21.09.2026

Zehn Jahre Innovation Lab: Vom Experiment zum Kompass für die Zukunft

Es war ein ungewöhnliches Bild: Im September 2016 stand der Vorstand mit zahlreichen Kollegen in einem Raum, in dem vieles fehlte, was zu dem Zeitpunkt einen klassischen Bankalltag ausmachte. Stattdessen: Start-up-Atmosphäre mit Kollaborationstischen, Tech-Gadgets wie VR-Brillen und Freiraum für Ideen, die anderswo in der Bank noch keinen Platz hatten. Das Innovation Lab war eröffnet. „Am Anfang wussten wir selbst nicht genau, was uns erwartet“, erinnert sich Dirk Elsner, langjähriger Gruppenleiter des Innovation Labs. „Und die Fachbereiche auch nicht.“ Rückblickend, sagt er, war genau diese Offenheit der größte Vorteil.

Wie alles begann
Die Wurzeln reichen ein Jahr weiter zurück. 2015 gründete die DZ BANK ihr Innovationsmanagement – mit dem Auftrag, die Innovationsfähigkeit in der AG und der Gruppe zu stärken. „Von Anfang an war klar, dass es dafür konkrete Formate braucht, keine bloßen Absichtserklärungen“, sagt Franz Welter, Abteilungsleiter Innovation, Digitalisierung und Verbund. „Das Innovation Lab war die Antwort darauf.“

Das Bild zeigt eine Gruppe von Menschen in Business-Kleidung in einem Büro oder Konferenzraum. Zwei Männer stehen im Vordergrund, einer hält einen Kaffee-Becher und lacht, der andere zeigt eine bunte Karte und lächelt ebenfalls. Im Hintergrund stehen weitere Personen, es herrscht eine freundliche und entspannte Atmosphäre. Es scheint sich um eine geschäftliche oder berufliche Veranstaltung oder ein Treffen zu handeln.
Haben das Innovation LAB ins Leben gerufen: Franz Welter und Dirk Elsner

Das Gründungsteam war klein: vier Personen zwischen 30 und Anfang 50 bauten das Innovationsmanagement auf. Heute arbeiten in der Abteilung 15 Personen, sechs davon kümmern sich ausschließlich um das Innovation Lab. Die größte Hürde in den ersten Monaten war keine technische, sondern eine des Vertrauens. Denn das Lab lebt bis heute von einem einfachen Prinzip: „Wir beraten und inspirieren, denken uns die Themen aber nicht selbst aus“, betont Elsner. „Sie kommen aus den Fachbereichen.“ Und so galt es zunächst, die Kolleginnen und Kollegen zu überzeugen, mit eigenen Themen und Ideen am Lab teilzunehmen – in einen Raum, von dem noch niemand wusste, was ihn dort erwarten würde.

Der Start glückte. Die ersten Projekte zeigen, wie breit das Spektrum von Beginn an war: Der VR Geschäftsnavigator, ein digitales Werkzeug für die Volksbanken, ist bis heute im Einsatz. Der VR Butler lebt in einer Ausgründung der VR Smart Finanz weiter. Und VR Farming 4.0, eine Informationsplattform für die Landwirtschaft, war ein früher Beleg dafür, dass das Lab auch ungewöhnliche Wege gehen durfte – selbst wenn nicht jedes Projekt Bestand hatte.

Ein Hackathon, der Geschichte schrieb
Schon im Gründungsjahr setzte die Abteilung Innovation und Digitalisierung ein Ausrufezeichen. Bei einem Hackathon kamen über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der DZ BANK, der Gruppe, den Volksbanken, der ADG und der Vorgängerorganisation der Atruvia zusammen. „Es war ein großartiges Gemeinschaftserlebnis“, sagt Elsner. „Es hat gezeigt, wie kreativ die Genossenschaftliche FinanzGruppe ist, wenn sie gemeinsam nach Ideen sucht.“  In den Jahren danach gab es neun weitere Hackathons – etwa zu Künstlicher Intelligenz und Chatbots.  

Das Bild zeigt eine Gruppe von Menschen in einem modernen Büro oder Konferenzraum, die gemeinsam posieren. Mehrere Personen halten Schilder mit der Aufschrift 'Innovation LAB' in den Händen, und auf Monitoren im Hintergrund steht ebenfalls 'Innovation LAB'. Es handelt sich offenbar um ein Team oder eine Gruppe, die an einem Innovationsprojekt arbeitet oder an einer Innovationsveranstaltung teilnimmt.
Von der Idee in die Praxis: Teilnehmer im Innovation LAB

Wachstum, Umzüge und ein Wendepunkt
Auch räumlich gab es viel Bewegung: Vom Cityhaus I über das TechQuartier, wo zeitweise Start-ups und die Deutsche Bank als Nachbarn für Austausch sorgten, bis zum W1 Workspace. Die Hoffnung, allein durch räumliche Nähe zu Start-ups Kooperationen entstehen zu lassen, erfüllte sich dabei aber nicht immer. „Man muss realistisch bleiben", sagt Welter. „Nicht jedes Start-up mit einer coolen Idee passt zu einer Bank. Und nicht jede Idee revolutioniert den Finanzsektor.“ Heute geht die Initiative für Kooperationen in der Regel von den Fachbereichen aus – ein Zeichen dafür, wie tief das Innovationsdenken inzwischen im Haus verankert ist.

