NEWS-ARCHIV

18.11.2014

Ausstellung f/12.2 Projektstipendium DZ BANK Kunstsammlung

Die DZ BANK Kunstsammlung zeigt die Ergebnisse des Projektstipendiums 2014 der Künstler Ulrich Gebert und Andrej Krementschouk sowie Arbeiten der Künstler der Stipendiaten-Shortlist

Die DZ BANK Kunstsammlung zeigt vom 2. Dezember 2014 bis 7. März 2015 die Ausstellung f/12.2 mit Arbeiten der Stipendiaten Ulrich Gebert und Andrej Krementschouk im ART FOYER in Frankfurt. In der Ausstellung zum Projektstipendium des Jahres 2014 sind darüber hinaus die Künstler der Stipendiaten-Shortlist Alexandra Baumgartner, Valerio Spada und Robert Voit vertreten, deren Werke in die Sammlung aufgenommen wurden.

Bereits von 1993 bis 2003 hat die DZ BANK Kunstsammlung Arbeitsstipendien an herausragende Künstlerinnen und Künstler vergeben, die mit dem Medium Fotografie arbeiteten. Anlässlich ihres 20-jährigen Jubiläums im vergangenen Jahr hat die DZ BANK Kunstsammlung das Stipendium neu aufgelegt. Alle zwei Jahre wird künftig eine wechselnde siebenköpfige Jury die Kandidaten vorschlagen. Diese werden eingeladen, sich mit Arbeitsproben und Projektideen zu bewerben, die im weitesten Sinne mit fotografischen Bildern zu tun haben.

Für das Projektstipendium 2014 wurden insgesamt 43 Arbeitsproben und Projektideen eingereicht. Am meisten überzeugten Ulrich Gebert und Andrej Krementschouk. Ihnen wurde mit dem Preisgeld von jeweils 1.000 Euro pro Monat über den Zeitraum eines Jahres die Arbeit an ihrem Projekt ermöglicht.


Ulrich Gebert
Ulrich Gebert (*1976, München) studierte Fotografie als Meisterschüler bei Timm Rautert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig sowie an der Glasgow School of Art und am Royal College of Art, London. Der Künstler erforscht in seinem konzeptuellen Werk das kulturell geprägte Verhältnis des Menschen zum Tier. Die Fotografien, deren Grundlage oftmals vorgefundene Materialien bilden, thematisieren Forschung, Zucht oder Massentierhaltung.

In seinem Stipendiumsprojekt „Ur“ verwendet Gebert eine Seite aus dem Zuchtbuch über Auerochsen des Ost-Berliner Tierparks aus dem Jahr 1984. Diese Rinderart war seit dem 17. Jahrhundert ausgestorben. In den 1920er Jahren entstand die Idee, durch Kreuzungszucht und anschließende Selektion die ursprünglichen Merkmale des Auerochsen wieder in einem Tier zu vereinigen. In seiner Serie zeigt er die vom Menschen geschaffenen Tiere in der Natur, die selbstverständlich auch Kulturlandschaft ist. Was also scheinbar natürlich daher kommt, ist Künstlichkeit in sich.

Andrej Krementschouk
Der Weg von Andrej Krementschouk (*1973, Gorki/Sowjetunion) zur Fotografie führte über eine Ausbildung als Restaurator von Ikonen und Kunstgegenständen aus Metall zu einem Studium der Musikethnologie, das er mit dem Diplom als Chorleiter abschloss. Sechs Jahre lang arbeitete er als Goldschmied und restaurierte Ikonen. Danach studierte er in Hamburg bei Ute Mahler und in Leipzig Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Fotografie.

Die Bilder von Andrej Krementschouk sind eine Fortentwicklung seines bereits 2007 begonnen Projekts „Come bury me“ („Komm wieder, um mich zu begraben“). Es zeigt Menschen auf der Schattenseite des Lebens. In seinem „TEXTfoto Buch“ mit gleichnamigem Titel berichtet er vom Leben einer Gruppe Obdachloser in Russland in einem verfallenen alten Haus. Triste Evidenz, Traum, Rausch, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Tod, aber auch die gemeinschaftliche Geborgenheit, sind in diesen Bildern gegenwärtig. Nach einem Jahr ist die Hütte samt ihren Bewohnern einer Brandstiftung zum Opfer gefallen.

In seinem Stipendiumsprojekt „Vier Jahreszeiten“ hat Andrej Krementschouk die Geschichte des Nachfolgebaus in zeitlichen Intervallen jeweils vom gleichen Kamerastandort aus fotografisch festgehalten. Mittlerweile ist nach diversen Zwischenphasen dort ein luxuriöses Restaurant errichtet worden.


