ALTERSVORSORGE-KONZEPT

„Wenn der Staat bei den Zinsen spart, sollen die Bürger nicht leer ausgehen“

Durch die niedrigen Zinsen kann sich der deutsche Staat derzeit besonders günstig refinanzieren. Einen Teil dieser Ersparnis sollte der Staat künftig an seine Bürger weitergeben, indem er die Altersvorsorge der Menschen in Deutschland fördert. Das schlägt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ BANK, in einem aktuellen Konzeptpapier vor. Die Idee erklärt er im Interview.

Herr Bielmeier, welches Ziel verfolgt Ihr Konzept?

Die Grundidee lautet: Wenn der Staat bei den Zinsen spart, sollen die Bürger nicht leer ausgehen. Zugleich kann es aus unserer Sicht aber nicht darum gehen, das Wachstum oder den Konsum kurzfristig mit Fiskalprogrammen anzukurbeln. Stattdessen sollte die Altersvorsorge der Menschen gestärkt werden. Angesichts der demografischen Entwicklung wird dieses Ziel immer wichtiger. Deswegen schlagen wir eine Altersvorsorge-Zulage vor, die aus einem neu einzurichtenden staatlichen Fonds gezahlt wird.

Woher soll das Geld für diesen Fonds kommen?

Der Fonds soll aus der Zinsersparnis finanziert werden, die bei der Emission öffentlicher Anleihen derzeit im Vergleich zum früheren Normalzinsniveau erzielt wird. Bereits jetzt hat der deutsche Staat bei seiner Refinanzierung gegenüber einem normalen Zinsniveau rund 80 Milliarden Euro eingespart. Ein Teil dieser Einsparungen soll als Startkapital in den Fonds fließen und so die Grundlage für die Förderung bilden. Auch von den künftigen Einsparungen sollte ein fester Prozentsatz, beispielsweise ein Viertel, in den Fonds fließen. Wenn die Zinsen wieder steigen, werden die Einzahlungen wieder abgeschmolzen und das angesparte Kapital dient als Puffer.

Es gibt in Deutschland bereits verschiedene Förderungen für die Vorsorge, angefangen bei der Arbeitnehmer-Sparzulage. Wie sortiert sich Ihr Vorschlag da ein?

Im Gegensatz zu anderen Spar- und Vorsorgekonzepten soll die hier vorgeschlagene Altersvorsorge-Zulage allen Bürgern von Geburt an offen stehen. Die von uns vorgeschlagene Altersvorsorge-Sparzulage sollte die bestehende Arbeitnehmer-Sparzulage ablösen. Das hätte den Vorteil, dass die staatlichen Fördermittel zielgerichtet auf das wichtige Sparziel Altersvorsorge gelenkt werden und dass die Förderung nicht auf bestimmte Bevölkerungsgruppen beschränkt bleibt. Langfristig wäre außerdem die Riester-Rente mit dem von uns vorgeschlagenen System zu verschmelzen.

Wie würde Ihr Konzept aus Sicht eines Bürgers konkret funktionieren?

Sie entscheiden sich wie bisher auch für ein geeignetes Vorsorgeprodukt und erhalten für die Einzahlung Zuschüsse. Als Vorsorgeprodukte sind grundsätzlich alle geeigneten Geldanlageformen sowie der Erwerb von Immobilieneigentum vorgesehen. Ein Wechsel zwischen Anlageformen und Anbietern soll jederzeit möglich sein. Das angesparte Vorsorgevermögen kommt frühestens bei Renteneintritt zur Auszahlung – entweder als lebenslange Rente oder in Form gleichmäßiger Auszahlbeträge.

Mit welchen Zahlungen könnten die Bürger unter dem Strich rechnen?

Je nach genauer Ausgestaltung des Modells wären bei einer zwanzigjährigen Rentenphase zusätzliche monatliche Auszahlbeträge zwischen rund 200 und 400 Euro möglich.