GENOSSENSCHAFT DES MONATS

Alles Gute zum 200.! Nächstes Jahr hätte Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der Begründer der Genossenschaftsidee, runden Geburtstag. Und seine Idee ist heute aktueller denn je: 2016 gab es in Deutschland über 8.000 Genossenschaften mit mehr als 22,4 Millionen Mitgliedern – Tendenz steigend. Außerdem zählt die Genossenschaftsidee seit November 2016 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe der Menschheit.

Wir freuen uns über diese Entscheidung, denn genossenschaftliche Unternehmen und Kreditgenossenschaften sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft und der Gesellschaft in Deutschland.
Genossenschaften wirtschaften langfristig und nachhaltig, die Förderung der Mitglieder und der Region stehen im Mittelpunkt und sie stellen sich den großen Herausforderungen unserer Zeit.

Als Teil der genossenschaftlichen Gruppe präsentiert Ihnen die DZ BANK jeden Monat eine „Genossenschaft des Monats“, um das Werk Raiffeisens zu würdigen und die Zukunftsperspektiven der Genossenschaftsidee zu zeigen.

Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums startet 2018 eine Kampagne unter dem Motto „Mensch Raiffeisen. Starke Idee!“ mit vielen Veranstaltungen, Initiativen und Wettbewerbern. Erfahren Sie mehr unter: www.raiffeisen2018.de

 

 

 

Januar: Oekonauten

Ziel der Ökonauten ist nicht der Mond, sondern – im wahrsten Sinne des Wortes – die Erde. Die Brandenburger Bürgergenossenschaft unterstützt Existenzgründer im Sektor der nachhaltigen Landwirtschaft und erwirbt auch selbst Land zur ökologischen Nutzung. Damit möchte sie ihren Mitgliedern qualitativ hochwertige Lebensmittel aus der Region bieten.

Das erste Projekt der Ökonauten eG, eine Walnussanlage, startete im Jahr 2015. Mehr als 150 Bäume 30 verschiedener Arten hat die Landwirtin Vivian mit Ihren Unterstützern auf einem Acker im Norden von Berlin gepflanzt. Damit möchte sie den Walnussbäumen in der deutschen Landwirtschaft wieder zu mehr Bedeutung verhelfen. Denn, fast alle im Supermarkt erhältlichen Walnüsse stammen aus dem Ausland, regionale Produkte sucht man vergeblich.

Die seitdem angestoßenen Projekte sind vielfältig. Im letzten Jahr hat die Genossenschaft einen Acker im Westen Potsdams erworben. Dort entsteht unter anderem eine Solidarische Landwirtschaft, die vor allem Gemüse anbaut, aber auch einige tierische Produkte herstellt. Auch ein „Schüleracker“ der Montessori-Oberschule Potsdam befindet sich auf der Anbaufläche. Hier werden Heranwachsenden landwirtschaftliche Grundlagen und ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen vermittelt. Die Jugendlichen lernen so die Bedeutung einer ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft. Seit kurzem arbeiten die Ökonauten zudem mit einer ökologischen Viehwirtschaft zusammen, um dort an der Finanzierung einer hofeigenen Käserei und weiterer Flächen mitzuwirken.

Mit dem Anbau hochwertiger, regionaler Produkte liegen die Ökonauten voll im Trend. Jedoch sind weitere Genossenschaftler nötig, die mit ihren Einlagen zusätzliche Landankäufe ermöglichen. Die Mindesteinlage beträgt zwei Anteile à 250 Euro. An Entscheidungen ist aber jedes Mitglied unabhängig von seinen Anteilen mit einer Stimme beteiligt. Momentan zahlt die Genossenschaft keine Renditen, dafür können Mitglieder bei den Landwirtschaften mitwirken, an Veranstaltungen wie beispielsweise Erntedankfesten teilnehmen oder Produkte aus den Landwirtschaften der Genossenschaft günstiger erwerben.

Erfahren Sie mehr über die Ökonauten: http://www.oekonauten-eg.de/

Dezember: Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG

Die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG (RWZ) wurde 1952 als „Rheinische Warenzentrale Hauptgenossenschaft landwirtschaftlicher Genossenschaften eGmbH“ in Köln gegründet. Heute ist sie die drittgrößte Agrarhandelsgenossenschaft in Deutschland und beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter an über 200 Standorten.

