NEWS-ARCHIV

25.04.2013

Stimmungsumschwung im Mittelstand

Zukunftserwartungen des Mittelstandes erholen sich deutlich /aktuelle Geschäftslage
verbessert sich leicht / Personalaufbau geplant / Investitionsneigung steigt / Euro-
Schuldenkrise hinterlässt Spuren im Auslandsgeschäft / DZ BANK  Mittelstandsumfrage Frühjahr 2013


Der konjunkturell schwache Winter hat dem Mittelstand trotz des merklichen Rückgangs der
deutschen Wirtschaftsleistung im Schlussquartal des letzten Jahres wenig anhaben können. Die
Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage wieder besser und auch die
Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate sind deutlich gestiegen. Damit blickt der
Mittelstand nach dem Rückgang im Herbst 2012 aktuell wieder optimistisch in die Zukunft. Die
Stimmungsverbesserung ist mit getragen von der Erwartung, dass das durch die Euro-
Schuldenkrise eingetrübte internationale Umfeld sich im weiteren Jahresverlauf erholt. Zu
diesem Ergebnis kommt die DZ BANK in ihrer Frühjahrsumfrage 2013 unter 1.500
mittelständischen Unternehmen in Deutschland. „Die Rahmenbedingungen für ein etwas
dynamischeres Wachstum im Mittelstand entwickeln sich auch längerfristig gut“, sagt Dr. Michael Holstein, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft in der DZ BANK. „Für das nächste Jahr erwarten wir in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von über 2 Prozent“, so Holstein. Die Euro-Schuldenkrise hinterließ aber auch Spuren im Mittelstand. So mussten etwa die mittelständischen Bauunternehmen ihre Auslandsaktivitäten angesichts der Entwicklung in den entsprechenden Immobilienmärkten stark drosseln.

Geschäftslage im Mittelstand wieder leicht gestiegen
    
Die mittelständischen Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage wieder etwas besser
als noch vor sechs Monaten. Der Anstieg ist vor dem Hintergrund des schwierigen Umfeldes im
Winter sehr positiv zu bewerten. Mit einem Saldo in Höhe von 65 Punkten liegt die Bewertung
der Geschäftslage weit über dem langjährigen Durchschnitt von rund 35 Prozentpunkten.
Anders als in der Herbstumfrage hat sich die Lagebewertung der kleinen Unternehmen bis zu
einer Größe von zwanzig Beschäftigten gegen den allgemeinen Trend leicht verschlechtert.

Spitzenreiter im Branchenvergleich sind die Landwirte. Sie bewerten ihre aktuelle Lage so gut
wie nie seit dem Bestehen der  Mittelstandsumfrage, die erstmals im Herbst 1995 durchgeführt wurde. Das am Inlandsmarkt orientierte Baugewerbe verzeichnet immerhin das drittbeste Lageniveau seit Bestehen der Umfrage.

Geschäftserwartungen erholen sich

Nach dem Rückgang im Herbst blickt der deutsche Mittelstand jetzt wieder optimistisch in die
Zukunft. Aktuell erwarten rund 40 Prozent der befragten Unternehmen, dass sich ihre
Geschäfte verbessern werden, im Herbst waren es 26 Prozent. Eine Verschlechterung in den
nächsten sechs Monaten fürchten nur noch neun Prozent der Befragten, im Herbst 2012 lag
der Wert bei 20,5 Prozent. Dabei sind die Unternehmen in Westdeutschland etwas
optimistischer gestimmt als in Ostdeutschland. Nach Größenklassen ergibt sich ein einheitliches
Bild: Durchgängig sind deutlich bessere Geschäftserwartungen zu verzeichnen. Im
Branchenvergleich melden das Ernährungsgewerbe und die Agrarwirtschaft etwas geringere
Erwartungen als im Herbst.