Der entscheidende Sprung kam 2019. Das Lab erweiterte sein Angebot um gleich mehrere neue Formate: das Sprint LAB für schnelle Entwicklungszyklen, das Trend LAB für den Blick nach vorn, dazu das Data LAB und das Process LAB. „Nicht jeder Fachbereich braucht einen fertigen Prototyp", erklärt Elsner. „Mit den neuen Formaten konnten wir sehr unterschiedliche Bedürfnisse bedienen.“ Das Trend LAB startete mit zwei Themen, die damals nur wenige auf dem Schirm hatte: Stablecoins und Quantencomputing.

Das Bild zeigt ein modernes Großraumbüro, in dem mehrere Personen an Schreibtischen arbeiten. Im Vordergrund unterhalten sich zwei Männer, die vor Computermonitoren sitzen. Im Hintergrund arbeiten weitere Personen an ihren Arbeitsplätzen, viele Computer und Büromaterialien sind zu sehen. Das Gesamtbild vermittelt eine geschäftige Arbeitsatmosphäre.
Brainstorming im Tech-Quartier

Zugleich strahlte die agile Arbeitsweise, die das Lab von Beginn an prägte, immer stärker in die gesamte Bank aus. „Viele, die einmal im Lab gearbeitet hatten, wollten danach auch in ihren Projekten so weitermachen“, sagt Welter. In den Jahren darauf hielten agile Methoden zunehmend Einzug in reguläre Projekte – und mit ihnen eine echte Experimentierkultur. Ein Beispiel, das Welter besonders am Herzen liegt, ist der Smart Derivative Contract von 2018. Der Kapitalmarktbereich brachte das Thema im Lab ein. Danach wurde das Produkt weiterentwickelt und mit verschiedenen Handelspartnern in realen Transaktionen verprobt - sogar kürzlich international. So wurde auch die Voraussetzung für spätere Innovationen wie Smart Bonds und potentielle Anwendungsfälle für Stablecoins geschaffen. „Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie wir im Lab dabei helfen, dass eine Idee langfristig Wirkung entfaltet. Zudem verdeutlicht es die gute Zusammenarbeit mit den Fachbereichen“, betont Franz Welter.

Dann kam 2020 die Bewährungsprobe: Über Nacht zwang die Corona-Pandemie das Lab in den Remote-Betrieb. Ein Einschnitt, der zugleich bewies, wie anpassungsfähig das Team inzwischen geworden war.

Das Bild zeigt eine kleine Gruppe von Männern in formeller Kleidung, die sich in einem modernen Büro- oder Konferenzraum unterhalten. Im Hintergrund sind weitere Personen zu sehen, die ebenfalls miteinander sprechen. Die Atmosphäre wirkt professionell, möglicherweise handelt es sich um ein geschäftliches Treffen, eine Konferenz oder eine Fachveranstaltung.
Der damalige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Kirsch (Mitte) und unser heutiger CEO Cornelius Riese (rechts) bei der Eröffnung des LABS

199 Themen – drei Viertel mit Wirkung
Die Zehnjahresbilanz überzeugt: 199 Themen hat das Innovation Lab seit seiner Gründung bearbeitet – gemeinsam mit Volksbanken, Unternehmen der Gruppe und externen Partnern bis hin zum Handelskonzern Rewe. Rund drei Viertel der Prototyping-Projekte wurden anschließend umgesetzt. Zu den sichtbarsten Ergebnissen zählen das VR FinanzManagement und der Smart Derivative Contract. Zudem hat das Lab bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz in der Bank wichtige Impulse geliefert. Ihre Ergebnisse durften die Teams immer wieder dem Vorstand präsentieren – ein Höhepunkt für die Beteiligten und ein Beleg für die strategische Relevanz ihrer Arbeit.

„Am Anfang war das Lab für uns ein Experiment“, sagt Elsner. „Das Interesse hat sich seitdem stetig weiterentwickelt. Das erkennt man vor allem an der Bedeutung der Themen, mit denen Fachbereiche heute auf uns zukommen.“

KI, DLT und die unsichtbare Bank
Aktuell steht Künstliche Intelligenz ganz oben auf der Themenliste. Eine Überraschung ist das nicht. Schon 2020 widmete sich ein Trend LAB erstmals dem Thema. 2024 setzte das Lab gemeinsam mit der IT einen ganzjährigen KI-Schwerpunkt. Heute gibt es mit dem Fit4G AI LAB ein eigenes Format, das gemeinsam mit Fachbereichen und IT konkrete Prozessstrecken mithilfe von KI optimiert.

KI ist aber nicht alles. Franz Welter sieht zwei weitere Themen mit großer Bedeutung für die kommenden Monate: die DLT-Technologie mit all ihren Facetten wie Stablecoins, Krypto-Assets und Tokenisierung. Hinzu kommt Embedded Finance, also Bank-Services, die in andere Produkte und Dienstleistungen eingebaut sind. „So gewinnen wir die Kundenschnittstelle von morgen. Das Innovation Lab liefert dazu einen entscheidenden Impuls“, betont Franz Welter.