Das RWZ-Geschäftsgebiet erstreckt sich über weite Teile von Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen und Sachsen sowie ganz Rheinland-Pfalz und das Saarland. Zudem ist die RWZ in Luxemburg und Frankreich aktiv. Hier ist sie für ihre Mitgliedsgenossenschaften, Landwirte, Winzer und Gartenbauer sowie tausende gewerbliche und hunderttausende Privatkunden aktiv. Rund 150 Genossenschaften sowie 600 Landwirte, Winzer und Gartenbauer sind Mitglied in der Agrarhandelsgenossenschaft.

Die RWZ unterstützt ihre Mitglieder und Kunden beim Handel, aber auch durch Dienstleistungen wie beispielsweise Anbauempfehlungen für Landwirte, Winzer und Gartenbauer. Auch in den Bereichen Technik und Logistik bietet die Genossenschaft ein umfangreiches Beratungs- und Dienstleistungsangebot bis hin zum „Rundum-sorglos-Paket“, da der Handel alleine den Kundenansprüchen nicht mehr gerecht wird.

Von der Produktionsplanung bis hin zum Endverbraucher: Die RWZ erfüllt wichtige Funktionen in vielen Wertschöpfungsketten – vor allem in der Nahrungsmittelerzeugung. Ziel der Genossenschaft ist es, in Zukunft insbesondere ihre Kerngeschäftsfelder rund um Landwirtschaft, Wein- und Profigartenbau weiterzuentwickeln bzw. den Fokus auf ihre angestammten Kernkompetenzen zu legen.

Erfahren Sie mehr über die RWZ Rhein-Main eG unter: www.rwz.de

November: Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG

Frische Milch mit echter Herkunftsgarantie ist bei den Milchwerken Berchtesgadener Land Realität und nicht nur Marketing. Die Genossenschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, bäuerliche Familienbetriebe zu erhalten und ressourcenschonend zu wirtschaften.

Vor genau 90 Jahren haben 54 Landwirte aus dem Berchtesgadener Talkessel den genossenschaftlichen Molkereibetrieb ins Leben gerufen. Die damalige Milchmenge betrug gerade mal 0,1 Prozent der heutigen Produktion. Mittlerweile hat die Molkerei 1.733 an sie liefernde Milchbauern als Mitglieder, die im vergangenen Jahr insgesamt 306 Millionen Kilogramm Rohmilch produziert haben. Ziel der Landwirte ist es, die erzeugte Rohmilch in der eigenen Molkerei zu qualitativ hochwertigen Milchprodukten zu verarbeiten.

Die Genossenschaftsmolkerei produziert sowohl konventionelle als auch Bio-Milchprodukte. Milch, Schlagrahm, Butter und Topfen sind nur einige Beispiele für die vielseitige Produktpalette, die regelmäßig Auszeichnungen von Stiftung Warentest, Ökotest und der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft erhält. Auch durch Regionalität können die Milchwerke punkten.  Sämtliche verarbeitete Milch stammt vom nördlichen Alpenkamm, der zwischen Zugspitze und Watzmann liegt.

Von der Rohmilch bis zum Fertigprodukt – das Thema Nachhaltigkeit liegt dem 400 Mitarbeiter starken Unternehmen besonders am Herzen. So auch nachhaltige Verpackungslösungen: die frische Bergbauernmilch und Bio-Alpenmilch werden inzwischen in Kartonverpackungen abgefüllt, die aus nachwachsenden Materialien produziert werden. Unter anderem deshalb wurde die Molkerei in diesem Jahr für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Mittelgroße Unternehmen“ 2018 nominiert, der Anfang Dezember verliehen wird. Damit werden Unternehmen gewürdigt, die in vorbildlicher Weise wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung und Schonung der Umwelt verbinden.

Erfahren Sie mehr über die Genossenschaftsmolkerei: https://bergbauernmilch.de/

Oktober: Drop Out Cinema eG

Bye-bye Blockbuster: Die Drop Out Cinema eG fördert die kulturelle Vielfalt im Kino. Weil die meisten Filmverleiher vor allem an massentauglichen Produktionen interessiert sind, bleiben viele Filme auf der Strecke und kommen erst gar nicht auf die große Leinwand. Der genossenschaftliche Filmverleih aus Mannheim möchte das ändern.