Mittelstand plant weiter Personalaufbau

Der deutsche Arbeitsmarkt wird auch in den nächsten sechs Monaten von der
Beschäftigungsplanung der mittelständischen Unternehmen profitieren. Dies gilt für Ost- und
Westdeutschland gleichermaßen. Rund 20 Prozent der Umfrageteilnehmer planen einen
Personalaufbau (Herbst 2012: 16,5 Prozent). Deutlich gesunken ist dabei die Zahl der
Mittelständler, die ihren Personalbestand verringern möchten. Waren dies vor einem halben
Jahr noch mehr als 13 Prozent, planen im Frühjahr nur rund acht Prozent einen Personalabbau.
„Die aktuelle Beschäftigungsplanung in den Unternehmen signalisiert eine wieder leicht
zunehmende konjunkturelle Erholung. Dies untermauert unsere Konjunkturprognose, nach der
im weiteren Verlauf dieses Jahres die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft wieder zunehmen wird“, so Holstein. Den stärksten Personalaufbau erwarten aktuell die
mittelständischen Unternehmen in der Elektroindustrie.

Investitionsneigung steigt wieder deutlich

Nach drei Rückgängen in Folge ist die Investitionsneigung im Mittelstand im Frühjahr 2013
wieder deutlich gestiegen. 76 Prozent der Befragten planen, in ihr Unternehmen zu investieren (Herbst 2012: 71 %). Im Vergleich zur Herbstumfrage sind die Investitionsplanungen in den Industriebranchen Chemie und Kunststoff, Ernährung sowie Metall-, Automobil- und
Maschinenbau besonders stark angestiegen. Eher schwach zugelegt hat die Investitionsneigung
im Handel. Bei den Investitionsvolumina ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Der Anteil der
investierenden Unternehmen, die in höheres Investitionsvolumen als in den vergangenen sechs
Monaten planen, stieg von 22 Prozent im Herbst 2012 auf aktuell 24 Prozent.

Euro-Schuldenkrise hinterlässt Spuren im Auslandsgeschäft

Trotz des leichten Anstiegs der Auslandsaktivitäten zeigen die Ergebnisse auf Branchenebene,
dass die Euro-Schuldenkrise nicht spurlos am Mittelstand vorüber gegangen ist. Während etwa
vor zwei Jahren noch mehr als ein Viertel der befragten Bauunternehmen im Ausland engagiert
war, sind es aktuell nur 15 Prozent. Die meisten Branchen haben ihr Auslandsengagement aber
unverändert beibehalten. Deutlich ausgebaut haben die Chemie- und Kunststoffindustrie sowie
die Agrarwirtschaft ihre Auslandstätigkeit.

71 Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz über
50 Millionen Euro sind im Ausland engagiert (Frühjahr 2011: 66 Prozent). Bei den
Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 5 Millionen Euro betreiben rund 38 Prozent
Auslandsaktivitäten. Verglichen mit dem Ergebnis vor zwei Jahren, als das Auslandsengagement schon einmal abgefragt wurde, ist der Anteil bei den kleinen Unternehmen dennoch gestiegen, damals waren lediglich 35 Prozent im Ausland aktiv.

Finanzierungsbedarf im Mittelstand erneut leicht zurückgegangen

Auch im Frühjahr 2013 bleibt der Finanzierungsbedarf der mittelständischen Unternehmen gering. Gegenüber dem Herbst 2012 ist er sogar noch einmal leicht um einen Prozentpunkt auf 24 Prozent gesunken. Anstehende Erweiterungsinvestitionen sind der wesentliche Grund für den Finanzierungsbedarf. Gaben vor einem halben Jahr noch rund 56 Prozent der befragten Unternehmen mit Finanzierungsbedarf Erweiterungsinvestitionen als wichtigsten Anlass für Finanzierungsmaßnahmen an, sind es im Frühjahr bereits mehr als 60 Prozent. Dieser Anstieg deckt sich mit den in diesem Frühjahr gestiegenen Investitionsplanungen der befragten Mittelständler.

Wichtigstes Finanzierungsmittel ist für 84 Prozent der mittelständischen Unternehmen
weiterhin der Bankkredit. Bei den Kunden der Volksbanken Raiffeisenbanken wird dieser Wert
mit mehr als 91 Prozent noch deutlich übertroffen. Neben dem Bankkredit nutzen rund 54
Prozent der Mittelständler die Innenfinanzierung, um ihren Finanzierungsbedarf zu decken.

Die Daten wurden in der Zeit vom 18. Februar bis 20. März 2013 im Rahmen einer telefonischen Umfrage von Utilitas GmbH, Darmstadt, und nhi2 AG, Bonn, erhoben. Die Stichprobe von 1.500 ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in Deutschland.

 

Studie DZ BANK Mittelstandsumfrage Frühjahr 2013