06.10.2026

Warum Wasser für die Bank Risiko und Chance zugleich ist

Das Bild zeigt einen Mann in einem Anzug, der in einem modernen Gebäude mit Glasfront steht. Im Hintergrund sind Fenster, eine Glasfassade und ein Gang mit natürlichem Licht zu sehen. Der Mann lächelt in die Kamera.
Lennart Stackebrandt, Nachhaltigkeit

Dass frisches Wasser für uns wichtig ist, dürfte auf der Hand liegen: Es ist unsere alltägliche Lebensgrundlage und ist essenziell für Ernährung sowie Gesundheit. Doch nicht nur das: Auch für die wirtschaftliche Stabilität des Landes ist Wasser von zentraler Bedeutung. Denn gerade in anhaltenden Dürreperioden wie in diesem Sommer steht teilweise nicht genug Grundwasser zur Verfügung und der Wasserpegel ist in vielen Flüssen zu niedrig für den Transport von Gütern. 

In den vergangenen Jahren hatte sich die Bank zunächst damit beschäftigt, Nachhaltigkeit strukturell in die Prozesse der Gesamtbank zu integrieren. Wegen der Bedeutung von Wasser als Ressource hat sie darauf aufbauend den Fokus auf Naturrisiken und deren Bedeutung für unsere Geschäftsprozesse gelegt und dabei einen Schwerpunkt auf das Thema Frischwasser gesetzt. „Steht Wasser nicht mehr ausreichend zur Verfügung, wird das schnell auch zu einem geschäftlichen Risiko für uns als Bank“, erklärt Nachhaltigkeitschef Lennart Stackebrandt (SKN). „Man denke nur an unsere Kunden aus dem Agrarsektor. Ohne Wasser kommen sie nicht weit.“

Doch auch darüber hinaus ist frisches Wasser in vielen Industrien und Branchen eine wichtige Ressource: Zum Kühlen von Rechenzentren und Kraftwerken, für verschiedene Produktionsprozesse oder für die Schifffahrt und damit verbundene Transportwege. Schnell wird klar: „Trotz dieser hohen Bedeutung für den Wirtschaftsstandort bekommt das Thema eher punktuell Aufmerksamkeit, etwa während anhaltender Trockenperioden. In anderen Ländern ist das anders – dort ist Wasserknappheit zum Teil ganzjährig ein Thema“, so Stackebrandt.

Für die Bank war das ein Grund für einen tieferen Blick in die Thematik und die entsprechenden Geschäftsrisiken. Vor kurzem wurde ein Positionspapier dazu veröffentlicht. In dem werden nicht nur Hebel aufgezeigt, die die DZ BANK hat, um unsere Kunden auf dem Weg hin zu mehr Resilienz zu unterstützen. Es identifiziert auch potenzielle Risiken durch Wasserknappheit und deren Auswirkungen auf unsere Geschäftsprozesse und prüft, inwiefern naturbezogene Risiken in den Kreditprozess integriert werden können. 

Neue regulatorische Anforderungen verschärfen den Druck

Ausbleibender Regen oder Starkregenereignisse wie im Ahrtal im Jahr 2021 sind nämlich nur ein Aspekt, der Unternehmen rund ums Thema Wasser Kopfschmerzen bereitet. „Die klimatischen Herausforderungen treffen auf neue, verschärfte Vorgaben seitens der EU für die Wasserqualität“, erklärt Stackebrandt. Kommunen und Gemeinden sind regulatorisch angehalten, ihr Wassermanagement zu verbessern. Dazu zählen beispielsweise Anlagen für die Energierückgewinnung aus Klärgas für energieneutrale Kläranlagen und die Abwasserreinigung oder die Phosphorrückgewinnung mit dem Ziel, einen besseren Umgang mit natürlichen Ressourcen zu schaffen.

Auch moderne Reinigungsverfahren oder Monitoring-Technologie, die schnell und effizient reagiert, sobald es irgendwo ein Problem gibt, zählen zu den Bereichen, bei denen kommunale Versorger aufsatteln müssen. „Kurzum, der Investitionsbedarf ist riesig“, so Stackebrandt. Viele Gemeinden blicken ohnehin auf eine sanierungsbedürftige Infrastruktur, auch in der Wasserwirtschaft. „Die neuen regulatorischen Anforderungen kommen obendrauf und verschärfen den Investitionsdruck.“

Modernisierungsbedarf als Geschäftschance 

Verschiedene Marktstudien schätzen, dass der globale Wassermarkt aufgrund des Modernisierungsbedarfs bis 2030 um rund vier bis sieben Prozent pro Jahr wächst. Was einerseits ein Mammutprojekt für viele Versorgungsunternehmen ist, bedeutet für die DZ BANK aber auch neue Geschäftschancen. „Als regional geprägte genossenschaftliche FinanzGruppe pflegen wir seit jeher eine enge Kundenbeziehung zu Unternehmen aus der kritischen Infrastruktur wie kommunalen Versorgern und sehen es als unseren Auftrag, diese notwendigen Investitionen mitzubegleiten“, sagt Stackebrandt. Wichtig sei deshalb in jedem Fall, mit den Kunden gemeinsam zu prüfen, welche Finanzierungsmodelle möglich sind und wie der Investitionsbedarf mittelfristig gestemmt werden kann. 

Eine Herausforderung dabei: Die Bilanzen der meisten regionalen Versorger sind nicht sehr groß und daher nicht auf derartige Investitionssummen ausgerichtet. „Ohne privates Kapital wird es an vielen Stellen nicht gehen“, weiß unser Nachhaltigkeitschef. Dazu zählt auch der Gang an den Kapitalmarkt. „Viele Unternehmen müssen Mut beweisen und sich weiter diversifizieren in ihrer Finanzierungsstrategie, damit die Wasserwende tatsächlich gelingt.“