NEWS-ARCHIV

07.11.2012

Geschäftslage im Mittelstand robust

Aktuelle Geschäftslage positiv bewertet / Zukunftserwartungen trüben sich ein / Kein Personalabbau geplant / Rolle der Hausbank wächst / Mittelstandsumfrage der DZ BANK

Die Wachstumsdynamik im Mittelstand hat sich deutlich abgekühlt: Die aktuelle Lage wird von den meisten mittelständischen Unternehmen zwar weiter positiv bewertet. Die Prognose für die Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten fällt allerdings deutlich pessimistischer aus. Dies zeigt die Herbst-Mittelstandsumfrage der DZ BANK unter 1.500 mittelständischen Unternehmen in Deutschland. "Die Euro-Schuldenkrise macht sich bei den mittelständischen Unternehmen bemerkbar, Auftragseingänge und Exporte sind inzwischen deutlich schwächer als noch zu Jahresbeginn. Damit geht die Phase der Erholung nach der Finanzmarktkrise in den Jahren 2008 und 2009 zu Ende, in der die Unternehmen eine überaus gute Stimmung vermeldeten und auch gute bis sehr gute Geschäftsergebnisse erzielen konnten", erläutert Dr. Claus Niegsch, Volkswirt in der DZ BANK, die Umfrageergebnisse.
Trotz der Stimmungseintrübung plant der Mittelstand jedoch keinen Personalabbau. Die Mehrheit der befragten Unternehmen möchte an der derzeitigen Beschäftigungszahl nichts ändern. "Insgesamt wird der Mittelstand seiner großen Bedeutung für einen stabilen Arbeitsmarkt in Deutschland gerecht“, so Niegsch.

Geschäftslage robust - Baugewerbe und Agrarwirtschaft profitieren von stabiler Inlandsnachfrage

Konkret erklärten in der repräsentativen Umfrage 80 Prozent der befragten Unternehmen, ihre momentane Geschäftslage sei gut bzw. sehr gut. Lediglich 3 Prozent beurteilen ihre Situation als schlecht, und rund 17 Prozent schätzten sie als eher schlecht ein. Damit ging die Lagebeurteilung gegenüber der Umfrage im Frühjahr dieses Jahres leicht zurück. Mit einem Saldo in Höhe von 60 Punkten liegt die Bewertung der Geschäftslage aber immer noch weit über dem langjährigen Durchschnitt von rund 34 Prozentpunkten. Kleinere Unternehmen mit bis zu 20 Beschäftigten beurteilen die aktuelle Lage sogar besser als noch im Frühjahr. Dagegen spüren die Unternehmen mit zunehmender Größe und damit zunehmender internationaler Ausrichtung die Auswirkungen der Euro-Schuldenkrise stärker. Im Branchenvergleich bewerten die Unternehmen im Baugewerbe ihre Lage am besten. Sie profitieren von der positiven Inlandsnachfrage und den anhaltend niedrigen Zinsen. Die ebenfalls stark von der Inlandsfrage abhängige Agrarwirtschaft schätzt ihre aktuelle Lage als einzige Branche sogar besser als noch vor sechs Monaten ein.

Geschäftserwartungen trüben sich branchenübergreifend ein - einzig Agrarwirtschaft ist optimistisch

Im Gegensatz zur Lagebeurteilung gaben die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate deutlich nach. Der aktuelle Saldo aus positiven und negativen Nennungen bleibt mit 5,6 Prozentpunkten sogar weit hinter dem langjährigen Durchschnitt von 22 Punkten zurück.
Nur noch 26 Prozent der Befragten erwarten in den kommenden sechs Monaten eine weitere Verbesserung ihrer Geschäfte; im Frühjahr 2012 waren es noch 37 Prozent. Eine Verschlechterung erwarten aktuell 21 Prozent der Umfrageteilnehmer, im Frühjahr waren es noch weniger als 10 Prozent. Bei den Branchen ergibt sich ein nahezu einheitliches Bild. Lediglich die Agrarwirtschaft verspricht sich von den nächsten Monaten ein besseres Geschäftsergebnis und unterstreicht damit ihre bereits bei der aktuellen Lage gezeigte gute Stimmung. Eingebrochen ist aufgrund seiner Exportabhängigkeit das Metall-, Kfz- und Maschinenbausegment. Aber selbst im Handel verschlechterten sich die Aussichten deutlich, was zu einem großen Teil auf die schwächere Entwicklung im stärker vom Export abhängigen Großhandel zurückgeht.

