NEWS-ARCHIV

28.10.2014

Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bremst die Neugründungen von Energiegenossenschaften deutlich

Zahl der Genossenschaftsgründungen außerhalb des Energiesektors wächst weiter  –
Erstmals seit zehn Jahren wieder mehr als 8.000 Genossenschaften in Deutschland –
Genossenschaftsbericht 2014 mit Schwerpunktthema: Förderung von
Genossenschaften


Die Neugründungsaktivitäten im deutschen Genossenschaftssektor haben sich im ersten
Halbjahr 2014 deutlich abgeschwächt. Der Rückgang ist vor allem auf eine wachsende
Unsicherheit für die Neugründung von Energiegenossenschaften durch die Reform des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes zurückzuführen. Insgesamt wurden 127 Genossenschaften
gegründet. Das sind 24,9 Prozent weniger als in den ersten sechs Monaten des vergangenen
Jahres. Während sich genossenschaftliche Start-ups rund um das Thema erneuerbare Energien
auf 45 halbiert haben, sind Gründungen außerhalb des Energiesektors um 7,9 Prozent auf 82
gestiegen. Trotz des Einbruchs bilden Energiegenossenschaften wieder die größte Gruppe,
gefolgt von Dienstleistungsgenossenschaften und Sozialgenossenschaften. Das geht aus dem
jetzt veröffentlichten Bericht „Die deutschen Genossenschaften 2014“ hervor.

Mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation in Deutschland

Im zweiten Halbjahr dürften die Neugründungen im Bereich Energie weiter sinken. Für das
Gesamtjahr kann mit der Errichtung von 250 neuen Genossenschaften gerechnet werden
(2013: 332). Trotz des Einbruchs bei Energiegenossenschaften befinden sich die
Gründungsaktivitäten weiter auf hohem Niveau. Vor dem Anfang des letzten Jahrzehnts
einsetzenden Gründungsboom wurden durchschnittlich nur 45 Genossenschaften im Jahr
errichtet. Da Neugründungen den Rückgang durch Fusionen und Auflösungen
überkompensieren dürften, sollte die Gesamtzahl der Genossenschaftsunternehmen bis
Jahresende auf 8.050 steigen. Bereits 2013 wurde erstmals seit zehn Jahren wieder die
8.000er-Marke überschritten. Die Gründer neuer Genossenschaften sowie der hohe
Mitgliederzulauf bei Kreditgenossenschaften dürften dazu beitragen, dass die
Gesamtmitgliederzahl bis Jahresende auf fast 22 Millionen Personen zunimmt. „Selbst wenn
man die Zahl um Doppelmitgliedschaften bereinigt, ist rund ein Viertel der Bevölkerung
Mitglied einer Genossenschaft. Damit bleibt der Genossenschaftsverbund die mitgliederstärkste
Wirtschaftsorganisation in Deutschland“, so Michael Stappel, Volkswirt und Autor des Berichtes.

Geringe Insolvenzanfälligkeit und großes Vertrauen in Rechtsform

In Deutschland bestehen günstige Bedingungen für Genossenschaften. Zu den positiven
Standortfaktoren zählt ein stabiler Rechtsrahmen durch das Genossenschaftsgesetz
einschließlich der bewährten genossenschaftlichen Prüfung. Das sorgt für eine geringe
Insolvenzanfälligkeit und hohes Vertrauen in die Rechtsform. „Trotz des Gründungsbooms
bleiben die Aufklärung über die Genossenschaftsidee und ihre Möglichkeiten sowie die
systematische Entwicklung und Vermarktung neuer Genossenschaftsmodelle eine
Daueraufgabe und zugleich eine nachhaltige Form der Förderung. Dagegen sind
rechtsformspezifische Subventionen und andere Formen der Bevorteilungen abzulehnen. Das
führt nicht nur zu Wettbewerbsverzerrungen und Abhängigkeiten, sondern widerspricht vor
allem der Idee genossenschaftlicher Selbsthilfe“, so Stappel. Förderung von Genossenschaften
ist Schwerpunktthema des Berichtes, auf das auch in Interviews mit führenden
Verbandsvertretern eingegangen wird.

„Die deutschen Genossenschaften 2014. Entwicklungen – Meinungen – Zahlen“, Deutscher
Genossenschafts-Verlag eG, Wiesbaden 2014, 54 Seiten, ISSN 143-3533 Bericht 2014