NEWS-ARCHIV

23.09.2013

Ein Viertel aller Mittelständler sucht in den kommenden fünf Jahren einen Nachfolger

Auf Zehn-Jahres-Sicht gehen sogar über 50 Prozent der Unternehmen in neue
Hände über / Angst um Belegschaft und darum, keinen geeigneten Nachfolger zu
finden/  externe Nachfolgelösungen gewinnen an Bedeutung /
Mittelstandsumfrage der DZ BANK


Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland stehen vor einem großen Umbruch. Rund
ein Viertel von ihnen wird in den kommenden fünf Jahren in neue Hände übergehen. Auf
Zehn-Jahres-Sicht steht sogar bei über der Hälfte der Mittelständler eine Unternehmensnachfolge an. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage, die GfK Enigma im Auftrag der DZ BANK unter 1000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland durchgeführt hat. Ob die Mittelständler allerdings einen geeigneten Nachfolger finden, ist unsicher. Denn immerhin 40 Prozent der Befragten glauben, es sei ein Problem, einen Kaufinteressenten für ihr
Unternehmen zu finden. Und sogar noch etwas mehr befürchten, dass der Nachfolgekandidat
nicht ausreichend qualifiziert ist. Über die Hälfte der Mittelständler machen sich zudem Sorgen
um ihre Belegschaft im Falle einer Unternehmensnachfolge.

Wie groß die Veränderungen in den Unternehmen bereits kurzfristig sein werden, zeigen die
Detailzahlen der Umfrage. Danach steht bei 6 Prozent der Befragten bereits in den kommenden
12 Monaten eine Unternehmensnachfolge an und bei weiteren 8 Prozent innerhalb der
nächsten ein bis drei Jahre. Damit werden 14 von 100 mittelständischen Unternehmen in
Deutschland  in den nächsten drei Jahren in neue Hände übergehen. Besonders brisant ist
dabei die Situation in der Agrarwirtschaft. Dort steht bei 29 Prozent aller Unternehmen bereits
in den kommenden drei Jahren eine Nachfolge an. Auch im Baugewerbe ist mit überdurchschnittlich vielen Unternehmensübergaben zu rechnen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gibt es in Deutschland rund 300.000 kleine und
mittlere Unternehmen (KMU). Sie beschäftigen weit über 10 Millionen Arbeitnehmer. Der
Umfrage zufolge werden damit alleine aus dieser Kategorie rund 150.000 Unternehmen in den
kommenden zehn Jahren ihren Besitzer wechseln. Das sind pro Jahr 15.000 Unternehmen mit
über 500.000 Arbeitnehmern. „Dies zeigt bereits, welche Dimension der Generationenwechsel
im Mittelstand für die gesamte deutsche Volkswirtschaft hat“, so Hans-Theo Macke, der im
Vorstand der DZ BANK das Firmenkundengeschäft verantwortet. „Die Transaktionsberatung
kleinerer Unternehmen bei externen Nachfolgeprozessen ist ein wichtiges Geschäftsfeld der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Die Umfrageergebnisse decken sich mit unseren
Erfahrungen. Allein im Firmenkundenbestand unserer Bankengruppe, die traditionell eng mit
dem Mittelstand verbunden ist, erwarten wir durchschnittlich etwa 2000
Unternehmensübergaben pro Jahr“, so Macke.

Die Demographie schlägt durch

Die sehr hohe Zahl der Unternehmensübergaben hat vor allem demographische Gründe. 92
Prozent der Befragten gaben an, sie würden einen Nachfolger benötigen, weil sie in den
Ruhestand gingen. Lediglich bei den großen Mittelständlern mit einem Jahresumsatz zwischen
50 Millionen und 125 Millionen Euro sind auch noch andere Gründe relevant. Aus dieser Gruppe erklärten immerhin 21 Prozent, Anlass für die Unternehmensübergabe seien finanzielle
Gründe.