Kinokultur prägen, Vielfalt schaffen, Spartenfilmen den Weg ins Kino ebnen: Das ist die Idee von Drop Out Cinema. Denn Cinéasten kommen hierzulande kaum auf ihre Kosten. Alternative Filmproduktionen finden nur selten den Weg in die Kinosäle. Der Grund: Das Programm bestimmen vor allem die Multiplex-Kinos mit Tausenden von Besucherplätzen. Doch auch anspruchsvolle Programmkinos meiden das wirtschaftliche Risiko geringer Zuschauerzahlen. Während Kinoketten durch ihre starke Stellung am Markt von erheblichen Rabatten und Kosteneinsparungen profitieren, haben die Kleinen das Nachsehen. Dem etwas entgegenzusetzen und wirtschaftliche Relevanz zu erlangen, ist das Ziel von Drop Out Cinema.

2013 gegründet, zählt der genossenschaftliche Filmverleih mittlerweile 53 Mitglieder, die meisten davon kleine Programm- und Independent Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Anders als bei gewinnorientierten Verleihern, stehen für Drop Out Cinema cineastische Kriterien an erster Stelle. Als deutschlandweites Netzwerk – insbesondere von Kinomachern – möchte die Genossenschaft nicht nur Filmverleih sein, sondern eine filmkuratorische Instanz, die Retrospektiven, Werkschauen und Filmreihen zentral entwickelt. Damit möchte sie eine neue Kinokultur schaffen, die in Zeiten der Digitalisierung bestehen kann.

Auch im Marketing setzt sich die Genossenschaft aktiv für kleinere Kinos und Filmverleiher ein, denen häufig die Mittel dafür fehlen. Auch hier gilt das Motto „Kräfte bündeln“. Mit ihrer zentralen Facebook-Präsenz NEU IM KINO verschafft Drop Out Cinema kleineren Kinos und Verleihern Aufmerksamkeit. Die Plattform richtet sich vornehmlich an Programmkinogänger, bietet Trailer und Kritiken zu Filmen aus dem Arthaus-Bereich. Die Likes geben der Genossenschaft recht. Die Plattform hat schon über 19.ooo Gefällt-mir-Angaben und wächst weiter stark.

Erfahren Sie mehr über den Filmverleih: www.dropoutcinema.org

September: Fairmondo

Nachhaltig, transparent, demokratisch: Fairmondo ist der erste und einzige Online-Marktplatz in Form einer Genossenschaft. Sie möchte eine faire Alternative zu den Marktriesen im Online-Handel schaffen. Das Pilotprojekt gibt es seit 2012, nachdem Fairmondo mithilfe einer Crowdfunding-Aktion genug Startkapital gesammelt hatte. Mittlerweile hat die Genossenschaft rund 2200 Mitglieder.

Demokratische Struktur, fairer Handel – und ausgeklügeltes Online-Geschäft? Die Fairmondo eG vereint genau diese Prinzipien. Die junge Genossenschaft hat eine Plattform geschaffen, auf der sowohl gewerbliche als auch private Anbieter jede Art von Artikeln verkaufen können. Besonders fördert Fairmondo jedoch fair und nachhaltig gefertigte Produkte. Das Konzept kommt an.

Schon jetzt sorgen 18.700 Anbieter für ein vielfältiges Angebot. Von Möbeln über Filme und Serien bis hin zu Lebensmitteln und Kleidung ist alles dabei. Das Sortiment wird stetig erweitert, in der Kategorie Bücher bietet der Marktplatz aber schon jetzt über zwei Millionen Artikel. Auch Dienstleistungen wie Workshops und Trainings kann man über Fairmondo erwerben, zudem gibt es die Kategorie „Zu verschenken“, in der sowohl neue als auch gebrauchte Produkte angeboten werden.

Als Genossenschaft gegründet versteht sich Fairmondo als ein Marktplatz der Nutzer. Jeder kann Anteile erwerben, das Unternehmen aktiv mitgestalten und kontrollieren. Darüber hinaus wird jedes Mitglied gemäß seinen Anteilen an späteren Gewinnen beteiligt. Der Mindestanteil für eine Einlage beträgt 10 Euro. Bisher haben sich über 2200 Mitglieder mit Einlagen bis zu 10.000 Euro an der Genossenschaft beteiligt. Dennoch, jedes Mitglied hat genau eine Stimme, egal, wie hoch der jeweilige Beitrag ist. Damit bleibt Fairmondo unabhängig von den Interessen großer Investoren. Denn dem Unternehmen geht es in erster Linie um die Sache und nicht um Geld – ein Konzept, das der Genossenschaft in diesem Jahr eine Platzierung als „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen“, einer Standortinitiative der Bundesregierung, einbrachte.

 

Hier geht’s zum Marktplatz: www.fairmondo.de