarbetrieb ist noch im Ausland aktiv. Dieser Wert ist gegenüber Herbst 2014 regelrecht eingebrochen. Hauptgrund dürfte der russische Importstopp für Nahrungsmittel sein. Die dadurch gesunkenen Preise erhöhten den Konkurrenzdruck auf den Lebensmittelmärkten in Westeuropa beträchtlich.

Die Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“ kann unter www.mittelstandsstudie.de kostenfrei
heruntergeladen werden.