Sonderumfrage: KI ist im Mittelstand im Alltag angekommen – bei Investitionen überwiegt Zurückhaltung
- 58 Prozent der Mittelständler nutzen KI bereits; zwei Fünftel sogar integriert in ihre Geschäftsprozesse.
- Nur rund 15% der Unternehmen erwarten durch KI höhere Produktivität oder Personaleinsparungen. Nennenswerte KI-Investitionen planen aktuell nur 16 Prozent
- Stefan Beismann, Firmenkundenvorstand DZ BANK: „Politische Rahmenbedingungen müssen Investitionen in KI einfacher und planbarer machen sowie wirtschaftlich ermöglichen – etwa durch gezielte steuerliche Anreize oder Abschreibungsmöglichkeiten.“
Rund 40 Prozent der mittelständischen Unternehmen sind der Ansicht, dass Künstliche Intelligenz (KI) die Wirtschaft ähnlich grundlegend verändern kann wie einst die industrielle Revolution. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 1.000 Inhabern und Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen in Deutschland hervor. KI ist in der geschäftlichen Praxis vieler Mittelständler angekommen: 58 Prozent der befragten Unternehmen geben an, KI bereits zu nutzen. 37 Prozent integrieren entsprechende Anwendungen in Prozesse und Geschäftsabläufe oder planen dies. 44 Prozent testen den Einsatz von KI bereits. Rund jedes fünfte Unternehmen nutzt Sprachmodelle im Marketing oder Vertrieb oder sieht deren Einsatz vor, etwa für Chatbots zur Beantwortung häufiger Kundenanfragen. Bei der Nutzung von KI zeigen sich deutliche Unterschiede nach Branche und Unternehmensgröße. So setzen 73 Prozent der Unternehmen aus der Elektroindustrie bereits KI ein, in der Landwirtschaft dagegen nur jedes fünfte Unternehmen.
KI verändert im Mittelstand vor allem Arbeitsprozesse und Kompetenzanforderungen. Die Mittelständler gehen aber bislang nicht davon aus, dass der KI-Einsatz zu weniger Bedarf an Arbeitskraft führt.
Die Befragung zeigt zugleich, dass viele Mittelständler bei der wirtschaftlichen Bewertung von KI noch zurückhaltend sind. So ist für 41 Prozent der befragten Unternehmen der konkrete wirtschaftliche Nutzen bislang nicht klar erkennbar. Nur 16 Prozent gehen davon aus, dass der Einsatz von KI zu höherer Produktivität führt. Mit Blick auf mögliche Personaleinsparungen sind es lediglich 15 Prozent. „KI verändert im Mittelstand vor allem Arbeitsprozesse und Kompetenzanforderungen. Die Mittelständler gehen aber bislang nicht davon aus, dass der KI-Einsatz zu weniger Bedarf an Arbeitskraft führt. Aufgaben dürften sich dadurch eher verschieben und weiterentwickeln, als dass sie einfach wegfallen. Entscheidend wird sein, Mitarbeitende frühzeitig auf diesen Wandel vorzubereiten und gezielt weiterzubilden“, sagt Stefan Beismann, Firmenkundenvorstand der DZ BANK.
KI-Nutzung differenziert, Investitionsbereitschaft gering
Trotz des breiten Interesses an KI schlägt sich die im Mittelstand insgesamt verhaltene Investitionsbereitschaft auch beim Thema Künstliche Intelligenz nieder. Lediglich 16 Prozent der befragten Unternehmen planen derzeit nennenswerte Ausgaben für KI. Selbst in der Elektroindustrie, die beim KI-Einsatz zu den Vorreitern zählt, will weniger als jedes dritte Unternehmen in KI-basierte Prozesse, Arbeitsabläufe oder Geschäftsmodelle investieren. Im Agrarsektor liegt der Anteil sogar nur bei zwei Prozent.
Auch nach Unternehmensgröße zeigt sich ein differenziertes Bild. Unter den größeren Mittelständlern mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro setzen bereits 76 Prozent KI ein, aber nur 38 Prozent planen nennenswerte Ausgaben für entsprechende Anwendungen. Bei kleinen Unternehmen mit weniger als fünf Millionen Euro Jahresumsatz liegt der Anteil der KI-Nutzer bei 49 Prozent, investitionsbereit sind jedoch nur elf Prozent.
Datenschutz größtes Hindernis bei KI-Anwendung
Die Unternehmen sehen sich bei der Nutzung mit handfesten Hürden konfrontiert. Als größtes Hemmnis beim Einsatz von KI nennen die befragten Unternehmen Datenschutz und rechtliche Unsicherheiten. 43 Prozent sehen darin ein Hindernis. Es folgen fehlende Einsatzmöglichkeiten und Zeitmangel mit jeweils 42 Prozent. Mehr als ein Viertel der Unternehmen, nämlich 27 Prozent, nennt zudem fehlende Fachkräfte als Hinderungsgrund. Allerdings planen derzeit nur sieben Prozent der Befragten, gezielt Experten für diesen Bereich einzustellen. „Viele Unternehmen haben den Einstieg in KI bislang noch mit vorhandenen Ressourcen bewältigt. Damit KI in der Breite des Mittelstands ankommt, muss der Zugang zu neuen Technologien jedoch auch für kleine und mittlere Unternehmen wirtschaftlich tragfähig sein. Viele Betriebe sehen das Potenzial von KI, stoßen bei der praktischen Umsetzung aber auf knappe personelle Ressourcen, begrenzte Zeit und hohe Unsicherheit bei Investitionen in Know-how, Qualifizierung und geeignete Tools“, sagt Beismann. „Umso wichtiger sind praxisnahe Datenschutzstandards, klare Regelungen für den sicheren Umgang mit Unternehmensdaten sowie politische Rahmenbedingungen. Erst diese machen Investitionen in KI einfacher und planbarer und ermöglichen darüber hinaus die notwendige wirtschaftliche Effizienz – etwa durch gezielte steuerliche Anreize und Abschreibungsmöglichkeiten.“
Hier finden Sie die Studie.
Mirja Lehleuter
Head of Social Media / Pressesprecherin
(Firmenkunden)