Künstler aus der Shortlist

Alexandra Baumgartner
Alexandra Baumgartner (*1973, Salzburg/Österreich) zerschneidet, verbrennt, bemalt und bestickt für ihre Fotocollagen altes Bildmaterial, das sie auf Flohmärkten und bei Wohnungsauflösungen findet. Die an der Universität für angewandte Kunst in Wien ausgebildete Künstlerin lässt dadurch surreale Bilder und regelrechte Alptraumsequenzen entstehen. Die Menschen sind meist nicht zu identifizieren, da ihre Gesichter bis zur Unkenntlichkeit verändert sind. So entstehen hybride Wesen, Mutanten, Mischungen aus Mensch und Tier.

Valerio Spada
Das Schicksal der vierzehnjährigen Annalisa, die auf offener Straße in einen Schusswechsel der Camorra in Neapel gerät und stirbt, war für Valerio Spada (*1972, Mailand/Italien) die Initialzündung des Projekts „Gomorrha Girl“. Die abfotografierten Polizeiunterlagen zum Tod des Mädchens kombiniert er mit seinen Aufnahmen, die vor allem junge Mädchen in Scampia zeigen, die stellvertretend das Leben repräsentieren, das auch Annalisa geführt hat - oftmals geprägt durch Prostitution, Drogenkonsum und Teenagerschwangerschaften. Valerio Spada steht mit seinem mehrfach ausgezeichneten Fotobuch, das auf Jahren der Recherche basiert, in der Tradition der Kriegsberichterstattung.

Robert Voit
Die Schwarz-Weiß-Serie „The Alphabet of New Plants“ von Robert Voit (*1969, Erlangen) führt mit streng formaler, wissenschaftlich inszenierter Pflanzenfotografie den Betrachter zunächst hinters Licht. Denn bei genauerer Betrachtung erkennt man die Stoffstrukturen der Blüten und weitere Hinweise auf die Unnatürlichkeit der Pflanzen: Es sind künstliche Blumen, wie man sie im Alltag häufig zu Dekorationszwecken findet. Der Meisterschüler von Thomas Ruff an der Kunstakademie Düsseldorf thematisiert sein Interesse an Künstlichkeit und stellt auch die immer wiederkehrende Frage nach der Fähigkeit der Fotografie als reine Dokumentation.


Die Jury
Zum letztjährigen Fachgremium, das von Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung, benannt wurde, gehörten Els Barents (Huis Marseille Museum voor Fotografie), Thomas Draschan (Künstler, Wien), Carolin Ellwanger (Geschäftsführerin Fotofestival Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg), Dr. Martin Engler (Kustos für Gegenwartskunst Städel Museum, Frankfurt am Main), Dr. Alexander Klar (Direktor Museum Wiesbaden) und Dr. Ulrich Pohlmann (Sammlungsleiter Fotografie Münchner Stadtmuseum).


DZ BANK Kunstsammlung

Im ART FOYER veranstaltet die DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main regelmäßig Ausstellungen. Das Spitzeninstitut der Volksbanken Raiffeisenbanken verfügt über eine weltweit anerkannte Sammlung zeitgenössischer Fotokunst mit über 7000 Werken von rund 700 Künstlern.


f/12.2
Projektstipendium DZ BANK Kunstsammlung
2. Dezember 2014 bis 7. März 2015
ART FOYER der DZ BANK

Presseführung am Montag, 1. Dezember 2014 um 11 Uhr mit Dr. Christina Leber, Leiterin der DZ BANK Kunstsammlung

Individuelle Interview-Termine mit den Stipendiaten sind am Montagnachmittag oder Dienstagvormittag nach Vereinbarung möglich.

Eröffnung:       Montag, 1. Dezember 2014 um 19 Uhr
Begrüßung:     Wolfgang Kirsch, Vorsitzender des Vorstands der DZ BANK
Einführung:     Dr. Christina Leber, Kuratorin der DZ BANK Kunstsammlung


Ansprechpartner:
DZ BANK Pressestelle                                                        (Frau) Uli Kuhn
presse@dzbank.de                                                         uli.kuhn@ukuhn-consulting.de
Telefon: +49 69 7447-6561                                                Telefon: +49 178 322 0182
Telefax:  +49 69 7447-90309

Weitere Informationen unter www.dzbank-kunstsammlung.de


DZ BANK Kunstsammlung - ART FOYER
Platz der Republik, 60325 Frankfurt/Main
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“

Öffnungszeiten:
Di. – Sa. 11 bis 19 Uhr

Öffentliche Führungen:
Jeden letzten Freitag im Monat um 17.30 Uhr. Um Voranmeldung wird gebeten.
Telefon: +49 69 7447-99144 oder E-Mail: kunst@dzbank.de

Ulrich Gebert, Ohne Titel, Aus der Serie: Ur, 2014

Andrej Krementschouk, Ohne Titel, Aus der Serie: COME BURY ME, 2006 - 2010