Nachfolgelösungen außerhalb der Familie gewinnen an Bedeutung

Eigentümergeprägte mittelständische Unternehmen präferieren im Rahmen der
Unternehmensübergabe eine interne Lösung (64 Prozent). „Allerdings gewinnen
Nachfolgelösungen außerhalb der Familie immer mehr an Bedeutung“, sagt Markus Loy,
Geschäftsführer der VR Unternehmerberatung, die den Mittelstand bei Unternehmenstransaktionen und Nachfolgeregelungen berät. So würde ein Viertel der Befragten an ein internes oder externes Management verkaufen (MBO/MBI), immerhin 7
Prozent könnten sich den Verkauf an einen Wettbewerber vorstellen, 2 Prozent an einen
Finanzinvestor. „Mit zunehmender Unternehmensgröße verlieren MBO und MBI wiederum an Bedeutung, da diese Nachfolgelösungen für das Management aus eigener Kraft schwieriger zu finanzieren sind. Im gleichen Zuge nimmt die Bedeutung von Finanzinvestoren in Umsatzklassen ab 50 Millionen Euro signifikant zu. Hier sind häufig komplexere Transaktionsmodelle mit mehreren in Frage kommenden Investoren gefragt“, so Loy.
 
Trennung vom Unternehmen fällt schwer

Eine Unternehmensauflösung bzw. Liquidation ist dagegen nur für 1 Prozent der Befragten die
bevorzugte Option. Dies dürfte vor allem auch mit der engen Bindung zusammenhängen, die
die Mittelständler zu ihren Unternehmen haben. So sagten deutlich über die Hälfte von ihnen,
ein Problem bei der Unternehmensübergabe sei, dass ihnen die Trennung vom Unternehmen
schwer falle. Ebenfalls über die Hälfte erklärten, ein Problem bei der Unternehmensübergabe
sei ihre Sorge um die Mitarbeiter. Folgerichtig wollen die meisten Mittelständler dem
Unternehmen zunächst auch weiter verbunden bleiben. 52 Prozent beabsichtigen eine
Beraterposition einzunehmen, 6 Prozent wollen weiter im Management arbeiten, und
immerhin 8 Prozent wollen sogar Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bleiben. Die Absicht, sich komplett aus dem Unternehmen zurückziehen, hat nur knapp ein Drittel der
Befragten. Besonders niedrig fällt dieser Anteil bei den Mittelständlern aus der Agrarindustrie
aus. Hier wollen sich lediglich 4 Prozent voll und ganz aus dem Unternehmen verabschieden.
An ihre Nachfolger haben die mittelständischen Unternehmer insbesondere zwei Wünsche. So
gut wie alle von ihnen betrachten es als wichtig, dass diese die bestehenden Kundenbeziehungen pflegen. Und immerhin 84 Prozent erhoffen sich, dass die Nachfolger die Belegschaft halten bzw. sogar ausbauen.

Den Übernahmeprozess selbst wollen die meisten Unternehmer ohne fremde Hilfe über die
Bühne bringen. So gaben 56 Prozent an, sie würden keine externen Berater engagieren, wenn
sie heute vor einer Unternehmensübergabe stünden. „Unseren Erfahrungen nach ist gerade bei
der Gestaltung von Nachfolgelösungen der Verzicht auf einen externen Spezialisten der Grund,
warum Unternehmensübernahmen scheitern oder nicht so ablaufen, wie von den Beteiligten
gewünscht“, kommentiert Macke. „Ich kann deshalb nur allen Unternehmen empfehlen, sich
hier externen Rat zu holen. Zudem ist es wichtig, dass die Unternehmer den Zeitrahmen für die
Übergabe nicht zu kurz ansetzen. Denn auch daraus können viele Probleme
entstehen.“ Bezüglich der Zeitplanung kann immerhin die Hälfte der Mittelständler auf eigene
Erfahrungen aus der Vergangenheit bauen. Entsprechend veranschlagen diese Unternehmen
für eine neuerliche Übergabe durchschnittlich sogar etwas mehr Zeit als für die alte. Dennoch
ist ihr Zeitrahmen häufig sehr ambitioniert. Im Durchschnitt liegt die Einschätzung für den
Übergabeprozess bei 15 Monaten.

Die Daten wurden zwischen dem 3. und dem 26. Juli im Rahmen einer telefonischen Umfrage von GfK Enigma erhoben. Die Stichprobe von 1.000 ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in Deutschland mit einem Jahresumsatz zwischen 500.000 und 125 Millionen Euro.