Kein Personalabbau geplant

Trotz der Stimmungseintrübung im Herbst plant der Mittelstand keinen Personalabbau. Noch übertrifft die Zahl der Unternehmen, die ihren Personalbestand weiter aufbauen wollen mit 17 Prozent leicht die Zahl der Unternehmen (13 Prozent), die in den nächsten Monaten Personal reduzieren möchten. Die große Mehrheit der Mittelständler (70 Prozent) plant, seine Beschäftigtenzahl nicht zu verändern. Trotzdem sind die Beschäftigungserwartungen der befragten Unternehmen im Vergleich zum Frühjahr deutlich gefallen.

Erkennbar ist, dass die Personalplanung mit zunehmender Unternehmensgröße restriktiver wird. "Kleine Mittelständler können angesichts ihrer Kundenstruktur überdurchschnittlich vom anhaltend stabilen Konsum der privaten Haushalte profitieren“, so Niegsch. Dementsprechend zeigen sich die kleineren mittelständischen Unternehmen im Herbst 2012 analog zu den Ergebnissen bei der Geschäftslage und bei den Geschäftserwartungen auch hinsichtlich ihrer Personalplanungen etwas optimistischer als die großen Betriebe, die ihre Beschäftigtenzahl „nur“ stabil halten wollen.

Nur jeder vierte Mittelständler hat derzeit Finanzierungsbedarf - Vertrauen in die Hausbank ist hoch

Im Rahmen der DZ BANK Mittelstandsumfrage werden neben den Einschätzungen zur Geschäftsentwicklung der mittelständischen Unternehmen in Deutschland auch die Bewertung der Mittelständler hinsichtlich des Geschäftsklimas zu ihrer Hausbank, ihr Vertrauen in die Banken allgemein sowie der Finanzierungsbedarf der Unternehmen erfragt.

Derzeit sehen die Unternehmen nur eine geringe Notwendigkeit für Finanzierungsmaßnahmen. Nach knapp 28 Prozent im Frühjahr gab aktuell lediglich ein Viertel der Mittelständler einen Finanzierungsbedarf an. Für 56 Prozent der Unternehmen, die von einem Finanzierungsbedarf berichten, sind Erweiterungsinvestitionen der wichtigste Anlass. Vor einem Jahr war als wichtigster Grund noch ein steigendes Geschäftsvolumen angegeben worden.

Hinsichtlich des Verhältnisses der Mittelständler zu ihrer Hausbank bzw. hinsichtlich ihres Vertrauens in die Banken allgemein zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen der insgesamt tendenziell positiven Bewertung der Hausbanken durch den Mittelstand und dem eher schlechteren Vertrauen in die Banken allgemein. So sprechen nur rund dreieinhalb Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen davon, dass sich ihr Vertrauen in die Banken allgemein verbessert hat. Bei achtzehn Prozent verschlechterte sich das Vertrauen sogar.

Deutlich besser ist dagegen das Vertrauen in die eigene Hausbank. Von einem „sehr guten“ Geschäftsklima zu ihrer Hausbank sprechen 34 Prozent der Befragten, was sogar einen leichten Anstieg gegenüber dem positiven Ergebnis vom Frühjahr dieses Jahres bedeutet. Ein „gutes“ Geschäftsklima vermelden fast 62 Prozent. Von einem „schlechten“ oder „eher schlechten“ Verhältnis gehen dagegen wie vor sechs Monaten lediglich vier Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen aus.


Die Daten wurden in der Zeit vom 14. September bis zum 10. Oktober 2012 im Rahmen einer telefonischen Umfrage von Utilitas GmbH, Darmstadt, und nhi2 AG, Bonn, erhoben. Die Stichprobe von 1.500 ist repräsentativ; befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen in Deutschland.

DZ BANK Wirtschaftsbrief Mittelstand im Mittelpunkt Herbst 2012 (PDF 0,40 MB)