NEWS-ARCHIV

15.04.2014

Geschäftsklima im Mittelstand auf Allzeithoch

Aktuelle Geschäftslage und Erwartungen mittelständischer Unternehmen trotz
internationaler Krisen auf Rekordniveau – Mittelständler bauen Auslandsengagement
wieder aus – Personalplanung und Investitionsbereitschaft weiterhin sehr hoch – Bürokratie und Facharbeitermangel derzeit die größten Herausforderungen für die
Unternehmen – aktuelle Mittelstandsumfrage der DZ BANK im Frühjahr 2014


Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland zeigen sich weitgehend unbeeindruckt von
möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Ukraine-Krise oder dem geringeren Wachstumstempo in einigen Schwellenländern. Derzeit bewerten 88 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als sehr gut oder gut,  jedes zweite Unternehmen blickt optimistisch auf die nächsten sechs Monate. Das ist das Ergebnis der aktuellen repräsentativen Mittelstandsumfrage der DZ BANK unter 1.500 Unternehmen. Damit ist die Stimmung im Mittelstand  so gut wie nie seit Beginn der Umfrage im Jahr 1995. Auch die Euro-Schuldenkrise ist für die meisten Mittelständler abgehakt: Mehr als 78 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sie in den nächsten sechs Monaten keine Auswirkungen mehr spüren werden.

„Der Optimismus im Mittelstand ist berechtigt. Der private Konsum wird in den nächsten beiden
Jahren nochmals stärker steigen und die Weltwirtschaft gewinnt an Fahrt. Die Eurozone wird nach zwei Rezessionsjahren in diesem Jahr wieder auf einen Wachstumspfad zurückkehren. Damit sind die Rahmenbedingungen sowohl für die Unternehmen mit Auslandsengagement als auch für die eher am Inlandsmarkt orientierten kleinen Mittelständler zumindest für die nächsten beiden Jahren ausgesprochen positiv“, so Dr. Michael Holstein, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft der DZ BANK. „Erfreulich ist auch, dass die Beschäftigungserwartungen und die Investitionsplanungen gegenüber dem bereits hohen Niveau im Herbst 2013 kaum an Dynamik verloren haben.“ Insgesamt will jedes dritte Unternehmen weiter Personal aufbauen. 77 Prozent der befragten Mittelständler planen, in ihr
Unternehmen zu investieren. Angesichts der expansiven Personalpläne überrascht es wenig, dass der anhaltende Facharbeitermangel und bürokratische Hemmnisse von der großen Mehrheit der Unternehmen als aktuelle Problemfelder genannt werden. Dagegen stellen derzeit weder
Finanzierungsbedingungen noch Auftragslage Hürden für den Mittelstand dar.

Geschäftslage auf neuem Rekordniveau

Im Frühjahr 2014 bewerten 88 Prozent der mittelständischen Unternehmen ihre Geschäftslage als sehr gut bzw. gut und damit nochmals besser als im vergangenen Herbst (83 Prozent). Mit 76
Punkten übertrifft damit der aktuelle Saldo aus positiven und negativen Antworten den langjährigen Durchschnittswert von 37 Punkten um mehr als das Doppelte. Ein wesentlicher Grund für dieses positive Ergebnis ist die außerordentlich gute Entwicklung der Inlandskonjunktur der letzten Jahre. Insbesondere der private Konsum ist nach vielen Jahren einer tendenziell stagnierenden Entwicklung zu einem Wachstumsträger geworden. Davon konnten die eher inlandsorientierten kleinen und mittleren Unternehmen überdurchschnittlich profitieren. Im Branchenvergleich melden gegen den allgemeinen Trend allein die Dienstleistungen und die Agrarwirtschaft eine Verschlechterung ihrer
Lage.

Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft

Die hervorragende Stimmung des deutschen Mittelstands im Frühjahr zeigt sich auch in den deutlich verbesserten Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. Aktuell erwartet fast die Hälfte der befragten Unternehmen ein besseres Geschäftsergebnis, im vergangenen Herbst lag dieser Wert bei rund 35 Prozent. Mit einer Verschlechterung rechnen nur noch weniger als fünf Prozent. Besonders stark stiegen die Erwartungen bei den kleinen Unternehmen sowie im Baugewerbe und in der Landwirtschaft. Ein Rekordniveau vermelden die vornehmlich binnenwirtschaftlich orientierten Sektoren Bau, Ernährungsgewerbe, Handel und Dienstleistungen.

Gute Nachrichten für den Arbeitsmarkt

Der deutsche Mittelstand setzt seine im Herbst 2013 gestartete Personaloffensive weiter fort.
Insgesamt wollen mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen weiterhin Personal aufbauen.
Nicht einmal 13 Prozent rechnen mit einem sinkenden Personalbestand. Vor allem Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten und die Agrarwirtschaft planen einen leichten Personalabbau. „Hier dürften die aktuellen Planungen zum Mindestlohn, von dem die Landwirtschaft besonders im Hinblick auf die Saisonarbeitskräfte stark betroffen wäre, negative Auswirkungen gehabt haben. Landwirtschaft und kleine Unternehmen sind die Ausnahmen einer insgesamt sehr optimistischen Beschäftigungsplanung des deutschen Mittelstands“, so Holstein.

Investitionsbereitschaft weiter sehr hoch

Das Rekordniveau bei Geschäftslage und Erwartungen wirkt sich positiv auf die Investitionsabsichten der Unternehmen aus. Innerhalb der nächsten sechs Monate planen mehr als 77 Prozent der befragten Mittelständler, in ihr Unternehmen zu investieren (Herbst 2013: 79 Prozent). Im Branchenvergleich zeigen die exportintensiven Branchen die größten Investitionsabsichten. Mit Ausnahme der Elektroindustrie planen alle Industriebranchen sowie das Baugewerbe ihre Investitionstätigkeit auszuweiten. Schwächer als im Herbst 2013 fallen dagegen die Ergebnisse der eher inlandsorientierten Branchen Landwirtschaft, Handel, Ernährung sowie Dienstleistungen aus.

Weniger Unternehmen wollen Preise erhöhen

Lediglich 18 Prozent der Unternehmen wollen ihre Preise in den nächsten sechs Monaten anheben.
Vor einem halben Jahr war es noch fast ein Viertel. Eine Preissenkung planen aber auch nur noch
rund sieben Prozent, nach gut acht Prozent im Herbst 2013. Am optimistischsten bezüglich ihrer
Absatzpreise sind die Unternehmen im Handel und im Baugewerbe. Damit spiegelt die Befragung
das gesamtwirtschaftlich derzeit moderate Preisklima wider.

Auslandsengagement wird wieder ausgebaut

Die Unternehmen sind wieder stärker im Ausland aktiv. Rund 57 Prozent der befragten
Unternehmen gaben an, aktuell zum Beispiel durch Ex- und Import, Joint-Ventures, Kooperationen
oder auch Produktionstätigkeit im Ausland engagiert zu sein. In der letzten Umfrage war die
Auslandsaktivität im Mittelstand als Folge der Euro-Schuldenkrise auf 53 Prozent zurückgegangen. Die Euro-Schuldenkrise spielt inzwischen für die große Mehrheit der mittelständischen Unternehmen aber keine Rolle mehr. Bei regionaler Betrachtung offenbaren sich innerhalb Deutschlands merkliche Unterschiede. Während immerhin mehr als 60 Prozent der westdeutschen Mittelständler neben dem
Heimatmarkt auch ausländische Märkte im Blick haben, verfolgen in Ostdeutschland lediglich 47
Prozent auch eine internationale Ausrichtung. Dafür verbesserte sich das Auslandsengagement in
Ostdeutschland in den vergangenen sechs Monaten aber merklich überproportional.


Die Daten wurden in der Zeit vom 24. Februar bis 26. März 2014 im Rahmen einer telefonischen Umfrage von der nhi2 AG, Bonn, erhoben. Die Stichprobe von 1.500 Unternehmen ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und
Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in Deutschland.